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Auf dem Hellerhof in Knittlingen sprechen Helena Horvat und Johannes Bänsch über vegane Lebensweise.  Foto: Fotomoment 

Stets das Tierwohl im Blick: Vegane Aktivisten in Knittlingen

Knittlingen. Persönliche Erlebnisse haben sie dazu gebracht. Sie fühlen sich besser mit dieser Lebensweise. Helena Horvat ist im früheren Jugoslawien, in einem Dorf aufgewachsen. „Ich erlebte wie schlecht Tiere behandelt wurden“. Angekettete Hunde und das Schlachten von Schweinen mit dem anschließenden Ausbluten: Das hat sie dort erlebt und es hat sie nachdenklich gemacht: Und so fing sie an, auf Fleisch zu verzichten.

„Als Fünfjähriger sah ich, wie Bauern über Stunden versuchten, Kühe in einen Hänger zu treiben“, so Johannes Bänsch. Sein Vater sagte, dass sie zum Schlachter kommen. Danach sah er in Zeitungen, wie Kühe zu Hunderten auf engstem Raum gehalten werden: „Ich habe danach kein Fleisch mehr gegessen.“ „Tiere werden als Rohstoff wahrgenommen“, sagt der Knittlinger. Der Begriff „Nutztier“ ist für ihn typisch für diese Haltung vieler Menschen. Die Diefenbacherin Helena Horvat sprach bei einem Pressegespräch von „Doppelmoral“. Auf der einen Seite „werden Tiere verhätschelt“, auf der anderen Seite „in 500 Gramm-Schalen verpackt und zu Billigpreisen verkauft“. Für beide war es nicht schwer, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. Zumal es heute genügend andere Produkte gibt. „Das war vor 30 Jahren wesentlich schwieriger“, so Johannes Bänsch. Er und Helena Horvat verwenden „eine bunte Vielfalt pflanzlicher Alternativen anstelle von Kuhmilch. „Ich esse auch veganes Junk- Food“, sagt er. Weil er nicht immer zum Kochen kommt, sogar etwas zu viel. Das schmecke auf keinen Fall schlechter, nur anders. Die stark wachsende Zahl von vegan lebenden Menschen, ist für Helena Horvat „keine Modeerscheinung“. Über die Aufklärung durch Medien und Onlineportale und das gestiegene Verbraucherbewusstsein freuen sich die beiden Veganer. Für sie ist es der richtige Weg. „Gut für die eigene Gesundheit, für die Tiere und das Klima“. Im Pressegespräch geht sie auf die Urwaldrodung ein, um Weideflächen für Schlachttiere zu bekommen oder Anbauflächen für Soja und andere Futtermittel, die an diese verfüttert werden. Beide hoffen, dass Menschen den Zusammenhang zwischen Fleisch- und Milchkonsum und Klimaveränderung erkennen. „Je weniger Fleisch und Milchprodukte gekauft werden, desto besser für das Klima“, finden die beiden. Die Veganer betonten, dass Verbraucher und Konsumenten ihre Marktmacht entdecken und ausspielen sollten: „Handel und Industrie brauchen uns und nicht umgekehrt.“ Die Corona-Pandemie bestärkt sie in ihren Ansichten. Weil es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen von Tieren auf den Menschen übersprang, „sollte das zum Nachdenken anregen“.