Euphorisch hüpften die Schalker Spieler zu Spitzenreiter-Gesängen durch den Strafraum und traten dann ganz nah an ihre Fans in der Nordkurve heran. Gemeinsam mit den Anhängern stimmte sich das Team von Trainer Miron Muslic auf den großen Saisonendspurt ein. Der FC Schalke 04 steuert nach dem nächsten Erfolg zielsicher auf den Aufstieg zu.
Die Gelsenkirchener besiegten den SC Preußen Münster hochverdient mit 4:1 (2:0) und eroberten die Tabellenspitze der 2. Fußball-Bundesliga vom SC Paderborn eindrucksvoll zurück. «Wer nicht hüpft, der ist Borusse», sangen die Schalker Fans und freuten sich darauf, dass sie wohl in der kommenden Saison wieder zum Derby gegen den BVB antreten dürfen.
«Unbeschreiblich», sagte Kapitän Kenan Karaman bei Sky. «Das sind die schönsten Momente im Fußball - vor allem, wenn man die letzten zwei Jahre berücksichtigt, tut das wirklich sehr gut», ergänzte der 32-Jährige, der auf Schalke auch schon große Krisen erlebt hat.

Sechs Punkte Vorsprung auf Rang drei
Vor 62.077 Zuschauern in Gelsenkirchen erzielten Karaman in der 36. Minute, Münsters Jannis Heuer per Eigentor (45.), Adil Aouchiche (51.) und Moussa Sylla (66.) die Tore für die Gastgeber. Shin Yamada gelang der Ehrentreffer für die Preußen (82.).
Bei noch vier ausstehenden Spielen hat Schalke sechs Punkte Vorsprung auf die SV Elversberg auf dem Relegationsplatz. Hannover 96 auf Rang vier liegt sieben Zähler hinter dem Revierclub. Darmstadt hat als Fünfter weitere vier Punkte Rückstand auf die Niedersachsen. Minutenlang schwappte «La Ola» durch die Arena.
Elversberg hatte vorgelegt
Nach dem 1:1 von Paderborn in Hannover sowie dem 3:0 von Elversberg gegen den Karlsruher SC war Schalke in der Position, nachlegen zu müssen. Mit entsprechender Power legte das Muslic-Team los. Früh entwickelte sich ein Spiel in eine Richtung - auf das Tor der Preußen.
Dejan Ljubicic, der wieder genesene Karaman, Soufiane El-Faouzi und Timo Becker hatten schon in der ersten Viertelstunde fünf teils riesige Chancen, um Schalke in Führung zu bringen. Mit Glück und einem guten Johannes Schenk im Tor hielten die Gäste jedoch zunächst die Null.
Lange konnte das allerdings nicht gutgehen. Zwar erspielte sich Schalke nun nicht mehr Gelegenheiten im Minutentakt, blieb jedoch ganz klar überlegen. Von den Gästen kam nach vorne quasi nichts und der Ruhrgebietsverein nutzte seine nächste Chance. Ljubicic flankte in den Strafraum, wo Karaman am höchsten sprang und zum hochverdienten 1:0 einköpfte.

Schalke bleibt seinen Prinzipien treu
Muslic zeigte an der Seitenlinie die Faust und sah sich bestätigt. Der 43-Jährige hatte vor der Partie gewarnt, auch gegen den Abstiegskandidaten nichts Extravagantes zu versuchen, sondern den eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Und genau das machten seine Spieler. «Wir waren klar, wir waren fokussiert, wir waren extrem giftig – und wir waren gut», sagte Muslic.
Wie schon - mit ganz wenigen Ausnahmen - in der gesamten Saison überzeugte Schalke nicht mit Zauberfußball, sondern mit großem Einsatz, taktischer Disziplin und individuellen Qualitäten wie der von Karaman. Gegen überforderte Münsteraner reichte das für einen Kantersieg. «Der Trainer macht einen super Job. Er ist die wichtigste Person im ganzen Verein», lobte Karaman. «Wir folgen ihm.»
Topspiel steht an
Gegen Münster ging Muslics Plan einmal mehr auf. Noch vor der Pause sorgte Heuer unfreiwillig für das 2:0. Spätestens nach dem dritten Schalker Treffer durch Aouchiche, bei dem der zuvor starke Schenk kräftig mithalf, war die Partie endgültig entschieden. «Der S04 ist wieder da», sangen die Schalker Fans und ließen ein «Spitzenreiter, Spitzenreiter» folgen. Sylla ließ sie ein weiteres Mal jubeln.
Ihre Mannschaft kann am Sonntag gegen einen direkten Konkurrenten den nächsten Schritt Richtung Fußball-Oberhaus gehen. Ein Sieg in Paderborn würde wohl auch letzte Zweifel an der Bundesliga-Rückkehr beim leidgeprüften Schalker Anhang beseitigen.
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