Kreis Calw. Die Zahl der Berufsschüler an den Kreisberufsschulzentren in Calw und Nagold hat sich im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr davor lediglich um 35 auf 5242 verringert. Somit alles bestens? Keineswegs! Denn: Während die kaufmännischen Bereiche immer beliebter werden, sind einige Handwerksberufe vom Aussterben bedroht.
Mit dieser dramatischen Entwicklung beschäftigte sich der Bildungs- und Sozialausschuss des Calwer Kreistags in einer per Videokonferenz abgehaltenen Sitzung. In ihrer ausführlichen Sitzungsvorlage schrieb Claudia Krause, die Leiterin der Abteilung Schulen und Kultur im Landratsamt: „Es gibt auch dieses Schuljahr Bildungsgänge, deren Fortbestand in Frage steht, weil die Mindestschülerzahl von 16 erneut unterschritten wird. Dies betrifft unter anderem die Raumausstatter an der Rolf-Benz-Schule in Nagold.“ Zum dritten Mal in Folge wurde diese Mindestzahl verfehlt. Außerdem: „An der Johann-Georg-Doertenbach-Schule in Calw befinden sich die Bildungsgänge in der Körperpflege, Farbtechnik und Metallbautechnik im Hinweisverfahren der Regionalen Schulentwicklung.“ Was bedeutet nun das Beamtenwort „Hinweisverfahren“? Wenn nicht besondere Maßnahmen getroffen werden oder eine Ausnahmegenehmigung vorliegt, ist bei Unterschreiten der Schülerzahl in zwei aufeinanderfolgenden Jahren „die Schule aufzuheben.“
Landrats-Vize Frank Wiehe drückte es in der Ausschusssitzung noch drastischer aus als seine Amtsleiterin: „Wir möchten nicht, dass Raumausstatter, Maurer und andere Berufe aus dem Landkreis verschwinden.“ Zudem sei die Ausbildung im Gaststättengewerbe im vergangenen Jahr negativ von der Pandemie geprägt gewesen. Er kündigte an, auf Kreishandwerkerschaft und Hotel- und Gaststättenverband zuzugehen, „um das eine oder andere zu klären.“ Wiehes Credo: „Nur zusammen schaffen wir es, dass die Schülerzahlen wieder hochgehen.“
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