Momoko Tanikawa
Geschmeidig am Ball: Momoko Tanikawa. (Archivbild)
Sven Hoppe/dpa
Sport weltweit
Aus der Tiefe der Hocke: Bayerns Tanikawa lebt ihren Traum

Fußballerisch ist Momoko Tanikawa in München längst angekommen, kulinarisch ebenfalls: «Brezeln, die mag ich gerne, und diese Weißwürste esse ich auch echt gerne», sagt das Toptalent des FC Bayern im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

Die schlechte Nachricht: In den kommenden Tagen wird sie darauf wohl weitgehend verzichten müssen. Gut für die japanische Nationalspielerin: dafür lockt die heimische Küche. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) wird der Bayern-Tross in Tokio erwartet und die 21 Jahre alte Tanikawa dürfte dann besonders im Fokus stehen.

Lob von Klara Bühl

«Momo ist eine Weltklassespielerin», urteilte Teamkollegin Klara Bühl kurz vor dem sechstägigen Japan-Trip der Double-Siegerinnen mit einem Testkick bei RB Omiya am Samstag in Tokio.

Auch Fans und Expertinnen schwärmen: Technik, Körperbeherrschung, der Blick für Räume und Mitspielerinnen, der präzise Abschluss, all das hat die aus der Millionenmetropole Nagoya stammende Tanikawa schon in jungen Jahren top drauf. «Letzte Saison hat man gesehen, zu was sie in der Lage ist», sagte Bühl.

Bayern-Trainer Barcala: «Immer eine Schlüsselspielerin für uns»

Auch Bayern-Trainer José Barcala attestiert seiner Nummer 18 eine außergewöhnliche Entwicklung: Egal auf welcher Position Tanikawa auflaufe, «sie ist immer eine Schlüsselspielerin für uns», erklärt der Coach. 

14 Tore in 47 Pflichtpartien lautet Tanikawas Bayern-Bilanz bislang, acht Treffer davon erzielte sie in der vergangenen Bundesliga-Saison. «Jetzt muss sie den nächsten Schritt machen», fordert Barcala. «Nämlich diese Leistungen auch dann zu zeigen, wenn der Gegner stärker wird, und dabei immer noch Momoko Tanikawa zu bleiben. Das ist die nächste Stufe für sie.»

Mit Stufen, vor allem hohen, kennt sich Tanikawa aus, auch wenn sie erst den Weg der kleinen Schritte ging. Über einige lokale Teams in Nagoya kam sie an die gut 580 Kilometer entfernte JFA Academy Fukushima, eine Fußballschule des japanischen Verbands. Als Jugendliche zog sie deshalb von zu Hause fort. Und Anfang 2024 verließ sie auch noch den Kontinent, um beim FC Bayern einen Vertrag zu unterschreiben.

Trainingsauftakt FC Bayern Frauen
Früher Fokus auf Fußball: Momoko Tanikawa.
Florian Diettrich/dpa

Kaum da, schon hat sie ihren Vertrag verlängert

«Ich bin schon mit einer gewissen Entschlossenheit ins Ausland gegangen. Um meinen Traum zu verwirklichen, habe ich eben auch in Kauf genommen, das Elternhaus zu verlassen», erzählt Tanikawa, die zunächst vom FC Bayern an den FC Rosengard verliehen wurde und dort als Torschützenkönigin maßgeblich zum Gewinn der schwedischen Meisterschaft 2024 beitrug. Anfang 2025 landete sie dann endgültig in München, wo sie ihren Vertrag inzwischen bis Juni 2029 verlängert hat.

Dass sie mal Profifußballerin werden wollte, stand für Tanikawa früh fest. «Der absolut größte Auslöser» sei die WM 2011 gewesen, als Kapitänin Homare Sawa - Tanikawas bis heute «absolutes Vorbild» - die japanische Nationalelf zum WM-Titel in Deutschland führte. 

Da war die kleine Momoko gerade mal sechs Jahre alt und dachte: «So möchte ich auch einmal werden! Ich glaube, in diesem Moment ist mein Traum entstanden, selbst einmal auf dieser Bühne zu stehen und die Beste der Welt zu werden.»

Momoko Tanikawa
Mit den Bayern-Fußballerinnen holte Momoko Tanikawa in der vergangenen Saison das Double. (Archivbild)
Fabian Strauch/dpa

Tanikawa: «Natürlich gab es Zeiten, in denen es nicht gut lief»

So schnurgerade ihre weitere Fußball-Reise klingt, verlief sie aber nicht. «Sie hat ein Jahr gebraucht, um hier anzukommen», berichtete Bühl. Auch Tanikawa räumt ein: «Natürlich gab es Zeiten, in denen es nicht gut lief. In solchen Momenten sagte meine Mutter oft zu mir, dass ich gerade tief in der Hocke sei. Sie meinte, ich würde mich tief hocken, um später umso höher springen zu können.» 

Jede erlebe Höhen und Tiefen, hat Tanikawa daraus gefolgert. «Als sie mir diese Sichtweise vermittelte, habe ich wirklich verstanden, was sie meinte.» Und dass die Mutter mit einer Bekannten auch mal in München vorbeischaute, hat vielleicht auch geholfen. 

«Da sind wir dann zusammen auf das Oktoberfest gegangen, und meine Mutter und ihre Freundin haben sich diese riesigen Ein-Liter-Bierkrüge bestellt und hatten viel Spaß», erzählt Tanikawa mit einem Schmunzeln. «Ich hatte das Gefühl, dass man dort so richtig spüren kann, was Deutschland ausmacht.»

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