Seit Sommer findet an der Gustav-Heinemann-Schule in der Pforzheimer Nordstadt kein Unterricht mehr statt. Foto: PZ-Archiv/Meyer
Region
Sozialausschuss debattiert über Zukunft der Gustav-Heinemann-Schule
  • Sven Bernhagen

Parteiübergreifend fordern die Kreistagsfraktionen Alternativen von der Kreisverwaltung zum vorgeschlagenen Neubau für die Gustav-Heinemann-Schule (GHS), der mit geschätzten 25 Millionen Euro zu Buche schlagen würde (die PZ berichtete). Am vergangenen Freitag waren die Kreisräte im Rahmen eines Klausurtags vom Landratsamt hinter verschlossenen Türen über die Planungen informiert worden. Am Donnerstag war die GHS erneut Thema im nichtöffentlichen Teil des Sozial- und Kulturausschusses des Enzkreises.

Zuvor hatten sich FWV, CDU, SPD, Grüne und FDP mit einem fraktionsübergreifenden Antrag an Landrat Bastian Rosenau gewandt. Die Kernforderung ist die Suche nach dezentralen Lösungen für die Unterbringung der Klassen, sowie das Ausloten weiterer Möglichkeiten zur Inklusion der geistig und körperlich behinderten GHS-Kinder in Regelschulklassen. Alternativen wollen die Kreisräte auch zum mit rund fünf Millionen Euro veranschlagten Bau eines Provisoriums für die Übergangszeit bei der Pforzheimer Pestalozzi-Schule. Hier solle sich die Kreisverwaltung in den Gemeinden nach leerstehenden Schulräumen und anderen nutzbaren Bestandsgebäuden umsehen. Eine Kommission mit Vertretern aus Kreistag, Kreisverwaltung, Stadt Pforzheim und Fachleuten soll diesen Prozess konzeptionell begleiten.

Darauf angesprochen, bestätigten die Fraktionsvorsitzenden der PZ gegenüber den Antrag. „Es ist unser Wunsch, Alternativen zu einem zentralen Neubau aufgezeigt zu bekommen“, sind sich Erik Schweickert (FDP) und Werner Henle (FWV) einig.

Günter Bächle (CDU) sind die fünf Millionen Euro für eine bauliche Übergangslösung ebenso ein Dorn im Auge wie Hans Vester (SPD), der nach der gestrigen Sitzung seiner Fraktion bestätigt: „Wir sind absolut gegen ein solches Provisorium. Das ist keine nachhaltige Lösung.“

Elisabeth Vogt (Grüne) sagt: „Das jetzige Dilemma kann langfristig auch eine Chance sein, den Inklusionsgedanken weiter voranzubringen.“ Der sei den Grünen immer schon wichtig gewesen: „Eine dezentrale Lösung bietet dafür sicher bessere Möglichkeiten. Dafür geben wir auch gerne Geld aus. Einen GHS-Neubau auf der grünen Wiese lehnen wir ab.“

Vester verweist auf bestehende Außenklassen und Teilhabeprojekte, wie beispielsweise in Pfinzweiler oder im Dennacher Pflug. Etwa 15 Schüler werden an der GHS-Außenstelle unterrichtet und betreut. „Dort funktioniert das sehr gut“, so Vester.

Schweickert und Bächle können sich ebenfalls einen zentralen Standort für die GHS-Verwaltung und Schulleitung und weitere im Kreis verteilte Außenklassen vorstellen. „Das würde auch die täglichen Fahrzeiten für die Kinder verkürzen“, so Bächle: „Da gilt es jetzt, eine Bestandsaufnahme in den Gemeinden zu machen, wo Schulräume oder Verwaltungsgebäude leer stehen oder nutzbar sind.“ Spontan falle ihm zum Beispiel die Hartfeldschule in Enzberg ein, wohin derzeit Teile des Finanzamts Mühlacker ausgelagert seien.

Alle Fraktionschefs bauen nun auf den runden Tisch, um zu einem schlüssigen Konzept zu kommen, das die Inklusion langfristig weiter fördert. Die Alternativkosten seien noch völlig offen. Eine Lösung sei aber nur gemeinsam mit der Stadt Pforzheim zu finden, sind sie sich einig.

Landrat unterstützt Vorschlag

Landrat Bastian Rosenau erklärte: „Wir werden das aufgreifen. Ich verstehe den Antrag als Unterstützung, zu einer möglichst guten Lösung zu kommen.“ Er finde es „super, dass sich das Gremium so engagiert.“ Nun gehe es darum, auf die kurzfristigen Notwendigkeiten zu reagieren und eine langfristig tragfähige Perspektive zu finden. Ob sich die Vorstellungen der Kreisräte dann verwirklichen lassen, werde sich zeigen, „denn dezentral und inklusiv ist eben nicht unbedingt das selbe.“

Wie von Kreisrat Matthias Enz (SPD) vorgeschlagen, sprach sich auch Rosenau dafür aus, das Thema künftig öffentlich zu beraten.