Als die deutschen Hockey-Herren im belgischen Wavre den WM-Pokal in die Luft stemmten, stellte sich André Henning in bester Bundestrainer-Manier nicht mit auf die Bühne. Auch nach dem Spiel rückte der 42-Jährige einzig das Auftreten seines jungen Teams nach vorn. «Dass diese Mannschaft zu diesem Zeitpunkt so unglaublich performt und alles mitbringt, was man braucht, um Titel zu gewinnen, das beeindruckt mich so krass», sagte Henning nach dem Gewinn des WM-Titels stolz.
Dabei ist er der Erfolgsarchitekt. Denn unter seiner Leitung ist der Generationswechsel bei der Herren-Mannschaft des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) mit dem vierten WM-Titel mehr als gelungen. Das DHB-Team, das in Belgien mit elf WM-Debütanten aufgelaufen war, überzeugte trotz vieler Fragezeichen vor dem Turnierbeginn. «Als wir hier vor drei Wochen angetreten sind, war es für die meisten wahrscheinlich so: Junge Mannschaft, wenn die überhaupt die Vorrunde überstehen, wäre das schon toll», sagte Henning nach dem Spiel in Wavre. «Und jetzt ist so viel passiert, ich bin total glücklich und stolz darüber, was wir hier entwickelt haben.» Mit dem vierten WM-Gold war der DHB mit Rekordsieger Pakistan gleichgezogen.
Henning: «Sage ihnen, was sie können»
Sinnbildlich für die neue Generation beim DHB steht Tom Grambusch, der als neuer Führungsspieler als einer von neun verbliebenen Weltmeistern von 2023 bei der WM in Belgien und den Niederlanden an den Start gegangen war. «Es waren vorher ganz viele Fragezeichen, die da im Raum standen. Die Neuen haben wir in ganz kurzer Zeit wunderbar integriert», sagte der 31 Jahre alte Kapitän und lobte auch die gute Stimmung beim deutschen Team. «Wir haben im Laufe des Turniers einfach so ein gutes Wir-Gefühl entwickelt. Deshalb konnten wir auf dem Platz auch so viel Energie lassen.» Grambusch hatte vor dem Turnier die Kapitänsrolle von seinem Bruder Mats übernommen.

Für die gute Stimmung im Team sorgten auch die Kommunikation und die Integrationskraft von Bundestrainer Henning. «Ich rede sie natürlich auch gut und stark und sage ihnen, was sie können», sagte der 42-Jährige. Den neuen Spielern gebe er direkt eine Rolle und Verantwortung im Team und lasse sie nicht einfach nur als «Wasserträger» mitlaufen. «Und diese Plattform, die nutzen die Jungs, und dadurch machen die sich als System stärker», erklärte Henning den erneuten Erfolg der deutschen Hockey-Herren.
Zweiter WM-Titel für Henning
Dass die Art der Mannschaftsführung von Bundestrainer Henning einen großen Anteil an der Erfolgsgeschichte der deutschen Hockey-Herren in den vergangenen Jahren hatte, ist nicht von der Hand zu weisen. Seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn 2022 stand der 42-Jährige mit den unterschiedlichen DHB-Teams in vier von vier möglichen Finalspielen bei großen Turnieren. Die WM gewann er 2023 in Indien und jetzt in Belgien und den Niederlanden bereits zwei Mal, auch bei der Heim-EM im vergangenen Jahr streckte das Team von Bundestrainer Henning den Siegerpokal in die Luft. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 gewann Deutschland die Silbermedaille.
Nach all diesen Erfolgen stellt Henning aber klar, dass er sich als «Prozesstrainer» mehr über die Zusammenarbeit und die Teamentwicklung mit seinen Spielern freue als über all die Titel der letzten Jahre. Glücklich sei er nach dem erneuten WM-Titel vor allem für seine Spieler. «Und die haben natürlich mehr von einem Pokal als von einem netten Prozess. Das ist mir auch klar», sagte der Bundestrainer nach dem Erfolg mit einem Schmunzeln im Gesicht.
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