Seit Jahrzehnten hat das Theaterspiel einen festen Platz in Kieselbronns Fußballclub. Mit Spannung und Vorfreude wurde auch in diesem Jahr die Präsentation des neuen Stücks erwartet. 1. FC-Vorsitzender Andreas Fritsch freute sich bei beiden Premierenvorstellungen über eine ausverkaufte Kieselbronner Festhalle: Über 500 Zuschauer erlebten drei frohe Stunden mit viel Witz und guter Laune.
Gegeben wurde „Castinglust und Rollenfrust“, eine turbulente Beziehungskomödie in drei Akten aus der Feder von Hans Schimmel. Zentraler Schauplatz ist das Wohnzimmer der Familie Moppel, von den Schauspielern und ihrem handwerklichen Tausendsassa Andreas Werner liebevoll selbst gestaltet. Alfred Moppel, der Hausherr, überzeugend dargestellt von Jochen Paseka, ist ein ziemlich grober Klotz. Seine Ehefrau Elfriede, gekonnt in Szene gesetzt von Sabine Theilmann, der „Grande Dame“ der Theatergruppe, kommandiert er munter herum. Ganz sensibel und geradezu mimosenhaft ist Alfred allerdings, wenn es um sein eigenes Wohlbefinden geht und darum, eine Arbeit anzunehmen. Bequem und fintenreich wie er ist, gelingt es dem eingefleischten Sozialhilfeempfänger immer wieder, den „Angeboten“ des Arbeitsamtes aus dem Weg zu gehen. Seiner Sozialberaterin Isolde Wiesenhafer, prächtig gespielt von Liza Fritsch, kostet der angeblich arbeitsunfähige Faulpelz so manchen Nerv.
Für seinen Kumpel Harry Kleinschmitt, erstklassig dargestellt von Torsten Augenstein, ist Alfred Moppel allerdings ein Vorbild. Ebenso arbeitsscheu und von seiner Ehefrau Agathe, energisch verkörpert von einer spielfreudigen Sarah Kraus, immer wieder zur Aufnahme eines Broterwerbes gedrängt, braucht er dringend Geld. Andernfalls droht der Hinauswurf aus seiner Wohnung, da beträchtliche Mietrückstände aufgelaufen sind. Der dritte Tagedieb im Freundschaftsbunde ist der exzentrische Paul Maier, virtuos verkörpert von Jo Kärcher. Um ohne arbeiten zu müssen an etwas Geld zu kommen, hat er sich für das Fernsehen prostituiert und an der Serie „Geschundene Männer von heut“ auf „Assi-TV“ teilgenommen. Für 500 Euro erzählte er die haarsträubende Geschichte, dass er von seiner Ehefrau, die seit ihrer Geschlechtsumwandlung alkohol- und drogenabhängig sei, zuhause misshandelt werde. Als seine Frau Franziska, einfühlsam gespielt von Nina Metsch, davon hört, ist sie verständlicherweise tief verletzt. Trotzdem machen alle drei Paare bei der neuen Sendung „Rollentausch extrem - keine Gnade für den Partner“ eines Privatsenders mit.
Strafe für den Müßiggang
In der mit Kameras und Tongeräten verwanzten Wohnung tyrannisiert Moderatorin Isabella La Glock, exzellent in Szene gesetzt von Ariane Körner, die drei Paare. Immer im Schlepptau: Theatercrew-Mitglied Andreas Liscevic in seinem stummen Part als Kameramann. Da es um viel Geld geht, wird alles überwacht von Notar Willi von Birkenglück. Mit der Rolle des peniblen Juristen gab Theatergruppen-Neuling Paul Fritsch (19 Jahre) ein vielversprechendes Bühnendebüt. Trotz vieler Fallstricke im Kleingedruckten des Vertrages mit dem Fernsehsender geht es am Ende finanziell gut aus, die Müßiggänger werden von nun an allerdings zu den unterschiedlichsten Tätigkeiten herangezogen. Die Theaterspieler wurden unterstützt von Textassistentin Janine Schmid. Lena Theilmann führte als Conférencieuse durch die Abende. Matthias Lajer leitete die traditionelle Tombola.

