Das Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler.
Regierungspräsidium Karlsruhe
Region
Über 2,7 Millionen Euro Ersatzzahlungen: So werden die Gelder in Pforzheim und der Region für Naturschutz eingesetzt

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw/Straubenhardt. Über Jahre angesammelte Ersatzzahlungen fließen jetzt in konkrete Naturschutzmaßnahmen: Von Feuchtwiesen über Bachrenaturierungen bis zum Artenschutz in Pforzheim, Enzkreis und Kreis Calw.

Die vergangenen Jahre haben die Stadt Pforzheim, der Enzkreis und der Landkreis Calw über 2,7 Millionen Euro Ersatzzahlungen an die Stiftung Naturschutzfonds geleistet. Das teilt das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe mit und erklärt: Ersatzzahlungen sind Abgaben, die gezahlt werden müssen, wenn mit einem Vorhaben, das einen Eingriff darstelle, nicht ausgleichbare Beeinträchtigungen in Natur und Landschaft verbunden sind. Mit einem Fachkonzept liege nun der Plan vor, wie diese Gelder eingesetzt werden.

Den Start machte das Holzbachtal in Straubenhardt, das im Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler liegt: Anfang 2026 sollen dort Sträucher und Bäume zurückgeschnitten werden. Ziel sei es, die feuchten Wiesen wieder zu öffnen. Damit verbesserten sich die Wachstumsbedingungen für Wiesenpflanzen, und Insekten profitieren von einem größeren Reichtum an Blüten und Samen.

Als Leitart stehe bei diesem Projekt laut dem RP der europäisch geschützte Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Vordergrund, der damit auf den offenen, feuchten Wiesen im Holzbachtal bessere Fortpflanzungsmöglichkeiten finden werde.

Das Fachkonzept beinhalte 17 Projekte, die jeweils drei Naturschutzziele hätten: Entwicklung von unterschiedlichen Grünlandtypen, Entwicklung von Feuchtlebensräumen und Entwicklung von Lebensstätten für spezielle Tiergruppen.

Beispielsweise werden laut RP über 500.000 Euro der Gelder für den speziellen Artenschutz in den Programmen für Schmetterlinge und für Fledermäuse im Enzkreis, Pforzheim und Landkreis Calw eingesetzt. Ebenso wird die Entwicklung von Feuchtlebensräumen durch Bachrenaturierungen, Amphibientümpel und die Verbesserung von Amphibienwanderwegen vorangetrieben. Hierfür werden in den nächsten fünf Jahren im Enzkreis über 800.000 Euro eingesetzt. Neben neuen Projekten werden auch bestehende Planungen unterstützt. Beispielsweise soll in Straubenhardt der Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgebiet Pfinzquelle umgesetzt werden, wofür bereits über 500.000 Euro eingeplant sind. Im Landkreis Calw liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung von artenreichen Wiesen und Trockenbiotopen.

Gemeinsam mit den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise, den Landschaftserhaltungsverbänden und den Naturschutzvereinen sowie mit interessierten Kommunen sammelte das Naturschutzreferat Mitte 2024 über 130 Ideen und Vorschläge.

Diese wurden entsprechend kategorisiert, bewertet und priorisiert. Im Laufe der weiteren Zusammenarbeit wurden die Maßnahmenvorschläge flächengenau konkretisiert.

Manche Vorschläge wurden im Laufe des Planungsprozesses wieder zurückgezogen, für andere ergaben sich andere Umsetzungsmöglichkeiten. Nach mehreren Abstimmungsrunden wurde das Fachkonzept im Herbst 2025 dem Stiftungsrat der Stiftung Naturschutzfonds vorgelegt, der das Fachkonzept bewilligte und die landschaftsplanerische Methodik lobte. Nun gelte es, das Fachkonzept umzusetzen, heißt es aus dem Regierungspräsidium.