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© Symbolbild: dpa
01.01.2018

Silvester-Bilanz: Jugendlicher in Mühlacker durch Böller schwer verletzt

Pforzheim/Enzkreis/Calw/Stuttgart. „Einen überwiegend ruhigen Verlauf der Silvesternacht“ haben die Beamten des Polizeipräsidiums Karlsruhe erlebt. Die Polizei führte bereits ab 18.30 Uhr Präsenz- und Kontrollmaßnahmen durch. Insgesamt waren fast 300 Polizisten im Einsatz, die bis 6 Uhr 536 Einsätze zu bewältigen hatten. In Stuttgart wurden mindestens zehn Polizisten durch Feuerwerkskörper verletzt.

Silvesterbilanz Feuerwehr und Rettungsdienst

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Was vor zwei Jahren in Köln für nationales Aufsehen sorgte, scheint in der Region um Karlsruhe und um Pforzheim kein Thema zu sein: Es wurden in der Silvesternacht keine Sexualdelikte oder Belästigungen in der Nacht bei der Polizei angezeigt. Dafür gab es vermehrt Aufregung um Feiernde, die Feuerwerkskörper in Menschengruppen warfen.

Die Polizei wurde im Karlsruher Präsidiumsbereich zu 45 Ruhestörungen gerufen. Weiterhin waren 24 Körperverletzungsdelikte, fünf Diebstähle und 14 Verstöße gegen Waffen- und Sprengstoffgesetz zu verzeichnen. Es mussten insgesamt 56 Platzverweise ausgesprochen werden. Traurig, aber an Silvester wohl kaum zu vermeiden: 13 Jugendliche wurden teilweise erheblich alkoholisiert angetroffen. Der Spitzenwert betrug mehr als 3,3 Promille, was im Normalfall locker für schwere Alkoholvergiftungserscheinungen reicht.

Pforzheim/Enzkreis

Auch das ist leider immer wieder typisch Silvester: Ein 15-Jähriger wurde um 22.20 Uhr in Mühlacker durch einen Feuerwerkskörper, der unmittelbar nach dem Anzünden in seiner Hand explodierte, schwer verletzt. Die Feuerwehr Mühlacker musste für den Notfalltransport mit einem nachtflugfähigen Rettungshubschrauber ein Landegelände bei den Enzkreis-Kliniken in Mühlacker ausleuchten. Der Jugendliche wurde in eine Spezialklinik geflogen. In Wiernsheim-Pinache und Eisingen geriet jeweils eine Gartenhecke in Brand und in Mühlacker-Lienzingen brannte kurz nach 1 Uhr ein Blumengesteck im Hauseingangsbereich eines Wohnhauses. Es entstand lediglich Sachschaden.

Im Stadtgebiet von Pforzheim stellte die Polizei mehrere feiernde Kleingruppen fest. Zwei Personen mussten aufgrund ihrer Alkoholisierung in Gewahrsam genommen werden. Bei Streitigkeiten wurden zwei junge Männer leicht verletzt.

Landkreis Calw

Im Landkreis Calw verlief die Silvesternacht weitgehend ruhig. In Calw waren rund 300 Personen in der Innenstadt feiernd unterwegs. Mehrere Feiernde mussten auf das bestehende Verbot von Abbrennen von Feuerwerk hingewiesen werden. Das galt auch für Feiernde in der historischen Innenstadt von Nagold. Beim Simmonzheimer Sportplatz wurde ein dreijähriger Junge durch einen Feuerwerkskörper leicht verletzt. Eine Feuerwerksrakete explodierte neben einem geparkten Auto, in dem das Kind saß. In Althengstett geriet kurz vor 2 Uhr ein Mülleimer, in dem Überreste von Feuerwerkskörpern entsorgt wurden, in Brand. Es entstand lediglich Sachschaden.

Stadt und Landkreis Karlsruhe

Im Stadtgebiet Karlsruhe versammelten sich mehrere tausend Personen, teilweise in größeren Gruppen auf den öffentlichen Plätzen, um den Jahreswechsel zu feiern. Bis Mitternacht stellte die Polizei bis zu 4000 Personen auf dem Schlossplatz fest. Rund 800 junge männliche Migranten, in mehreren Gruppen von 40 bis 50 Personen, fielen durch unsachgemäßes Hantieren mit Feuerwerkskörpern auf. Bei Personenkontrollen mussten 15 Personen, die erheblich unter Alkoholeinwirkung standen, oder durch aggressives Verhalten auffielen, in Gewahrsam genommen werden.

Bereits nach 20 Uhr mussten gegen drei junge Männer, die Feuerwerkskörper in Richtung von Passanten warfen, Platzverweise ausgesprochen werden. Gegen 23.30 Uhr warfen Unbekannte an der Durlacher Reichhardtstraße mehrere Feuerwerkskörper in eine Personengruppe, wobei drei Personen leicht verletzt wurden.

Nach Mitternacht verließen viele Besucher aufgrund der Gefährdung durch Feuerwerkskörper die Feier am Schlossplatz. Gegen 1.30 Uhr waren nur noch wenige Besucher auf dem Schlossplatz. Mehrere Personen wurden durch unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern an den Händen und im Gesicht leicht verletzt.

Zu mehreren Bränden musste die Feuerwehr in der Nacht ausrücken. An der Killisfeldstraße geriet kurz nach 23 Uhr ein auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses gelagerter Weihnachtsbaum vermutlich durch einen Feuerwerkskörper in Brand. Das Feuer griff auf die Wohnung über. Der entstandene Sachschaden wird auf rund 50.000 Euro geschätzt.

An der Schulstraße und der Straße am Sandfeld brannten Altkleidercontainer. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Tausend Euro. An der Danziger Straße wurde von mehreren Personen an einem Lagerfeuer mitten auf der Straße gefeiert. Die Feuerwehr musste das Feuer loschen.

In Rheinstetten-Mörsch brannte um 2.30 Uhr eine Gartenhütte an der Boschstraße. Das Feuer breitete sich über geborstene Scheiben in die Kellerräume und das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses aus. Aufgrund der starken Rauchentwicklung war das Anwesen nicht bewohnbar. Die vier Bewohner konnten vorübergehend in der Nachbarschaft untergebracht werden. Der Schaden wird auf rund 50.000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen.

An der Ettlinger Straße in Malsch brannte kurz vor 01.00 Uhr ein Altkleidercontainer. Der Schaden wird auf rund 2000 Euro geschätzt. In Karlsdorf-Neuthard geriet kurz vor 23 Uhr eine Hecke in Brand. Der Brand griff auf eine Spielplatzhütte über. Die Feuerwehr war im Einsatz. Der Schaden wird auf mehrere Hundert Euro geschätzt.

Stuttgart

Zusammen mit der Bundespolizei war auch in diesem Jahr die Landespolizei  mit mehreren Hundert Beamten in Stuttgart präsent. Schwerpunkt der Einsatzmaßnahmen waren die Innenstadt und der Hauptbahnhof sowie insbesondere der Schlossplatz. Dort hatten sich in den späten Abendstunden wie erwartet mehrere Tausend Menschen zu den Silvesterfeierlichkeiten eingefunden. Insgesamt kam es zu keinen schwerwiegenden Vorkommnissen. Dennoch identifizierten die Einsatzkräfte über ein Dutzend Personen, die Feuerwerkskörper offenbar gezielt in die Menschenmenge schossen.

Nach bisherigem Kenntnisstand erlitten etliche umstehende Personen Verletzungen und mussten von Rettungskräften behandelt werden. Auch mindestens zehn Polizisten sind von pyrotechnischen Gegenständen getroffen und verletzt worden. Drei Beamte müssen in Krankenhäusern ärztlich behandelt werden; zwei von ihnen erlitten Verletzungen am Auge.

Die tatverdächtigen Männer wurden vorläufig festgenommen; sie müssen nun mit Anzeigen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung rechnen. Insgesamt zählte die Polizei zudem im Stadtgebiet rund zwei Dutzend zumeist kleinere Brände, die von Feuerwerkskörpern verursacht worden waren.

Am Rotweg ist ein geparktes Auto ausgebrannt, weil es offenbar von einer Rakete getroffen wurde. Auch zwei daneben stehende Fahrzeuge sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Der entstandene Sachschaden lässt sich derzeit noch nicht beziffern.

Im Zuge der Feierlichkeiten kam es immer wieder zu Körperverletzungsdelikten, die zum Teil in Schlägereien ausarteten. Auch hier musste die Polizei bis in die frühen Morgenstunden in rund 20 Fällen zu Einsätzen ausrücken.

Wie im vergangenen Jahr hat das Technische Hilfswerk tatkräftig das polizeiliche Sicherheitskonzept unterstützt. So bei der Ausleuchtung von Bereichen der Innenstadt, insbesondere des Schlossplatzes. Darüber hinaus sorgte das THW für die Verpflegung der Einsatzkräfte.