Sind auf einem guten Weg: (von links) Timo, Klaus und Sabine werden von Christina Schiffers, Tamara Waidelich und Sebastian Kirsch von der Erlacher Höhe unterstützt. Foto: Biermayer
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Stück für Stück zurück ins Leben:So hilft Erlacher Höhe in Calw Menschen in schwierigen Situationen
  • Felix Biermayer

Calw. Im Dachgeschoss der Erlacher Höhe (EH) in Calw sitzen drei Menschen, die es in ihrem Leben nicht immer einfach hatten. Da ist zum einen Sabine. Die 54-Jährige hatte immer wieder psychische Probleme, die sich 2018 zu einer Psychose verfestigten. Sie wusste keinen Ausweg mehr und versuchte Suizid zu begehen. Diesen Selbstmordversuch überlebte sie aber glücklicherweise und kam in die Landesklinik. Sie hatte danach jedoch weder Job noch Wohnung. So kam der Kontakt zur EH zu Stande, wie sie erzählt. Die Einrichtung stellte erst eine Übergangswohnung. Anfang 2020 fand sie dann eine eigene Wohnung. Mittlerweile arbeitet sie als Betreuerin in einem Altenheim. „Ich bin immer noch in ambulanter Therapie“, erklärt sie. Aber eigentlich gehe es ihr wieder gut.

Der 59-jährige Klaus lebte schon länger in unterschiedlichen Einrichtungen, bevor er 2020 zur EH kam. „Ein Alkoholproblem“, antwortet er auf die Frage, was ihn aus der Bahn geworfen habe. Das, und familiäre Probleme. Die EH besorgte ihm ein WG-Zimmer. Im April dieses Jahres fand er eine eigene Wohnung. Er montiert mittlerweile bei „XCYC Bikes“ Lastenfahrräder.

Drei unterschiedliche Geschichten

Der 35-jährige Timo hat ebenfalls durch die EH im letzten Jahr ein WG-Zimmer bekommen. Dass seine Frau ihn verlassen hat, habe ihn damals komplett aus der Spur geworfen, berichtet er. Über eine Zeitarbeitsfirma hat er in der Zwischenzeit einen Job gefunden. Außerdem hofft Timo, dass er zeitnah eine eigene Wohnung findet.

Es sind drei sehr unterschiedliche Geschichten, doch sie haben eins gemeinsam: Durch die Unterstützung der EH haben es Menschen aus schwierigen Situationen wieder in ein selbstbestimmtes Leben geschafft. „Mir hat die Erlacher Höhe sehr geholfen“, meint Sabine und ringt mit den Tränen. „Ohne die hätte ich es nicht geschafft“, fügt sie hinzu. „Ich war in einem Loch und die haben mich rausgezogen“, beschreibt es Timo. Ohne diese Hilfe, wäre er jetzt nicht wo er ist, meint er. Und auch aus Klaus erzählt, dass er der EH viel verdanke.

Viele Gespräche

„Unser Ansatz ist es, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen“, erklärt die Sozialarbeiterin Tamara Waidelich. Die Angebote müssten niederschwellig sein, damit sie Betroffene überhaupt annähmen. Und dann müsse man immer wieder Gespräche führen. Nur so erreiche man eine dauerhafte Verbesserung der Lebenssituation. „Man sieht bei Menschen wie Klaus, wie er aufgeblüht ist“, meint ihre Kollegin Christina Schiffers.

Die EH hilft bei der Jobsuche, mit kostenlosen Mahlzeiten, bei Papierkram mit den Ämtern oder einfach mal so mit einem Gespräch. Das zentrale Angebot der EH ist aber Wohnraum. Sie hat Wohnungen, in denen Betroffene erst einmal unterkommen können. Und sie hilft bei der Suche nach eigenem Wohnraum. Wobei das immer schwieriger werde, wie Sebastian Kirsch von der Wohnungslosenhilfe der EH berichtet. Zum einen sei der Wohnraum im niedrigen Preissegment ohnehin knapp. Zum anderen gebe es wenige Vermieter, die an ehemals Wohnungslose vermieten wollen.

Auf die Frage wo sie sich in fünf Jahren sehen, sind sich Klaus und Sabine einig. Sie sind beide mit der jetzigen Situation zufrieden und hoffen, dass es so bleibt. Timo hingegen sieht noch Verbesserungspotential. In fünf Jahren will er eine eigene Wohnung haben, immer noch einen guten Job und genug Zeit für seine Tochter.