Wegen des anhaltenden Krieges spitzt sich die Lage im ukrainischen Handball dramatisch zu. Der nationale Verband (UHF) sieht sich mit immer größeren Problemen konfrontiert und fürchtet um seine Zukunft. «Nach fünf Jahren Krieg, zahlreichen Hindernissen und einer zunehmend kritischen finanziellen und logistischen Situation ist unsere Existenz bedroht», sagte der Generalsekretär des Verbandes, Alexander Gladun, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Zuletzt hatte der Verband sogar einen Rückzug aus dem internationalen Handball erwogen. Als Gründe nannte man die drastisch gestiegenen Reisekosten, schwierige Bedingungen an der Grenze und lange Wartezeiten bei internationalen Reisen. Vorerst soll der Spielbetrieb jedoch weitergehen. Die Frauen-Auswahl hält an ihrer EM-Teilnahme im Dezember fest. Auch die Männer sollen im November in der EM-Qualifikation antreten.
«Ich laufe seit fünf Jahren wie ein Bettler herum»
Von den internationalen Verbänden wünscht sich Gladun mehr Unterstützung. «Ich laufe seit fünf Jahren wie ein Bettler herum. Ich bin es leid. Wir sind mürbe. Wir sind eine Föderation mit großer Handballtradition und finden doch kein Gehör. Ohne die Unterstützung der Verbände aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Ungarn, Rumänien, der Slowakei und den baltischen Ländern gäbe es uns nicht mehr», kritisierte der Generalsekretär.
Bereits im Sommer hatte der UHF in einem Schreiben an den Weltverband IHF und dessen Präsident Hassan Moustafa schwere Vorwürfe erhoben. «In den vergangenen fünf Jahren haben wir von der IHF keinerlei tatsächliche Hilfe erhalten. Weder Sie noch ein anderer Vertreter der IHF haben die Ukraine in dieser gesamten Zeit besucht. Sie haben schlicht kein eigenes Bild und keine Ahnung, was in unserem Land tatsächlich geschieht», hieß es. Der Weltverband war für eine Stellungnahme angefragt.
Dass bei der bevorstehenden U16-WM der Frauen in Marokko auch Teams aus Russland und Belarus zugelassen sind, empfindet Gladun als ungerecht. «Das ist die Belohnung für das, was sie getan haben», schimpfte der Funktionär. Die IHF war im Sommer einem Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees gefolgt und hatte die Sanktionen gegen russische Sportler weitgehend aufgehoben.
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