Der Zoff im deutschen Eisschnelllauf geht in die nächste Runde. Wegen Verbandsführung «nach Gutsherrenart» fordert der Thüringer Eis- und Rollsportverband (Terv) erneut die Ablösung des Präsidiums unter Leitung von Matthias Große. In einem Schreiben an die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG), das der dpa vorliegt, wird die Abberufung des vierköpfigen Vorstandes auf dem außerordentlichen Verbandstag am 17. Oktober in Dresden beantragt. Einen gleichlautenden Antrag habe auch der Eissportclub Erfurt gestellt.
Zugleich soll eine neue Verbandsführung gewählt werden, für das laut Terv bereits Kandidaten bereitstehen. Rücktrittsforderungen an das DESG-Präsidium hatte es bereits im Juni gegeben. «Der Präsident und das Präsidium der DESG werden der Rücktrittsforderung nicht nachkommen», hatte Große auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur über eine Anwaltskanzlei mitgeteilt.
Begründung für den Abwahlantrag
Begründet wird der Abwahlantrag mit dem Misstrauen in das Präsidium. Unter anderem wirft der Terv dem DESG-Vorstand vor, Beschlüsse der Verbandsversammlung zu ignorieren, Sportler respektlos zu behandeln und Fragerechte der Mitglieder zu beschneiden. «Der Ton der Kommunikation ist für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Präsidium und Landesverband völlig ungeeignet», heißt es in der Begründung des Antrags.
Überdies habe das DESG-Präsidium ohne Rücksprache mit den Mitgliedern «in 2026 eine Flut von Klagen vor Gericht ausgelöst». Und weiter: «Unbeschadet der Kostenfrage ist ein solches Agieren abträglich für Ruf und Wahrnehmung des Verbandes.» Die DESG hatte im Zusammenhang mit einer Berichterstattung in der ARD während der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo rechtliche Schritte eingeleitet.
Auslöser für den seit Monaten andauernden Machtkampf ist eine geplante Strukturreform im Eisschnelllauf. Diese sieht eine Konzentration der Bundeskader auf die Standorte Inzell für Mehrkampf und Langstrecke sowie Berlin für Sprint vor. Die beiden anderen Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen nach Beschluss des DESG-Präsidiums «insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen».
Knackpunkt Athletenvereinbarung
Dies sollte mit der Unterschrift unter eine im deutschen Sport obligatorischen Athletenvereinbarung mit den nationalen Verbänden von den Sportlern besiegelt werden. Die Erfurter unterzeichneten die Vereinbarung jedoch nur unter Forderungen, die in einer Zusatzvereinbarung (Side Letter) festgehalten worden sind. Die DESG-Führung erkannte diese jedoch nicht an. Damit wurde die zunächst fristgerecht unterzeichnete Athletenvereinbarung unwirksam.
Zuletzt hatte der Zwist auf Eis gelegen, nachdem sich bei einem Spitzentreffen zwischen dem für Sport zuständigen Thüringer Landesminister mit der DESG-Spitze sowie dem Thüringer Landesverband und betroffenen Sportlern alle Seiten auf ein Moratorium geeinigt hatten. Dies sollte bis zum Abschluss der Strukturgespräche des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit dem Bundeskanzleramt gelten.
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