nach oben
Ende Juni hatten die Bagger die Arbeit aufgenommen – zunächst für Zufahrtswege und für die Fundamente, auf denen die geplanten elf Windräder einmal stehen sollen. Foto: Meyer, Archiv
Ende Juni hatten die Bagger die Arbeit aufgenommen – zunächst für Zufahrtswege und für die Fundamente, auf denen die geplanten elf Windräder einmal stehen sollen. Foto: Meyer, Archiv
Geschotterter Transportweg im Wald bei Straubenhardt: Die Arbeiten für den Windkraftbau werden genau beobachtet. Nun entzweien sie Projektgegner vor Ort und den Naturschutzbund Nabu. Foto: privat
Geschotterter Transportweg im Wald bei Straubenhardt: Die Arbeiten für den Windkraftbau werden genau beobachtet. Nun entzweien sie Projektgegner vor Ort und den Naturschutzbund Nabu. Foto: privat
11.07.2017

Windpark Straubenhardt: Naturschutz als Zankapfel

Straubenhardt. Es braucht breite, geschotterte Wege, um die Bauteile für die Windräder in den Wald zwischen Straubenhardt, Dennach, Neusatz und Dobel zu transportieren. Das sieht man mittlerweile auf der Baustelle, die seit Ende Juni läuft. Auch die Gruben für die Fundamente der Energieanlagen sind zum Teil schon ausgehoben worden. Die nötige Teilbaufreigabe hatten die Bauherren von Wircon/Wirsol zuvor erhalten. Bis Ende des Jahres sollen möglichst viele der geplanten elf Windräder ans Netz gebracht werden. Aber Verfahren dagegen sind in der Schwebe.

Den Baufortschritt verfolgen auch die Projektgegner von der Bürgerinitiative Gegenwind Straubenhardt (BI) um ihren Vorsitzenden Heinz Hummel mit Argusaugen. Denn ihre Anstrengungen, den Bau vor Gericht auszubremsen, sind weiter in der Schwebe. Von einem Wunschpartner fühlen sich die Kritiker dabei aber im Stich gelassen: Den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) konnten sie für ihre juristischen Bemühungen nicht mit ins Boot holen. Hummels Mitstreiter Ingo Zerrer hatte dem Nabu-Landesvorsitzenden Johannes Enssle per Mail vorgeworfen, die organisierten Naturschützer würden ihrer Aufgabe nicht gerecht. Was Enssle selbst empört, ist, dass Zerrer die Kritik mit der Andeutung verbindet, der Nabu profitiere von einem Windpark in Straubenhardt über zwei Ecken auch finanziell. So äußern beide Seiten ihre Enttäuschung übereinander. Enssle, weil er bedauert, dass eine BI mit erwägenswerten Argumenten „mit Dreck wirft“, wenn man ihren Erwartungen nicht voll entspreche. Und Hummel, weil er findet, dass der Nabu sich nicht weit genug vom Umweltministerium des Landes absetze.

Enssle gibt die Kritik zurück. Zu spät sei die BI auf den Verband zugekommen. Und es habe an selbst erhobenen Artenschutzdaten gefehlt, um die Situation bei Straubenhardt gründlich zu bewerten. Der Nabu habe an anderen Orten, wo eigene Leute Vogelarten gründlich kartiert hätten, Windkraftplänen dazwischengefunkt: auf der Höhe über Engelsbrand und Büchenbronn zum Beispiel. Bei Braunsbach im Kreis Schwäbisch Hall habe man die Stilllegung eines bestehenden Windrads erstritten.

Heinz Hummel wertet das als Engagement der Nabu-Aktiven vor Ort – nicht des Landesverbands. Zu oft würden Waldzerstörungen in Kauf genommen. Und Daten habe man dem Nabu in Hülle und Fülle zur Verfügung gestellt. Was die BI mit den finanziellen Vorteilen meine? Man denke dabei an die Ausgleichsleistungen, die Wirsol dem Land für den Verbrauch von Waldfläche leisten müsse. Und auf der anderen Seite an Landesförderungen, die auch anerkannte Naturschutzverbände erhalten würden.

Johannes Enssle bleibt dabei: In den Zwiespalt zwischen Naturschutz und Klimaschutz werde der Nabu keine pauschale Haltung einnehmen, sondern die Situation bei jedem Standort einzeln betrachten. „Und es gibt deutlich problematischere Standorte als Straubenhardt“, fügt er hinzu.

Leserkommentare (0)