Sogar die Monza-Liebeserklärung auf Italienisch ging Pierre Gasly ganz leicht von den Lippen. Völlig überraschend schnappte sich der französische Alpine-Rennfahrer zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere den besten Startplatz und düpierte vor dem Großen Preis von Italien die erstaunte Konkurrenz. Sechs Jahre nach seinem sensationellen Premierensieg im Königlichen Park konnte Gasly auch das lange Warten auf eine Pole Position beenden. «Das war fantastisch. Ich habe mich von der ersten Runde an unglaublich im Auto gefühlt», sagte der 30-Jährige.
Der favorisierte Mercedes-Pilot George Russell musste Gasly als Zweiter zu seinem Coup gratulieren, nachdem er kurz vor der Qualifikation schon eine Schachpartie gegen ihn verloren hatte. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli steuerte seinen Silberpfeil auf Rang sieben, muss aber wegen eines regelwidrigen Motorenwechsels am Sonntag (15.00 Uhr/Sky) vom Ende des Feldes losfahren.
Eher ernüchternd verlief der Tag für die Ferraristi. Charles Leclerc und Lewis Hamilton wurden zunächst als Vierter und Fünfter gewertet. Weil der drittplatzierte McLaren-Fahrer Oscar Piastri aber später von den Rennkommissaren wegen einer Behinderung um drei Ränge zurückgestuft wurde, bildet das Ferrari-Duo jetzt die zweite Startreihe.
Schon der zweite Durchgang war für Leclerc und Hamilton zu einer Zitterpartie geworden, gerade so retteten sich die beiden unter die besten Zehn. Dank nur einer Tausendstelsekunde Vorsprung vermied Hamilton das Aus. Dagegen war für Audi-Fahrer Nico Hülkenberg als 13. wieder einmal vorzeitig Feierabend.
Nackenschlag von den Sportrichtern
Mann des Tages war ganz klar Gasly. Und das nur einen Tag nach dem Nackenschlag der Sportrichter, die dem Alpine-Fahrer drei Monate nach dem Monaco-Rennen den Pokal für Platz drei wieder aberkannten. Die Zeitstrafen für Tempoverstöße in der Boxengasse seien doch rechtmäßig gewesen, urteilten die Berufungsrichter. Den Frust darüber verwandelte Gasly in seine beste Karriereleistung in der Qualifikation. «Das ist ein besonderer Ort hier für mich», sagte er.

Die italienischen Fans hatten sich das ganz anders ausgemalt. Wissen sie doch in diesem Jahr kaum, wohin mit ihrer Leidenschaft. Die Liebe zu Ferrari zeigt sich wie immer in Monza besonders stark. Rot ist die dominierende Farbe. Aber so mancher Tifosi drückt diesmal auch Antonelli die Daumen, der als erster Italiener seit Alberto Ascari 1953 als WM-Führender in Monza auftritt.
Hamilton spürt den Druck
Schon muss sich der 20-Jährige zu Spekulationen äußern, seine Zukunft könne bei der Scuderia liegen. Brav bekannte sich Antonelli in Monza zu seinem Arbeitgeber Mercedes, der ihn schon seit der Kindheit unterstützt. «Ich habe das Gefühl, dass ich ihnen so viel zu geben habe. Und wenn ich mit ihnen durchweg glücklich bin, werde ich wahrscheinlich auch meine gesamte Karriere bei ihnen verbringen. Mal sehen», sagte Antonelli.
Die Startplatzstrafe ausgerechnet bei seinem Heimrennen nahm der Jungstar entspannt hin. «Ich möchte auf jeden Fall mit möglichst wenigen Gedanken im Kopf ins Auto steigen, einfach ganz frei sein und die Fahrt und das Wochenende genießen», erklärte Antonelli.

Deutlich mehr Druck verspürt das Ferrari-Duo. Vor allem Hamilton sehnt seinen ersten Sieg in Rot in Monza herbei, tauchte schon in den Tagen vor dem Grand Prix tief in die Emotionen rund um das Autodromo Nazionale ein. «Der Gedanke, dass ich, wenn ich das schaffen würde, wahrscheinlich der einzige schwarze Fahrer wäre, dem das jemals für Ferrari in Italien gelungen ist, vielleicht sogar in der gesamten Geschichte. Viele solcher Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen. Ja, der Druck ist hoch, und man will natürlich auch für das Team abliefern», sagte der 41-Jährige. Bei der Startplatzjagd gelang das nicht ganz wie erhofft.
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