WM-Qualifikation Deutschland - Österreich
Sorgte für das 1:0: Stürmerin Nicole Anyomi (r).
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Wück meckert viel trotz 5:1 – Gwinns Schulter ausgekugelt

Von den grell leuchtenden Handylichtern, die Tausende Fans im Nürnberger Max-Morlock-Stadion eingeschaltet hatten, wollte sich Christian Wück nicht blenden lassen. Auch nicht vom verdienten 5:1 am Dienstagabend gegen Österreich oder der nun glanzvollen Ausbeute von neun Punkten bei 14:1 Toren nach drei WM-Quali-Spielen. «Wir sind nicht ganz an unser Leistungslimit gekommen, an unser Niveau», mäkelte der Bundestrainer der deutschen Fußballerinnen.

Dass Kapitänin Giulia Gwinn am Morgen nach dem Spiel vorzeitig abreisen musste und damit das Rückspiel gegen Österreich am Samstag (18.00 Uhr/sportschau.de) verpassen wird, dürfte Wücks Laune kaum gebessert haben.

«Genauere Untersuchungen in München ergaben, dass sich Gwinn die Schulter ausgekugelt hat, zunächst aber mit einer konservativen Therapie behandelt werden kann», teilte der FC Bayern München mit. «Im weiteren Verlauf werden Untersuchungen durchgeführt, um den Therapieerfolg zu bewerten.» Weitere Einsätze der 26-Jährigen in dieser Saison seien offen.

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DFB-Kapitänin Giulia Gwinn musste vorzeitig ausgewechselt werden.
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Wück: «Deswegen darf ich auch ein bisschen meckern»

Bei Gwinn, für die U 23-Nationalspielerin Sarah Mattner-Trembleau vom SKN St. Pölten nachnominiert wurde, hatte es etwas gedauert mit der genauen Diagnose. Für den Gesamtauftritt seiner Elf gegen das weiter punktlose Österreich gab Wück derweil prompt eine nach dem Spiel ab, die kaum klarer hätte ausfallen können. Ob offensiv, defensiv, beim Spiel mit und ohne Ball: «Heute hat es nicht so hingehauen, wie ich mir das vorstelle», kritisierte der Cheftrainer, «deswegen darf ich auch ein bisschen meckern.» 

Der 52 Jahre alte Ex-Profi hatte sogar viel zu meckern, was er auch als Zeichen des gestiegenen eigenen Anspruchs wertete. Siege allein stellen weder den Coach noch seine Auswahl zufrieden, auf die Leistung kommt es ihnen an. Und zu der bemerkte Wück trocken: «Wir können es besser.» Jule Brand, die an vier Toren entscheidend beteiligt war, stimmte ihm zu: «Da ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben.»

Vor allem in der ersten Halbzeit war das Spiel der DFB-Elf vor 24.237 Fans phasenweise so stockend wie der Nürnberger Feierabendverkehr. Die tief stehenden Österreicherinnen hatten eine Fünferkette aufgebaut, die den Deutschen nur wenig Räume ließ. «Da hatten wir dann schon die eine oder andere Schwierigkeit», gestand Wück. «Aber selbst da hätten wir mit einer besseren Positionierung mehr erreichen können als nur das 1:0.»

Bundestrainer bemängelt fehlendes Timing

Speziell das fehlende Gespür für die richtigen Läufe in den richtigen Momenten sprach der Coach an. «Was vom Timing her nicht wirklich gut funktioniert hat, war das Spiel ohne Ball. Die Spielerinnen, die nicht am Ball waren, waren zu wenig in Bewegung, vor allen Dingen in der ersten Hälfte.» Themen, die Wück vorab immer wieder angesprochen hatte. Details wie Passschärfe, Positionierung, erster Ballkontakt – Schwerpunkte von Wücks Trainingseinheiten – müssten besser werden.

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Kritisch: Bundestrainer Christian Wück nach dem 5:1 gegen Österreich.
Daniel Karmann/dpa

Vielleicht bezeichnend, dass die Führung durch Nicole Anyomi (17. Minute) aus einem Eckstoß resultierte, und eben nicht aus dem phasenweise zähen Spiel heraus. Deutlich wurde es erst, als den Österreicherinnen die Kräfte schwanden. Vivien Endemann (52.), Sarah Puntigam (68./Eigentor), Jule Brand (76.) und Lea Schüller (83.) schraubten das Ergebnis in zuvor erwartete Höhen. 

Kritik an Wamser: «Schlechte Positionierung»

Für Österreich traf Chiara D'Angelo (77.) ziemlich unbedrängt, was Wück überhaupt nicht gefiel. «Einfach ärgerlich», schimpfte er und machte die für Gwinn eingewechselte Carlotta Wamser für das das erste Gegentor in der laufenden WM-Qualifikation verantwortlich. «Es war eine schlechte Positionierung von Carlotta, sie hat den Ball falsch eingeschätzt, und dann ist jeder Gegner in der Lage, mit einem langen Ball, wenn wir kompakt stehen wollen, wenn wir aufrücken, uns eben gefährlich zu werden.»

Natürlich jammere er auf hohem Niveau, sagte Wück, «aber wir wollen ja zu den Top-Nationen gehören. Und für mich gehört zu den Top-Nationen eine Mannschaft, die auch solche Spiele, ich will jetzt nicht sagen mit weniger Kraftaufwand, aber cleverer gewinnt.» Immerhin: Schon am Samstag kann es seine Elf gegen denselben Gegner besser machen – dann allerdings ohne Anführerin Gwinn.

© dpa-infocom, dpa:260415-930-948015/4

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