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Wirkt wie ein amtliches Schreiben: Der Brief der Abzocker.
Wirkt wie ein amtliches Schreiben: Der Brief der Abzocker.
20.09.2015

Vorsicht Formularfalle: Amtlich wirkende Schreiben sollen Unternehmer täuschen

Das Schreiben der Firma „DR Verwaltung AG“ mit dem Adler als Logo wirkt amtlich, und das soll es auch. Die seriöse Aufmachung des eng beschriebenen Blattes hat jedoch nur einen Zweck: Sie soll verschleiern, dass es sich keinesfalls um eine Eintragung ins zentrale Gewerberegister handelt – sondern um eine Abofalle speziell für Gewerbetreibende. Wer die nachgefragten Angaben zum Unternehmen ausfüllt und unterschrieben zurückschickt, hat eine nutzlose Internet-Registrierung für zwei Jahre gebucht. Kosten: rund 800 Euro.

Katharina Kunzmann, die in Neuenbürg einen Verlag betreibt, hat die Masche durchschaut. „Es geht wieder los!“, schreibt sie der PZ über die neuen Aktivitäten der Abzocker – und möchte Kollegen warnen. Den Brief der dubiosen Firma, die öfter ihren Namen wechselt, hat sie nach dem Urlaub in der Post gefunden. „Schon wieder etwas Amtliches, dass ich ausfüllen muss“, dachte sie zunächst. Denn das Schreiben sieht so aus, als stamme es von einer Behörde. Statt die Firmendaten in den Vordruck einzutragen, hat sie sich dann aber doch die Zeit genommen, das Schreiben genauer zu lesen. Nach vielem Fach-Chinesisch über Steuergesetze, Paragrafen und EU-Recht kam es dann: „Die Erfassung Ihrer Unternehmensdaten ist eine nicht amtliche, kostenpflichtige Eintragung“, stand dort. Und ein paar Zeilen weiter wird dann der Preis verraten: Rund 400 Euro pro Jahr soll die Veröffentlichung der Firmendaten im Internet kosten. Wer unterschreibt, hat einen Vertrag für zwei Jahre abgeschlossen. Katharina Kunzmann ärgert sich, dass Firmenchefs aufs Glatteis geführt werden sollen. „Das ist absolut professionell gemacht“, sagt sie. Und weiter: „Für mich grenzt das an Betrug.“

Über die Firma – die DR Verwaltung AG aus Bonn – gibt es zahlreiche Warnungen im Internet. Da ist von Branchenbuch-Abzocke, Trickformular und Abofalle die Rede. Die dubiose Firma wurde vor zweieinhalb Jahren erstmals im Handelsregister des Amtsgerichts Bonn eingetragen. Seither hat sie mehrfach ihren Namen geändert, die Machenschaften blieben jedoch gleich.

Sandra Lewandowitz von der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald in Pforzheim spricht von einer typischen Formularfalle. „Zurzeit tauchen solche Schreiben leider wieder vermehrt auf“, meint die Fachfrau. Die Drahtzieher achten darauf, dass die Briefe möglichst amtlich aussehen – und sie hätten immer wieder Erfolg damit. Wer ein Formular unterschrieben habe, solle den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten, rät sie. Entsprechende Mustertexte gebe es bei der IHK. „Auf keinen Fall sollte man die geforderte Summe bezahlen“, so Lewandowitz.

Betroffene können sich an die IHK wenden, Telefon (0 72 31) 20 10.