Radsport: Tour de France
Jonas Vingegaard musste nach einem Sturz aussteigen.
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Tour de France - 11. Etappe
Tadej Pogacar bringt den Sturz von Vingegaard in Zusammenhang mit einer nächtlichen Dopingkontrolle.
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Lance Armstrong
Auch Lance Armstrong meldet sich zu Wort.
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Sport weltweit
«Schande»: Eine nächtliche Dopingkontrolle mit Folgen

Jonas Vingegaard wollte über die Ursache für seinen verhängnisvollen Sturz «nicht spekulieren». Und doch tat der dänische Radstar nichts anderes, als er frisch geduscht vor dem Teamhotel «Ferme du Lac» in Thyez ein knappes Statement abgab und damit die hitzige Debatte über nächtliche Dopingkontrollen bei der Tour de France weiter befeuerte.

Vingegaard war auf der 15. Etappe zu Fall gekommen und hatte dabei einen Schlüsselbeinbruch erlitten. In der Nacht zuvor war er noch von den Dopingkontrolleuren aus dem Schlaf gerissen worden. Fehlte dem zweimaligen Tour-Champion aus Dänemark beim Malheur im Kreisverkehr womöglich die Konzentration? «Man kann wohl sagen, dass es sicher nicht förderlich war. Ob das der Grund ist, darüber wage ich nicht zu spekulieren. Es mag durchaus eine Rolle gespielt haben», sagte Vingegaard dem dänischen Sender TV2.

Peloton solidarisiert sich mit Vingegaard

Der Aufschrei bei den Stars der Branche war jedenfalls groß. «Unmenschlich», «Schande», «Respektlos!» - selbst die beiden größten Rivalen Tadej Pogacar und Remco Evenepoel solidarisierten sich schnell mit dem Dänen.

Aus dem Off meldete sich gar Lance Armstrong - der größte Dopingsünder der Radsport-Geschichte - zu Wort. «Sie klopften an die Tür und weckten ihn mitten in der Tour de France. 2 Uhr morgens - das ist eine Frage der Menschenrechte. Ich bin sprachlos», sagte Armstrong in seinem Podcast «The Move», wenngleich der Texaner sicher nicht als bester Fürsprecher für die heutige Generation taugt.

Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel fand nach seinem Etappensieg klare Worte. «Ich kann nur sagen, dass es ziemlich respektlos ist, die Fahrer mitten in der Nacht zu wecken. Kontrollen um 2.00 und 5.00 Uhr morgens sind etwas, das wir als Fahrer eigentlich nicht hinnehmen können. Es ist schlicht unmenschlich, uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen», sagte der Belgier und bezeichnete die Vorgänge als «Schande».

Nachtkontrollen bei Vingegaard und Pogacar

Evenepoel konnte in der Nacht zu Sonntag gut schlafen. Bei Vingegaard klopfte es indes um 2.00 Uhr an der Tür, Tadej Pogacar war um 5.00 Uhr dran. «Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig», sagte Pogacar, der Mann im Gelben Trikot, und fügte hinzu: «Schlaf ist wichtig. Die Erholung des Körpers ist entscheidend. Wenn man auch nur ein bisschen die Konzentration verliert... Und die Strecke dort in der Ortschaft war wirklich gefährlich.»

Dopingkontrollen finden in der Regel zwischen 6.00 Uhr und 23.00 Uhr statt. Nächtliche Dopingkontrollen sind seit 2016 zwar auch möglich, unterliegen aber strengeren Richtlinien, beispielsweise wenn konkrete Verdachtsmomente vorliegen. Die Kontrollen wurden von der International Testing Agency (ITA) durchgeführt. Nach Angaben des niederländischen Visma-Teams führte die ITA diese Kontrollen auf Anweisung oder mit Genehmigung der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) durch.

Lipowitz hat Verständnis für Unmut

Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz kann den Unmut bei seinen Rivalen verstehen. «Kontrolliert wird natürlich super viel bei der Tour, und ich glaube, da wird kein Team verschont. Natürlich ist es vielleicht ungünstiger morgens vor so einer harten Etappe. Gestern kamen wir super spät ins Hotel, und dann zählt natürlich jede Minute Schlaf», sagte der Vorjahresdritte. Da seien Kontrollen in der Nacht «nicht ganz vorteilhaft».

Evenepoel fordert, dass die Fahrergewerkschaft CPA eingreift. Er wolle sich so etwas nicht gefallen lassen. «Das ist ziemlich respektlos. Ehrlich gesagt: Wäre mir das passiert, würde ich mein Team heute Nacht losschicken, um die Verantwortlichen ebenfalls um 3.00 Uhr morgens zu wecken und ihnen am eigenen Leib spüren zu lassen, wie das ist - und ihnen mitten in der Nacht Blut abnehmen.»

Unverständnis bei Wiggins

Armstrong besprach die Geschehnisse in seiner Sendung mit dem früheren britischen Toursieger Bradley Wiggins und seinem einstigen Edelhelfer George Hincapie. Das Trio spekulierte, dass Vingegaard nach dem langen Transfer auf der Etappe davor vermutlich erst um 1.00 Uhr im Bett gewesen sei. «Er war gerade erst eingeschlafen, und eine Stunde später wurde er wieder geweckt. Ich meine, wir sind uns doch alle einig, dass das nicht in Ordnung ist, oder?», sagte Wiggins.

Der Traum von Vingegaard ist jedenfalls vorbei. «Natürlich ist es sehr enttäuschend für uns, dass es so ausgeht und die Tour auf diese Weise endet. Aber so ist der Radsport nun mal. Zum Glück ist es nur ein Schlüsselbeinbruch», sagte der Däne und fügte hinzu: «Es bringt nichts, den Kopf hängenzulassen. Das macht alles nur noch schlimmer.»

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