Fechten
Der Deutsche Fechter-Bund versucht, sich aus der sportlichen Krise zu kämpfen. (Archivbild)
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Benjamin Kleibrink
Benjamin Kleibrink gewann 2008 Olympia-Gold und ist nun Bundestrainer der Florettmänner. (Archivbild)
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Sport weltweit
Nach Krisenjahren: Fecht-Bund sucht Anschluss an Weltspitze

Die Zeiten ändern sich im deutschen Fechtsport. «Ich bin nicht unzufrieden», sagt Tobias Kirch, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bunds, nach den Europameisterschaften im französischen Antony. Zwei Medaillen bejubelte das deutsche Team dort - so viele wie zuletzt vor vier Jahren bei einer reinen EM. Was zu den glorreichen Tagen von Olympiasiegerinnen wie Anja Fichtel oder Britta Heidemann einst als große Enttäuschung gewertet worden wäre, ist inzwischen eine durchschnittliche Ausbeute - nicht mehr, nicht weniger.

Einmal Silber, einmal Bronze

Einmal gab es überraschend Silber durch Degenfechterin Alexandra Ehler im Einzel, einmal Bronze durch die Florettmänner im Team am letzten Wettkampftag. «Die Jungs haben richtig gut performt und sich diese Medaille mehr als verdient», sagt der Olympiasieger von 2008 und nun als Florett-Bundestrainer tätige Benjamin Kleibrink. Ob das schon die Trendwende für den vor einigen Jahren noch so erfolgsverwöhnten Verband ist?

Der DFB ist längst noch nicht dort, wo er wieder sein möchte. Im Einzel war Silbermedaillengewinnerin Ehler die einzige Sportlerin, die das Viertelfinale erreichte. «Gerade im Einzel hätte ich mir zumindest schon noch die eine oder andere Top-Acht-Platzierung mehr gewünscht. Von daher war das kein schlechtes Turnier für uns, aber ja, wir müssen uns schrittweise weiter steigern», sagt Kirch.

Nach drei Olympia-Nullnummern Brisbane 2032 als langfristiges Ziel

Vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in Paris war das deutsche Fechten am absoluten Tiefpunkt angekommen. Mit dem kleinsten Olympia-Aufgebot seit 68 Jahren waren sie in die französische Hauptstadt gereist - mit gerade mal zwei Sportlern. Weder bei den Männern noch bei den Frauen konnte sich ein Team in den Disziplinen Säbel, Florett oder Degen qualifizieren. Und wie schon 2016 in Rio de Janeiro und 2021 in Tokio blieb der Verband ohne Edelmetall.

In zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in Los Angeles will der DFB wieder eine größere Rolle spielen. «Das Ziel Richtung LA muss sein, dass wir wieder schaffen, Mannschaften zu qualifizieren», sagt Kirch. Langfristig seien aber die Sommerspiele im australischen Brisbane 2032 das große Ziel. Dann wolle man «wieder bewusst die Medaillenplätze angreifen».

Erfolglosigkeit mit finanziellen Folgen

Die drei medaillenlosen Sommerspiele in Folge und der allgemeine Abwärtstrend machen sich finanziell bemerkbar. «Wir haben schon nach Paris finanzielle Einschränkungen erhalten und Kürzungen bekommen. Nicht im Personalbereich, aber in dem Bereich der Jahresplanung, wo es vor allem darum geht, zentrale Lehrgangsmaßnahmen und internationale Turniere besuchen zu können», erklärt Kirch. Circa 180.000 Euro pro Jahr seien gestrichen worden.

Seit Paris habe man Veränderungen angeschoben und versucht, den Nachwuchs zu stärken, frühere erfolgreiche Athleten wie Kleibrink als Trainer zu integrieren und altersübergreifende Schwerpunkte an den Stützpunkten zu setzen. «Wir wollen unsere eigene DNA wieder stärker in den Fokus setzen und professionalisieren in den unterschiedlichsten Bereichen», sagt Kirch.

Dass Deutschland noch einmal an die größten Erfolgszeiten anknüpft, hält selbst der 45-Jährige für unrealistisch. «Diese Erfolge schafft ja keine Nation heutzutage mehr in dieser Fülle. Das kann man nicht mehr schaffen.» Zum einen sei die Konkurrenz größer geworden, äußert Kirch. «Gerade asiatische Länder und die USA sind viel stärker geworden. Noch vor 15 Jahren war Fechten sehr europalastig, das hat sich verändert.»

Kirch: Bedingungen in anderen Ländern professioneller

Zum anderen seien die Bedingungen im Ausland teilweise «professioneller». «In Deutschland ist die finanzielle Belastung für die Fechterinnen und Fechter sehr hoch, denn nur ein kleiner Kreis kann vollständig durch die Bundesmittel finanziert werden und ist durch die Sportfördergruppen der Bundeswehr und Polizei finanziell unabhängig», erklärte Kirch.

Trotzdem sei die Ausbeute bei den vergangenen drei Olympischen Spielen und auch bei zurückliegenden Welt- und Europameisterschaften zu wenig gewesen. «Wir müssen deutlich besser werden. Wir müssen in den Bereich kommen, dass wir es schaffen, Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen wieder irgendwann zu holen», sagt Kirch. Die Zeiten sollen sich also schnellstmöglich ändern - dieses Mal zugunsten des deutschen Fechtsports.

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