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Michael Blume mit einer Thora-Rolle.  Foto: Bruno Knöller 

Woher rührt der Judenhass? Antisemitismus-Beauftragter Blume in Bad Wildbad

„Bad Wildbad. Nach dem Landtagswahl-Ergebnis vom Sonntag in Schleswig-Holstein wird es Antisemiten nicht mehr gelingen, unser Leben zu zerstören“, davon ist Michael Blume, Baden-Württembergs Beauftragter gegen Antisemitismus, überzeugt. Damit meinte er offensichtlich die Tatsache, dass die AfD erstmals aus einem Landesparlament geflogen ist. In seinem Vortrag im Wildbader König-Karl-Forum zeigte der promovierte Religions- und Politikwissenschaftler den rund drei Dutzend Zuhörern auf, was der Nährboden für den jahrhundertealten Judenhass und für aktuelle Verschwörungstheorien ist.

Beate Kunz freute sich für die veranstaltende Projektgruppe „Spuren jüdischen Lebens in Bad Wildbad“ in Kooperation mit der örtlichen Touristik GmbH und der Volkshochschule Calw darüber, dass der Referent die Besucher „eine Stunde lang intensiv in dieses Thema mit hinein nahm.“ Der mit einer türkischstämmigen Frau verheiratete evangelische Christ machte deutlich, dass sich schon seit dem Mittelalter und der Pest Verschwörungs-Mythen um die Juden ranken. Das gehe sogar so weit, „dass Antisemiten noch nicht einmal Juden für ihren Antisemitismus brauchen. So wird beispielsweise behauptet, dass Juden in Südkorea und Japan regieren, obwohl es dort gar keine gibt.“

Woher kommt eigentlich der Antisemitismus? Blume klärte auf. Die Thora, also die Schriftrolle, sei die erste Heilige Schrift in Alphabetschrift. Und was ist das Besondere daran? „Sie hat, anders als beispielsweise Chinesisch oder Japanisch, maximal 30 Buchstaben und ist eine Lautschrift. Sie hatte die Idee, dass alle Menschen lesen können, nicht nur Priester. Das Wort Bildung steht schon in der Thora und kommt vom Bilde Gottes.“ Daraus habe sich dann eine Mischung aus Neid, Hass und Angst gegenüber den Juden entwickelt, folgerte Blume.

Und wie kommen Verschwörungstheorien zustande? Dafür gibt es laut Blume vier Stufen. Eine davon sei das „Blunting“ (Abstumpfung), ein normales psychisches Verhalten: „Denn wer kann sich schon 24 Stunden lang am Tag mit der Hungersnot, der Klimakrise und dem Ukraine-Krieg beschäftigen?“

Sollte man mit Reichsbürgern oder sogenannten Querdenkern den Dialog suchen, wollte ein Diskussionsteilnehmer wissen. Die Antwort fiel differenziert aus: „Wir müssen den Dialog wagen, sollten aber trotzdem wissen, dass wir nicht alle erreichen können. Ich möchte niemanden aufgeben.“