VfL Wolfsburg - Bayern München
Hat viel zu feiern: der FC Bayern.
Fabian Strauch/dpa
Sport weltweit
«Einfach überholt» – Double-Bayern distanzieren Wolfsburg

Als das erneute Double feststand, präsentierten sich die Bayern-Fußballerinnen so locker und verspielt wie fast die gesamte Saison über. Torjägerin Pernille Harder badete nach dem 4:0-Pokaltriumph gegen den VfL Wolfsburg lächelnd mit dem schweren Silberpokal im Entmüdungsbecken, Klara Bühl erklärte mit einem schelmischen Grinsen Linda Dallmann zur Partykönigin und Linksverteidigerin Carolin Simon posierte mit dicker Sonnenbrille. Die Feierlichkeiten könnten «eine sehr lange Angelegenheit» werden, mutmaßte Dallmann – ebenso wie die nationale Bayern-Dominanz.

Der nun dreimalige Pokalsieger hat in dieser Saison alle vier Vergleiche mit dem Vizemeister und Rekordpokalsieger gewonnen, die Bundesliga nach Belieben dominiert und in dieser Saison überhaupt nur zwei Pflichtspiele verloren (jeweils gegen den FC Barcelona). Wer soll den Serienmeister, der im Pokalfinale keineswegs glänzte und am Ende doch gnadenlos zupackte, national noch stoppen? Und wie?

Erfolgscoach José Barcala hielt zunächst an Barcala typischen Mustern fest. Freundlich und detailliert referierte der 44-Jährige darüber, wieso die Münchnerinnen trotz Anlaufschwierigkeiten am Ende wieder als strahlende Siegerinnen aus Köln abzogen. «Man sieht eine Mannschaft, die nicht richtig ins Spiel kommt, man sieht eine Mannschaft, die Fehler macht. Aber wir bleiben im Spiel, wir bleiben organisiert, wir bleiben kompakt», analysierte der Coach.

Lerch: «Momentan ist der FC Bayern einfach die Benchmark»

Den größeren Kontext nahm Stephan Lerch in den Blick. «Momentan ist der FC Bayern einfach die Benchmark im deutschen Frauenfußball, das muss man leider neidlos anerkennen», lobte Wolfsburgs Coach und sprach von einem «Qualitätsunterschied». München habe den VfL «einfach überholt», sagte die im Sommer zu Regionalligist Borussia Dortmund wechselnde Alexandra Popp.

16 Punkte liegt Wolfsburg vor dem letzten Bundesliga-Spieltag am Sonntag hinter Bayern, das Pokalfinale war nur in Hälfte eins ein ausgeglichenes. «Der große Faktor ist, dass wir qualitativ nicht gleich oder ebenbürtig sind», meinte Popp. Topstars wie Giulia Gwinn, Bühl, Harder oder die Langzeit-Verletzte Lena Oberdorf spielen längst im finanziell stärkeren München.

VfL Wolfsburg - Bayern München
Kapitänin Giulia Gwinn (l) und Elfer-Torschützin Georgia Stanway sind nur zwei von etlichen Bayern-Stars.
Fabian Strauch/dpa

Auch die Bayern-Toptalente bewiesen in Köln wieder ihre Klasse, etwa die 21-jährige Momoko Tanikawa, die den Elfmeter zum wegweisenden 1:0 herausholte und das 3:0 selbst erzielte. Oder die gleichaltrige Franziska Kett, die im Zusammenspiel mit Bühl die vielleicht beste linke Seite im europäischen Fußball bildet. «Wenn wir unsere Qualitäten und diese Ruhe am Ball haben, den Gegner laufen lassen, dann glaube ich, sind wir schwer zu stoppen», sagte Bühl.

Popp: Bayern hat «einfach noch mal eine andere Ruhe am Ball»

Aus den vielen Einzelkönnerinnen hat Barcala ein Team geformt, das den Gegner mit hoher Passsicherheit erdrücken kann. Bayern habe «einfach noch mal eine andere Ruhe am Ball», finde auch Lücken gegen tiefes Pressing, analysierte Popp. «Sie sehen die Momente, die dann aufkommen, wenn wir uns dann doch mal ein Stück weit locken lassen.»

Wie gut der Bayern-Kader zudem in der Breite besetzt ist, unterstrich die eingewechselte Arianna Caruso mit ihrem Traumfreistoßtor zum 4:0-Endstand. Harder und Georgia Stanway hießen die beiden weiteren prominenten Torschützinnen. «Wir können immer rotieren, wir können in allen drei Wettbewerben mit allen Leuten spielen. Das gibt uns einfach eine enorme Sicherheit und eine enorme Qualität, die in Deutschland selten so vorhanden ist», sagte Dallmann.

© dpa-infocom, dpa:260515-930-82810/1

VG WORT Zählmarke