Keltern. Für das Foto setzen sich Heidi Kunz und Elke Bachteler absichtlich so hin, dass neben ihnen jeweils ein Stuhl frei bleibt. Mit dem Bild wollen sie zeigen, dass für alle genug Platz ist: für neue Ehrenamtliche, Mitglieder und Unterstützer, aber auch für Menschen, die Hilfe und Beistand benötigen. Getragen von großem Engagement und viel Gemeinsinn, begleitet der ambulante Hospizdienst westlicher Enzkreis nicht nur Sterbende und Schwerkranke, sondern auch deren Angehörige.
„Für die persönliche Entwicklung ist diese Arbeit sehr bereichernd und wertvoll“, sagt Heidi Kunz, die mit ihrer Kollegin Elke Bachteler die Einsatzleitung innehat und sich über jeden freut, der sich in der Hospizarbeit engagiert. Denn sie weiß: „Man nimmt für sich selbst unglaublich viel mit.“ Um neue Interessierte für die wichtige Arbeit zu qualifizieren, startet im kommenden Jahr in Kooperation mit weiteren Hospizdiensten aus der Region ein neuer Kurs. Dass er inklusive Praktikum ein halbes Jahr dauert, liegt auch daran, dass Themen vorkommen, die nachwirken müssen. Ziel ist es, eine hospizliche Haltung zu gewinnen und Menschlichkeit erfahrbar zu machen: durch Nähe, Achtsamkeit und Mitgefühl. Es geht um Wertschätzung, Empathie, Menschlichkeit und Respekt vor der Selbstbestimmung. Kunz weiß, dass Menschen grundsätzlich interessiert sind, aber dennoch zögern, weil sie befürchten, die Aufgabe nicht bewältigen können. Aus ihrer Sicht hilft dann nur eins: das Gespräch suchen, am Telefon oder persönlich. „Der längste Weg ist der zum Telefon“, sagt Kunz: „Wir beantworten gern alle Fragen.“ Oft wollen die Interessierten von ihr wissen, was man für ein Engagement im Hospizdienst mitbringen sollte. Kunz nennt dann Zeit, Verlässlichkeit, Neugierde, Offenheit, die Freude am Zuhören und die Fähigkeit, Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Persönliche Lebenserfahrung ist ebenso von Vorteil wie die Bereitschaft, dazuzulernen und sich selbst zurückzunehmen.
Aktuell engagieren sich beim ambulanten Hospizdienst westlicher Enzkreis rund 40 aktive Ehrenamtliche, alle mit unterschiedlichen Hintergründen und Vorgeschichten. Kunz spricht von einer bunten, angenehmen und empathischen Gruppe mit vielen Fähigkeiten und Gaben. Die Einsatzleiterin weiß, dass die Arbeit im Hospizdienst kein Ehrenamt für zwischendurch ist, sondern ein gesellschaftlicher Auftrag. Schon oft hat sie selbst erlebt, wie bereichernd es sein kann, Begleitung auf dem letzten Weg zu leisten. Dabei geht es darum, die ganze Familie zu unterstützen, neben den Sterbenden und Schwerkranken auch deren An- und Zugehörige. „Jede Begleitung ist anders“, sagt Kunz, die schon oft mitbekommen hat, dass Angehörige sich zerreißen, dass sie selbst Zuspruch und Bestärkung brauchen, manchmal auch eine Schulter zum Anlehnen. „Wir schauen immer, was gerade notwendig ist.“
Zwischen 70 und 90 abgeschlossene Begleitungen zählt der Hospizdienst aktuell im Jahr. Hinzu kommen reine Beratungsgespräche und die Trauerarbeit: in Einzelgesprächen und in den Trauerfrühstücken, die für Gruppen einmal im Monat stattfinden. Eine Therapie kann der Hospizdienst zwar nicht bieten, aber ein geschütztes Umfeld mit der Möglichkeit, offen über alles zu sprechen. Regelmäßig organisiert er seine Letzte-Hilfe-Kurse: für jeden, der Fragen hat, auch zu rechtlichen Themen.
Kunz und Bachteler haben den Eindruck, dass sich die Wahrnehmung der Hospizarbeit in den vergangenen 20 Jahren stark zum Positiven verändert hat, dass mehr über Sterben und Tod gesprochen wird. „Es ist zwar nach wie vor ein Tabuthema, aber nicht mehr ganz so tabu wie früher.“ Kunz spürt eine größere Offenheit und Bereitschaft, sich mit dem Thema auseinandersetzen. Was sie auch darauf zurückführt, dass Hospizdienste inzwischen in der Öffentlichkeit und in den Medien deutlich präsenter sind. Zudem verweist sie auf das Internet, das ein niederschwelliges Informieren ohne Kontaktaufnahme erlaubt. Das zeigt sich auch an den vielen Anfragen, die den Hospizdienst inzwischen digital erreichen.

