Der frühere Radprofi Jan Ullrich
Jan Ullrich bei der 14. Etappe der diesjährigen Tour de France.
Felix Schröder/dpa
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Jan Ullrich zurück bei der Tour: «Hatte schlaflose Nacht»

Jan Ullrich wurde empfangen wie ein Superstar. «Ulle»-Sprechchöre schallten dem einzigen deutschen Tour-de-France-Sieger und geständigen Doper entgegen, als er im Zielort der 14. Etappe der Frankreich-Rundfahrt in der Nähe der deutschen Grenze ein Interview am Rand der Strecke gab. 

Über dem 52-Jährigen im Zielort Le Markstein wütete ein Unwetter samt Donner und Starkregen. Doch der gebürtige Rostocker fühlte sich trotz der Wetterlage sichtlich wohl mit dem Trubel um ihn, winkte den vielen deutschen Fans zu und posierte für Fotos. Die Bilder erinnerten an alte Zeiten, als er nach seinem Tour-Sieg 1997 in Deutschland wie ein Pop-Star gefeiert wurde. 

Schlaflos vor Tour-Besuch

20 Jahre nach dem Ausschluss wegen der Verbindungen zu Dopingarzt Eufemiano Fuentes stattete er offiziell einer Tour-Etappe zum ersten Mal wieder einen Besuch ab, nachdem er dort lange nicht gerngesehen war. «Ich habe gestern tatsächlich eine schlaflose Nacht gehabt», berichtete der Olympiasieger von 2000. Als Zuschauer sei er noch nie zuvor bei der Tour gewesen. «Komme ich da auch mit dem Auto hin oder komme ich da überhaupt rein», fragte er sich. 

Es fühle sich schon gut an. Er sei überall «immer noch sehr beliebt», sagte Ullrich. «Meine Kids und ich waren sehr beeindruckt, wie gut ich aufgenommen werde», schwärmte er. Am Start begrüßte er mit seinem Nachwuchs einige Radprofis. Manche Stars verewigten sich auf den weißen Fahrradschuhen seines Sohnes per Unterschrift. Mit Superstar Tadej Pogacar sei er befreundet, sagte er.

Jan Ullrich
Jan Ullrich im Trikot des damaligen Team T-Mobile. (Archivbild)
epa Olivier Hoslet/EPA/dpa

Auch mit der Tour-Organisation ASO wird der Austausch offenbar reger, nachdem Ullrich wegen seiner Doping-Vergangenheit lange skeptisch beäugt wurde. «Wir kommen uns immer näher», so der frühere Zeitfahr-Weltmeister. «Unser Traum ist, dass wir uns im Winter mal zusammensetzen und mal gucken, was wir da machen können», kündigte er an. 

Für eine Doku habe er mal bei der ASO angefragt. «Das wollten sie auf keinen Fall, weil sie auch nicht wussten, was ich so in der Doku bringen will», sagte er und fügte hinzu: «Aber ich glaube, wenn sie das alles gesehen haben, dann sehen sie ja, dass ich da den Radsport liebe und auch nichts Schlimmes will.»

Ullrich spricht über Depression

Damit spielt er auf seine düstere Doping-Vergangenheit an. Ullrich hatte Doping 2023 in einer Dokumentation eingeräumt, sich aber mit Details bedeckt gehalten. Ein Jahr später erschien auch sein Buch. Zudem wurde er in Talkshows eingeladen. Ullrich feierte sein öffentliches Comeback.

Zuvor hatte er mehrfach negative Schlagzeilen geschrieben: Exzessiver Lebensstil, Skandale sowie seine Alkohol- und Drogensucht. Ullrich berichtete über eine lange Leidenszeit. Der Gang an die Öffentlichkeit sei ihm schwergefallen. 

«So schwer, dass ich über viele Jahre zu der Depression gekommen bin», sagte Ullrich der ARD in Le Markstein. «Ich habe mir das nicht vorstellen können, dass ich das irgendwie mal der breiten Masse praktisch auch preisgebe. Ich wollte das mit mir selbst ausmachen. Ich habe das ständig in mich reingefressen, habe Riesenprobleme gekriegt, wie jeder weiß.» Reinen Tisch zu machen sei «die beste Sache gewesen, die ich machen konnte».

Ullrich sprach von einer «dunklen Epoche» des Radsports, der schon viele Doping-Skandale hinter sich hat. Die heutige Rad-Generation, die auch durch Rekord-Zeiten und wahnwitzige Kletterexplosionen einzelner Profis teils kritisch beäugt wird, hält er für sauber. «Diese ganzen Kontrollen sind noch mal mehr geworden und auch die Strafen sind höher geworden, was ich auch gut finde. Und ich glaube, man hat daraus gelernt, auf alle Fälle», betonte der 52-Jährige.

Ullrich würde gerne zur heutigen Zeit nochmal Radprofi sein. «Ja, es juckt», sagte der einstige Dauerrivale von Lance Armstrong: «Mich würde es schon mal reizen. Also wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich noch mal antreten.» Er habe damals «super viele Kilometer falsch trainiert», sagte Ullrich und verwies auf die aerodynamischen Räder, die verbesserte Kleidung und vor allem die Ernährung. Auf die Tour-Strecke wird er nicht zurückkehren - am Rand hat er einen ersten Schritt gemacht.

© dpa-infocom, dpa:260719-930-406469/1

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