Olympische Winterspiele 2026
Bei der Siegerehrung war Julia Taubitz sehr ergriffen.
Michael Kappeler/dpa
Wintersport
Taubitz rodelt doch noch zu Gold - Enttäuschte Fräbel weint

Die Erlösung über ihr olympisches Happy End leuchtete bei der Siegerehrung aus den Augen von Julia Taubitz. Mit der ersehnten Goldmedaille um den Hals fiel die Rodel-Weltmeisterin in Cortina d'Ampezzo ihren Eltern in die Arme. Vier Jahre nach dem Sturz bei den Spielen von Peking hat sich Taubitz doch noch ihren Traum vom großen Triumph erfüllt.

«Ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel geweint», sagte sie danach im ZDF. «Die letzten vier Jahre, die waren nicht immer nicht leicht. Das war irgendwie der geilste Tanz in meinem bisherigen Leben.»

Kindheitstraum doch noch in Erfüllung gegangen

Fast ein wenig ungläubig schloss die 29-Jährige die Augen, bevor sie auf das oberste Podest gebeten wurde, und schien ein paar Tränen zurückhalten zu müssen. Ergriffen sang Taubitz dann die deutsche Hymne mit und genoss den größten Moment ihrer schon so erfolgreichen Karriere.

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Julia Taubitz sicherte sich erstmals Olympia-Gold.
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«Das war mein Kindheitstraum von klein auf, der ist jetzt in Erfüllung gegangen. Vor ein paar Jahren habe ich da nicht mehr dran geglaubt. Und jetzt diese Goldmedaille um den Hals hängen zu haben, das ist einfach unbeschreiblich», sagte Taubitz und wollte ihren Triumph danach mit einem italienischen Mischgetränk im Deutschen Haus feiern. Aber nur eingeschränkt: «Ich weiß ja, dass in zwei Tagen Team-Staffel ist, deswegen ist heute nur Halbgas und Donnerstagabend ist dann Vollgas», kündigte Taubitz an.

Langenhan: «So was von verdient»

Nach Gold für Max Langenhan im Männer-Einsitzer war es der zweite deutsche Rodel-Triumph der Spiele in Italien. «Am Ende so was von mehr als verdient nach dem, was in China passiert ist», sagte Langenhan. Silber ging mit fast einer Sekunde Rückstand an die Lettin Elina Bota, Bronze sicherte sich die US-Pilotin Ashley Farquharson.

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Rodel-Silber hinter Taubitz ging an Elina Bota aus Lettland (l), Bronze an Ashley Farquharson aus den USA.
Michael Kappeler/dpa

Im Ziel hatte Taubitz einen Jubelschrei ausgestoßen, die Hände vors Gesicht geschlagen und blieb für einen Moment auf ihrem Schlitten liegen. Dann herzten sie die deutschen Teamkolleginnen. Merle Fräbel, nach dem ersten Tag nur knapp hinter Taubitz, vergab mit schweren Fehlern im dritten Lauf alle Medaillenchancen und wurde letztlich Achte. Anna Berreiter aus Berchtesgaden, die vor vier Jahren in Peking als Debütantin olympisches Silber geholt hatte, kam diesmal auf Rang sechs.

Fräbel nach Fehler am Start schwer geknickt

Taubitz war trotz des großen Vorsprungs noch ein wenig nervös vor dem letzten Lauf - auch weil sie Fräbels schlimmen Patzer am Start vor Augen hatte. «Man sieht, wie schnell es gehen kann, ein kleiner Fehler, und man ist weg vom Licht.» Die schwer enttäuschte Fräbel schilderte ihr Missgeschick bei Eurosport: «Der erste Lauf war heute natürlich ärgerlich. Ich weiß gar nicht, wie das passiert ist. Ich dachte, ich hole mir jetzt einfach so eine Erlösung, aber es hat leider nicht funktioniert.»

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Merle Fräbel war nach der verpassten Medaille tief enttäuscht.
Robert Michael/dpa

Bundestrainer Patric Leitner tat es sehr leid für die 22-Jährige. «Es ist natürlich ganz bitter, gerade für die Merle. Ich glaube, das hätte ein Kopf-an-Rennen gegeben. Die Julia hat vor Jahren fast eine ähnliche Situation gehabt. Sie hat nie aufgegeben und ist jetzt Olympiasiegerin», sagte Leitner.

Fräbel patzte auf der Startrampe und stand nach einer Bandenberührung komplett quer. Dabei hatte sie 24 Stunden vorher auf denselben Fehler der Kontrahentinnen Summer Britcher aus den USA und Kendija Aparjode aus Lettland angesprochen über die Startrampe noch gesagt: «Also nicht schwierig, aber mir ist es im Training auch schon passiert. Deswegen möchte ich da jetzt nicht drüber herziehen.» Im vierten Lauf zeigte Fräbel dann wieder, was möglich gewesen wäre, und winkte tapfer den Fans zu.

Deutsche Serie bei den Frauen hält seit 1998

Für Taubitz ist mit Olympia-Gold für die Rodlerin vom WSC Oberwiesenthal die Sammlung an Titeln nach acht WM-Triumphen, EM-Gold und fünf Weltcup-Gesamtsiegen komplett. 

Sie setzte die deutsche Gold-Serie bei Winterspielen fort, die nach der deutschen Einheit mit dem Olympiasieg von Silke Kraushaar-Pielach 1998 begann. Nach den zwei Siegen von Sylke Otto 2002 und 2006 holte sich Tatjana Hüfner 2010 Gold. Dann folgte der olympische Hattrick von Natalie Geisenberger, die mit der Bronzemedaille von 2010 und den drei Team-Goldmedaillen die erfolgreichste Rodlerin der Olympia-Historie ist.

Taubitz holte sich auch mentale Hilfe nach den Peking-Spielen. «Ich habe lange gebraucht, um diesen Rückschlag zu verarbeiten. Rückblickend bin ich dankbar für diese Erfahrung», sagte Taubitz, deren Song beim Weltcup immer der Hit «Die immer lacht» von Kerstin Ott ist.

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Julia Taubitz siegte nach vier Läufen in Cortina klar.
Michael Kappeler/dpa

Diesmal strahlte Taubitz wie auch ihre Mama Simone und die gut 80 mitgereisten Fans. «Die sind mit dem Reisebus gekommen. Das freut mich übelst. Das ist eine absolute Ehre, ich bin absolut dankbar», sagte Taubitz. Auch Sprint-Ass Gina Lückenkemper - 2024 Olympia-Dritte mit der deutschen Staffel in Paris - war im Zielbereich dabei, ebenso Model Lena Gercke, beide umarmten die überglückliche Taubitz.

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