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Gelegenheit macht Diebe: Direkt vor der Haustüre ist deshalb ein schlechter Ablageort für Pakete.  Foto: Uwe Zucchi/dpa 

Unglaublich dreist: Paketdiebe schnappen sich Bestellungen von der Haustür in Birkenfeld – das rät die Polizei

Birkenfeld. Immer öfter kaufen die Deutschen im Internet ein und lassen sich Waren direkt nach Hause liefern. Viele geben dann ihr Einverständnis, dass Pakete vom Postboten am Haus abgelegt werden können, wenn sie nicht zuhause sind. In Birkenfeld hat ein Zeuge jetzt einen Dieb dabei beobachtet, wie er ein Paket direkt vom Hauseingang geklaut hat. Die Polizei ermittelt – und kennt das Problem. Währenddessen werden in den sozialen Medien vorschnell Verdächtige im Ort ausgemacht.

Die Tat soll sich laut Eintrag auf dem Portal Facebook am Dienstagmittag vergangener Woche ereignet haben. Der Verfasser will einen mit einem schwarzen T-Shirt, kurzer Hose und schwarzer Baseball-Kappe bekleideten Mann dabei beobachtet haben, wie er ein vom Lieferdienst abgelegtes Paket von einem Hauseingang gestohlen haben soll. Die Polizei bestätigt den Vorfall auf PZ-Nachfrage, will aber aufgrund der laufenden Ermittlungen keine Details nennen. Ein Nutzer spricht von weiteren Paketdiebstählen in der Birkenfelder Bahnhofstraße.

Der Polizei sind solche Fälle bekannt. Insgesamt 110 Paketdiebstähle von der Haustüre oder anderen Ablageplätzen in Pforzheim und dem Enzkreis registrierten die Beamten seit April 2019. Davon entfallen 71 Fälle auf Pforzheim und 39 Fälle auf den Enzkreis. „Es handelt sich dabei um Anzeigen gegen unbekannt“, sagt Polizeisprecher Dirk Wagner. Es sei sehr schwer, die Täter in diesen Fällen zu erwischen.

„Oft machen es die Leute den Dieben auch zu leicht, wenn ein Ablageort gewählt wird, der von der Straße aus einsehbar ist“, sagt Wagner.

Dann könne es auch zu Problemen mit der Haftung kommen. Es sei besser, einen versteckteren Ablageplatz zu wählen, „auch wenn der Schutz natürlich nie 100 Prozent beträgt.“ Es gebe auch Fälle, in denen vermutet werde, dass der Bote selbst die Pakte mitnimmt.

Falsche Verdächtigungen?

Im Internet werden im Birkenfelder Fall sogar einzelne Personen aus dem Ort mit Wohnadresse verdächtigt – ohne jede Begründung. Die Polizei warnt. „Dabei sollte man aufpassen, denn es können Persönlichkeitsrechte verletzt werden“, sagt Wagner: „Unter Umständen kann das sogar eine Straftat darstellen.“ Er verweist auf die Möglichkeit, direkt im Internet Anzeige zu erstatten oder auf dem Polizeirevier vorbeizukommen, wenn man einen Verdacht loswerden möchte.

Wer die Täter zumeist sind, darüber kann Wagner keine genaue Auskunft geben. „Wenn ich die Delikte mit Ladendiebstählen vergleiche, ist das ein Querschnitt durch die ganze Gesellschaft. Wenn die Gelegenheit gegeben ist, lässt sich jeder mal hinreißen.“

Constantin Hegel 01

Constantin Hegel

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