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Auch in der Wendelinskapelle in Ersingen haben die Täter geschmiert. Nazi-Symbole waren im April bis zu deren Beseitigung auch auf der Fassade zu sehen. 
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Anfang Mai wurden politisch eindeutige Graffiti an der Otto-Riehm-Schule gesprüht.  Fotos: PZ-Archiv (Ketterl/DRK) 
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Selbes Bild auf einem Spielplatz in Nußbaum. 
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Klaus Schroeder 

Wer schmiert Nazi-Symbole an Kirchen? – Interview mit Extremismusforscher

Enzkreis. In den vergangenen Wochen haben Unbekannte an mehreren Orten in der Region Hakenkreuze und andere politische Schmierereien hinterlassen. Laut Polizei gehen die Ermittler weiterhin einigen Spuren und Hinweisen nach, sind aber noch nicht den entscheidenden Schritt weitergekommen.

Der PZ erzählt der Extremismusforscher Klaus Schroeder derweil, warum Jugendliche heute Hakenkreuze schmieren, anstatt die rote Fahne zu hissen, wieso die Vorkommnisse nicht überbewertet werden sollten und welche Rolle der Flüchtlingszuzug bei politischen Straftaten spielt.

PZ: In unserer Region ist jüngst unter anderem eine Kirche mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Daneben wurden aber auch Penisse und Smileys gesprüht. Waren das zwangsläufig Rechtsextreme?

Klaus Schroeder: Nein, bei solchen Schmierereien ist es schwer auszumachen, ob das Rechte oder Linke waren.

PZ:Linke sprühen Hakenkreuze?

Klaus Schroeder: Man könnte spekulieren, ob Antifa-Gruppen mit dem Schmieren von Hakenkreuzen ein bisschen nachhelfen, um ihre Bedeutung zu erhöhen.Vielleicht waren das auch einfach Jugendliche.In meiner Nachbarschaft haben vor einigen Jahren verwöhnte Wohlstandskinder Hakenkreuze auf Fahrradsattel gemalt. Die wollten einfach mal provozieren.

PZ: Ist bei der Jugend das Bewusstsein für solche Symbole verloren gegangen?

Klaus Schroeder: Nein. 1968 hat man in West-Berlin beispielsweise die roten Fahnen gehisst. Das hat damals am meisten provoziert. Heute interessiert das keinen mehr. Wenn Jugendliche heute Aufsehen erregen und provozieren wollen, müssen sie zu Nazi-Symbolen greifen. Wenn das nicht verboten wäre, würde das vielleicht gar nicht so häufig vorkommen. Man sollte das politisch nicht überbewerten und ich würde das nicht als Zunahme rechten Gedankenguts werten. Da gibt es andere Indikatoren.

Klaus Schroeder ist promovierter Soziologe und habilitierter Politikwissenschaftler. Zu seinen Forschungsfeldern zählen Extremismus, die Geschichte der deutschen Teilung, sowie der Wiedervereinigung. Der 68-Jährige leitet den Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität (FU) Berlin sowie die Arbeitsstelle Politik und Technik des Otto-Suhr-Instituts. Schroeder erforscht sowohl Rechts- als auch Linksextremismus und hat dazu schon mehrere Titel veröffentlicht.

Das komplette Interview lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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Bildergalerie

Kapellen in Ersingen verwüstet

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