Tim Torn Teutenberg schrie die ganze Freude heraus, schnappte sich die Deutschland-Fahne und feierte auf dem Holzoval von Shanghai seinen WM-Triumph. Der Kölner Alleskönner hat den deutschen Bahnrad-Assen bei den Titelkämpfen in China mit einem souveränen Sieg im Ausscheidungsfahren einen goldenen Abschluss beschert.
«Unglaublich. Dafür bin ich hierhergekommen. Ich wollte unbedingt das Ausscheidungsfahren gewinnen. Das ist immer mein bestes Rennen. Ich war bei der EM schon oft erfolgreich, aber nie bei der WM. Ich bin sehr glücklich, dass es nun mit dem Titel geklappt hat», sagte Teutenberg nach seinem Coup - nur einen Tag nach seinem dritten Platz im Omnium.
Und es hätte am letzten Wettkampftag auch ein weiteres Gold für das deutsche Team geben können. Nur Millimeter fehlten der achtmaligen Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich zum nächsten Coup. Im Keirin fuhr sie hauchdünn auf den zweiten Platz hinter der Russin Alina Lysenko, die als neutrale Athletin an den Start ging.

Kluge mit 40 Jahren erneut auf dem Podium
Auch Altmeister Roger Kluge fuhr noch einmal auf das Podium. Der 40-Jährige sicherte sich an der Seite von Moritz Augenstein Bronze im Madison hinter Dänemark und Portugal. Damit stellte Kluge, der vor 18 Jahren in Manchester seine erste WM-Medaille geholt hatte, erneut seine Klasse unter Beweis. «Er hat seinen Platz nicht als Alterspräsident verdient, sondern aufgrund von Leistungen», sagte Bundestrainer Lucas Schädlich.
Mit neun Medaillen, davon zwei goldenen, durfte die Mannschaft von German Cycling zufrieden sein. Unter dem Strich stand Platz vier im Medaillenspiegel. Pauline Grabosch hatte am Samstag mit dem Sieg im 1.000-Meter-Zeitfahren für ein weiteres Highlight gesorgt.
Teutenberg im Dauereinsatz
Am meisten strahlte dabei Teutenberg. Dabei liegt für den 24-Jährigen eine lange Straßensaison hinter ihm. Der Allrounder war schon im Januar bei der Tour Down Under in Australien im Einsatz, bestritt im Frühjahr die Klassiker und fuhr beim Giro d'Italia seine erste Grand Tour. «Das war eine relativ lange Saison mit vielen Renntagen, aber ich bin da mit einer guten Form rausgekommen», so Teutenberg.
Das stellte er in seiner Spezialdisziplin eindrucksvoll unter Beweis. In dem Wettbewerb, bei dem alle zwei Runden der letzte Fahrer ausscheidet, war Teutenberg immer bestens positioniert und am Ende spielte er seine Sprintstärke gegen Hansen aus. «Er ist ein schneller Typ. Als er beschleunigt hat, habe ich alles gegeben, was ich hatte. Ich hatte Angst, dass er auf den letzten Metern noch vorbeizieht», sagte Teutenberg.
Nach zweimal EM-Gold nun der WM-Titel
2023 und 2025 hatte Teutenberg bereits den EM-Titel im Ausscheidungsfahren gewonnen. Dazu holte er in diesem Jahr EM-Silber. Nun klappte es auch bei der WM. Damit ist Teutenberg eine feste Größe im Hinblick auf Olympia in Los Angeles. Denn der Youngster ist auch ein Kandidat für das Madison. 2024 hatte er mit Kluge bei der olympischen Disziplin den Titel geholt.
Der Name Teutenberg ist Experten ein Begriff, der 24-Jährige stammt aus einer großen Radsport-Familie. Sein Vater Lars war selbst Radprofi und wurde mehrmals deutscher Meister. Auch Onkel Sven und Tante Ina-Yoko machten auf dem Rennrad Karriere, feierten im Sprint viele Siege. Seine Schwester Lea Lin war bei der WM ebenfalls im Einsatz.
In der nächsten Saison will sich Teutenberg erst einmal auf der Straße etablieren, 2027 fährt er für das belgische Traditionsteam Soudal Safety Jogger, in der Vergangenheit vor allem unter dem Namen Quick Step bekannt. «Ich habe das Team bewundert, seit ich jung war, und war damals ein großer Fan von Mark Cavendish. Diese Mannschaft hat eine außergewöhnliche Historie bei Klassikern, also den Rennen, bei denen ich mich verbessern will.» Und ganz nebenbei träumt Teutenberg von seiner Premiere bei der Tour de France.
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