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Erik Schweickert demonstriert das Höhendilemma in einem Beitrag der Produktionsfimra LeveFilms für die ARD-Sendung Plusminus am Bahnhof in Niefern. Foto: Meyer
Erik Schweickert demonstriert das Höhendilemma in einem Beitrag der Produktionsfimra LeveFilms für die ARD-Sendung Plusminus am Bahnhof in Niefern. Foto: Meyer
12.01.2018

Schweickert spricht von Täuschung - Diskussion um Bahnsteighöhe in Niefern nimmt bizarre Formen an

Die Kommune macht alles für ein attraktives Areal: Fast drei Millionen Euro investiert die Gemeinde Niefern-Öschelbronn in die Sanierung des historischen Bahnhofs in Niefern.

Ob die Deutsche Bahn (DB) die Bahnsteige auf Vordermann bringt und sie auf ein Maß erhöht, das zu den Regionalzügen mit Halt in Niefern passt, ist aber ungeklärt. Offen ist weiter, ob die Bahn von ihrem umstrittenen Plan abrückt, die Einstiege auf 76 Zentimeter anzuheben, wie sie nur für Fernzüge geeignet wären. Anfang Dezember hatte das Landesverkehrsministerium erklärt, auch der Bund setze sich für 55 Zentimeter hohe Bahnsteige ein, die den Fahrgästen einen ebenerdigen Einstiege in Regionalzüge bieten. Doch das war offensichtlich eine zu früh verkündete Einigung in dem Konflikt, wie Minister Winfried Hermann (Grüne) in der Antwort auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Erik Schweickert (FDP) aus Niefern einräumt.

Uwe Lahl, der Amtschef des Verkehrministeriums in Stuttgart, habe damals mit dem zuständigen Unterabteilungsleiter des Bundesverkehrsministeriums in Berlin telefoniert und „den klaren Eindrucke gewonnen“, dass der Bund nicht mehr starr am Konzept der Bahn mit 76 Zentimeter hohen Einstiegen festhalte. Der Bund sei jetzt zu pragmatischen Lösungen bereit, zum Beispiel wie in Niefern, zumal auf der Linie zwischen Karlsruhe und Stuttgart überall barrierefreie Bahnsteige mit 55 Zentimetern vorhanden sind, so das Land. „Im Nachgang des Telefonats“ habe das Bundesverkehrsministerium allerdings gegenüber dem Land und der für den Ausbau zuständigen Bahn-Tochter DB Station & Service erklärt, eine Einigung in dem Streitfall sei „nicht herbeigeführt worden“, schrieb Hermann nun dem FDP-Politiker.

Über diese Kehrtwende des Landesministeriums ist Schweickert sauer: „Eine derartige Täuschung grenzt an Unverschämtheit.“ Denn jetzt ist der Kompromissplan, den Niefern-Öschelbronns Ortsbaumeister Franz-Josef Müller im Gemeinderat unmittelbar nach der angeblichen Lösung vorstellte, in Gefahr. Müller entwarf für die Bahnsteige eine Doppellösung, wie sie auch Minister Hermann ins Spiel gebracht hatte. Müllers Plan sah im Kernbereich des Nieferner Bahnhofs die für die Fahrgäste geeignete 55-Zentimeter-Größe vor. In den Außenzonen sollten dagegen die von der Bahn für eine ferne Zukunft angepeilten höheren Bahnsteige gebaut werden. „Jetzt stehen wir erneut am Anfang“, ärgert sich Schweickert über die vom Land mit der voreiligen Mitteilung verpasste Chance. Die seit rund zwei Jahren anhaltende Kontroverse geht in die nächste Runde. Mehr lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.