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Spannender Rundgang: Revierförster Martin Schickle (links) führte die Mitglieder des Gemeinderats durch den Wald bei Bauschlott.  Foto: Roller 

Strategien gegen den Klimawandel: Neulinger Gemeinderat geht mit dem Forst auf Waldbegehung

Neulingen. Trockenheit, Klimawandel, Eschentriebsterben und Borkenkäfer: Wenn Gemeinderäte ihre Wälder begehen, fallen seit ein paar Jahren immer wieder dieselben Schlagworte. Auch in Neulingen, wo der Rat am Freitagnachmittag mit Revierförster Martin Schickle unterwegs war.

Er sitzt selbst für die Freien Wähler im Gemeinderat und erklärte seinen Kollegen, dass im Neulinger Forst rund 40 Prozent der Fläche von Buchen bewachsen ist, die um das Jahr 1888 entstanden sind – und damit in einer Zeit, in der diese Baumart sehr stark fruktifiziert hat. Gründe dafür waren laut Schickle unter anderem der historisch niedrige Wildbestand und der Umstand, dass der Wald damals deutlich lichter war.

Während es bei den Buchen in den Altbeständen inzwischen teilweise Probleme gebe, sieht Schickle bei den jungen Bäumen bislang noch keine. Diese träten erst zum Vorschein, wenn die Bäume das Wasser weiter nach oben transportieren müssten.

Genetische Vielfalt höher

Schickle hat die Hoffnung, dass diese Bestände sich schon an die Trockenheit angepasst haben. Deswegen setzt man in Neulingen auch bei der Buche auf Naturverjüngung. Schickle sagt, dabei sei die genetische Vielfalt höher. Und er weist darauf hin, dass ein aus einem Samen entstehender Baum seine Wurzel von Anfang an genau für den Platz ausbildet, auf dem er steht.

Im Lauf der Zeit verdrängen sich bei der Naturverjüngung die Bäume gegenseitig, sodass am Ende die besten und widerstandsfähigsten übrig bleiben. Ziel ist es auch in Neulingen, klimaresistente Wälder aufzubauen. Dabei setzt man vermehrt auf die Eiche, die unter den Baumarten einen Anteil von rund 17 Prozent hat. Bei den Nadelhölzern denkt Schickle vor allem an die Douglasie, die vor der Eiszeit in der Region schon einmal heimisch gewesen ist. Beim Clubhaus in Nußbaum gebe es einen schönen Bestand.

Schickle versucht, so viel wie möglich über Naturverjüngung laufen zu lassen. „Wir pflanzen eigentlich nur, wenn wir einen Baumartenwechsel haben.“ Etwa am Großen Buchenweg, wo ein Fichtenbestand der Trockenheit zum Opfer gefallen ist. Dort sind inzwischen Eichen gepflanzt worden. Nicht nur dort hat es die Fichte schwer: Ihr Anteil im Neulinger Forst ist von 20 Prozent in den 1980er-Jahren auf aktuell rund drei Prozent zurückgegangen.