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Rettungsmannschaften durchsuchten am 24. Februar 1999 nach der verheerenden Lawinenkatastrophe in der österreichischen Urlauberhochburg Galtür Trümmer und Schnee nach Verschütteten.

Vor 20 Jahren: Familien aus der Region erleben Lawinen-Horror in Galtür

Den Menschen im südlichen Bayern und in Österreich gönnte der Winter am Dienstag nach einem der schneereichsten Wochenenden der vergangenen Jahre nur eine kurze Atempause. In den österreichischen Alpen warnte der Lawinenwarndienst am Dienstag vor einem Anstieg der Lawinengefahr. In weiten Teilen des Landes herrschte oberhalb der Waldgrenze die zweithöchste Warnstufe. Viele Straßen waren weiterhin gesperrt.

Derzeit gilt im deutschen Alpenraum die Lawinenwarnstufe vier. Eine Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Spontan können viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen abgehen.

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Vor 20 Jahren: Der weiße Tod in Galtür

Angesichts der Schneemassen werden Erinnerungen an den Lawinenwinter 1999 und die Tragödie von Galtür im österreichischen Tirol wach. Das Dorf Galtür und der Weiler Valzur im hinteren Paznaun, einem Seitental des Inns, wurden teilweise verschüttet. 38 Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt, viele Häuser wurden zerstört. Weit über 100.000 Menschen saßen zum Teil tagelang fest.

Die „Pforzheimer Zeitung“ hatte damals umfangreich und aktuell über das Ereignis berichtet.

Zu den Eingeschlossenen in Galtür zählten damals mindestens vier Personen aus dem oberen Enztal, darunter die 17-jährige Wildbaderin Jule Sievers. Die Höfener Familie Hans-Peter, Sybille und Patrick Hargutt wartete auf eine Ausreisemöglichkeit aus Ischgl. Bei den ums Leben gekommenen Kindern aus dem Rhein-Neckar-Kreis handelte es sich um ein acht Jahre altes Mädchen und ihren vierjährigen Bruder. Die Mutter sei verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert worden.  

Plötzlich wurde es dunkel

„Plötzlich wurde es im Hotel dunkel“, schilderte Jule Sievers die Situation, als die tödliche weiße Schneemasse andere Menschen unter sich begrub. Sie wollte mit ihrem Freund aus der Heilbronner Gegend und dessen Eltern

eine unbeschwerte Woche in Galtür. „Wir versammelten uns zunächst im Foyer, gingen raus ins Freie und sahen nur Staub. Dann kehrten wir ins Hotel zurück. Erstaunlicherweise ist keine Panik bei irgend jemand aufgetreten.“

Nach der Katastrophe war jedoch die Beschaulichkeit vorbei. „Meine Tochter hatte mich am Dienstag gegen 17 Uhr angerufen und mir mitgeteilt: 'Ich bin nicht unter der Lawine'. Um 23 Uhr hat sie sich dann per Handy noch einmal gemeldet“, atmete Dr. Uve Sievers, Chirurg und Unfallchirurg in Bad Wildbad, nach der Tragödie in Galtür tief durch.

Dem furchtbaren Lawinenunglück in Galtür knapp entgangen waren vier junge Leute aus Kieselbronn, Königsbach-Stein und Pforzheim-Huchenfeld. Sie ließen sich mit einem Sonderzug mit rund 400 Heimkehrern aus Galtür evakuieren.

Wimsheimer Familien entgehen Katastrophe nur knapp

Zwei Wimsheimer Familien mit acht Personen waren ebenfalls in Galtür nur ganz knapp der großen Katastrophe entgangen. Eine nur in etwa hundert Meter Entfernung abgegangene Lawine wirbelt den Schneestaub so heftig auf, dass das Atmen schwer fiel. Es dauerte lange Momente des Schreckens, bis sich alle Familienmitglieder gefunden hatten. In der Nacht darauf wurden die Familien Bick und Forst zu mitternächtlicher Stunde von donnerndem Lärm geweckt. Direkt neben ihrer Unterkunft war eine weitere Lawine zu Tal gesaust. Sie hatte eine Scheune niedergerissen.