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Freude über die Weichenstellung für die Gesundheitsversorgung im Kreis Calw: Freie-Wähler-Kreisrat Volker Schuler (von links), Architekt Werner Vogt, SPD-Kreisrätin Ursula Utters, der Calwer Chefarzt Professor Dr. Martin Oberhoff, Landrat Helmut Riegger, Oberbürgermeister Florian Kling, die Chefärztin des ZfP Calw, Dr. Susann Strötker, die Regionaldirektorin des Kreisklinikums Calw-Nagold Alexandra Freimuth, der Kaufmännische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Martin Loyd, und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Pforzheim-Calw, Stephan Scholl.  Foto: Biermayer 

Startschuss beim Klinik-Neubau in Calw: Großer Wurf für die Gesundheit

Calw/Kreis Calw. Der Spatenstich für Calws neue Klinik im Stammheimer Feld ist gesetzt. Eine Viertel Milliarde Euro fließt insgesamt in die Gesundheitsversorgung im Kreis Calw mit den Krankenhäusern in Calw und Nagold und je einem neuen Gesundheitscampus..

Der Calwer Landrat Helmut Riegger war beim Spatenstich des neuen Calwer Krankenhauses äußerst gut gelaunt. Das lag sicher nicht am Wetter. Denn pünktlich zum Festakt öffnete der Himmel seine Schleusen, so dass sich die rund 100 geladenen Gäste unter eilig verteilten Regenschirmen verkrochen. Nein, Riegger war froh und stolz über die finale Phase eines Projekts, das nicht unumstritten war.

Nun werden knappe 250 Millionen Euro in die Gesundheitsversorgung des Landkreises investiert – und beide Klinikstandorte in Nagold und Calw bleiben erhalten. Calw bekommt für knappe 90 Millionen Euro einen kompletten Neubau im Stammheimer Feld, wovon die Hälfte das Land finanziert. 166 Betten sollen dort zu Verfügung stehen. Die Fachbereiche Innere Medizin, Kardiologie, Unfallchirurgie, Notaufnahme, Gynäkologie und Geburtshilfe, eine Intensivstation und eine interdisziplinäre geriatrische Behandlungseinheit werden dort angesiedelt. Dazu kommt ein die Klinik umgebender Gesundheitscampus mit Ärztehaus, einer Außenstelle des Zentrums für Psychiatrie, ein Nierenzentrum und eine Kurzzeitpflegeeinrichtung des DRK. „Unsere Campuspartner investieren hier noch einmal 50 bis 60 Millionen Euro“, freute sich Riegger. Am Standort in Nagold würden noch einmal knapp 100 Millionen Euro investiert. Campus und Klinik in Calw sollen bis Anfang 2024 bezugsfertig sein.

Das Konzept sei „ein Meilenstein für die Gesundheitsversorgung im Landkreis“, so Riegger. Außerdem biete man „beste Arbeitsbedingungen“. Das ganze Projekt habe einen „landesweiten Modellcharakter“, zitierte der Landrat den baden-württembergischen Gesundheitsminister Manne Lucha. Zudem habe man in der Planung immer wieder nachgesteuert. Unter dem Eindruck der Pandemie habe man eine Fieberambulanz hinzugenommen sowie die Zahl der Einzel- und Schleusenzimmer erhöht.

Riegger bedankte sich bei den vielen Beteiligten, die das Projekt möglich gemacht hätten. Denn er erinnere sich noch gut an die großen Diskussionen um die Zukunft des Calwer Klinikstandortes. Vor rund fünf Jahren waren bei einer Bürgerveranstaltung in der Stammheimer Gemeindehalle die Emotionen hochgekocht. Deshalb habe man lange an dem Konzept gefeilt, welches der Kreistag schließlich mit übergroßer Mehrheit beschlossen habe, so Riegger.

Neue medizinische Dimension

Auch Martin Loyd, Kaufmännischer Geschäftsführer des Calwer Krankenhausbetreibers Klinikverbund Südwest, zeigte sich froh über diese Entscheidung. In den 1990er-Jahren am alten Standort in Calw zu investieren, und nicht damals schon neu zu bauen, sei eine Fehlentscheidung gewesen. Jetzt folge der Start in etwas völlig Neues. In zwei Jahren habe man eine moderne und komplett digitalisierte Klinik.

Der Calwer Chefarzt Professor Dr. Martin Oberhoff erinnerte an die Geschichte. Vor über 100 Jahren hätte sich das Krankenhaus in Calw gegründet, weil die Kliniken in Stuttgart und Tübingen die Patienten aus der Region nicht aufgenommen hätten. Ein Problem, das es auch noch heute gebe. Um das neue Konzept im Kreis Calw werde man vielerorts beneidet. Denn überall würden Krankenhäuser im ländlichen Raum schließen. Fehlten die Krankenhäuser aber, gingen auch die anderen Ärzte. Mit dem Gesundheitscampus wirke man diesem Trend entgegen. So könne man weiterhin hochwertige, wohnortnahe Versorgung gewährleisten.

Der Calwer Oberbürgermeister Florian Kling sprach von einem „Herzensprojekt“ und Standortfaktor. Dafür habe man gerne sechs Hektar Gewerbefläche hergegeben. Er verwies zudem auf den tollen Ausblick in den Schwarzwald, den man von der Klinik künftig habe. „Man könnte auch sagen, die neue Schwarzwaldklinik steht hier in Calw“, scherzte er.