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Bootsfahrten wie bisher auf dem „Tiefen See“ wird es laut der neuen, vom Gemeinderat beschlossenen Rechtsverordnung nicht mehr geben.  Foto: PZ-Archiv/Meyer 

„Tiefer See“ öffnet seine Pforten: Wie das Maulbronner Gewässer nun von seiner Umwandlung zum Badesee profitiert

Maulbronn. Während die baden-württembergische Landesregierung wegen der Corona-Krise erst Anfang Juni über die Öffnung von Freibädern entscheiden will, darf der „Tiefe See“ in Maulbronn bereits am Samstag seine Pforten öffnen. Möglich geworden ist dies, weil das einstige Naturfreibad per Gemeinderatsbeschluss zu einem öffentlichen Badesee umgewandelt wird. „Und zu einem Badesee steht bemerkenswerterweise nichts in den Landesverordnungen“, erläuterte Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle bei der jüngsten Ratssitzung am Mittwochabend in der Turn- und Festhalle Zaisersweiher. Wegen der Abstandsregelung hätte die Sitzung eigentlich wieder in der geräumigen Stadthalle stattfinden sollen. Doch diese wird momentan für die Abitursprüfungen des Salzach-Gymnasiums benötigt.

Rechtsverordnung erarbeitet

Um den „Tiefen See“ für Besucher öffnen zu können, mussten Stadtverwaltung und Gemeinderat aber unbedingt noch eine Rechtsverordnung erarbeiten, welche die Nutzungsbedingungen des Sees regelt und die bisherige Badeverordnung aus dem Jahr 1980 ablöst. Darüber hinaus beschloss das Gremium einige bauliche Veränderungen am See vorzunehmen, die für die Umwandlung vom Naturfreibad in einen Badesee notwendig geworden waren.

Über zwei Stunden lang feilten die Maulbronner Ratsmitglieder Punkt für Punkt an der neuen Rechtsverordnung, die am Ende einstimmig beschlossen wurde. Zuvor hatte Bürgermeister Felchle eindringlich darauf hingewiesen, dass im Zentrum aller Überlegungen die „Schwimmmöglichkeiten“ stünden, der See künftig kein „überwachtes Naturfreibad“ mehr sei und dass sich das strafrechtliche Haftungsrisiko für die Stadt erhöhe. Dennoch wolle man versuchen, die bisherige Infrastruktur mit Umkleiden und Toiletten – soweit möglich – beizubehalten. Allerdings galt es dabei eine Menge wichtiger Detailfragen zu klären. Etwa, ob Nichtschwimmer ins Wasser dürfen, ob es auch künftig einen Bootsbetrieb geben wird oder wie die Öffnungszeiten angelegt sein sollen?

Nichtschwimmer erlaubt

Trotz der Risiken, aber gerade auch um Rücksicht auf Kinder zu nehmen, entschied sich das Ratsgremium dazu, Nichtschwimmer grundsätzlich am See zuzulassen. Allerdings geschehe dies nach der neuen Rechtsverordnung auf eigene Gefahr. Empfohlen wird Nichtschwimmern zudem, nur unter der Aufsicht von Schwimmern ins Wasser zu gehen. Vorgeschrieben ist dies für Kinder unter zwölf Jahren, die nur unter Aufsicht eines Erziehungsberechtigten oder eines von diesem beauftragten Erwachsenen in den See dürfen.

Region

Tiefer See: Baden in Maulbronn während der Corona-Krise?

Was den bisherigen Bootsverleih anbelangt, einigten sich die Ratsmitglieder darauf, dass das Befahren des Badesees mit „Feststoffbooten“ künftig verboten ist. Aufblasbare Luftmatratzen sind dagegen weiterhin erlaubt. Das Baden in der sogenannten „Zone C“ bleibt wie bisher auch aus naturschutzrechtlichen Gründen verboten. Innerhalb der Badesaison vom 1. Mai bis 30. September müssen Hunde angeleint sein und Radfahrer beim Durchqueren des Geländes absteigen, ansonsten drohen Ordnungsstrafen. In diesem Zeitraum sollen auch Kiosk, Umkleidekabinen und Toiletten geöffnet sein. Überraschenderweise legte das Ratsgremium keine festen Öffnungszeiten für den Badesee fest, obwohl dies von der Stadtverwaltung (6 bis 22 Uhr) vorgeschlagen worden war.

Mehr lesen Sie am Samstag, 23. Mai, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Peter Hepfer

Peter Hepfer

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