Pforzheim. Die junge Tennis-Generation bläst zum Angriff auf die Etablierten. Dies gilt für die beiden Tennisturniere des TC Wolfsberg Pforzheim um die 28. Internationale Badische Meisterschaft bei den Damen und um den 36. Goldstadtpokal bei den Herren.
Die erst 16-jährige Sina Herrmann aus Hagsfeld sicherte sich gegen ihre Mannschaftskameradin Ellen Linsenbolz (29) vom SSC Karlsruhe den G. Rau-Adwedes-Cup. Und das ungesetzte 18-jährige Wieslocher Temperamentsbündel Tim Heger wurde bei seinem Kampf um den Cup der Firma Stepper erst im Finale vom 24-jährigen Solinger Nico Mertens gestoppt. Für Herrmann und Mertens sind das die größten Erfolge ihrer Karrieren.
Sarah Lee gibt im Halbfinale auf
Erfreulich aus Pforzheimer Sicht war neben den spannenden und fairen Duellen die Tatsache, dass am Schlusstag mit der Neu-Pforzheimerin Sarah Lee noch ein Mitglied des TC Wolfsberg mitmischte. Im Halbfinale musste aber die 25-jährige Sympathieträgerin beim Stand von 2:6 und 0:3 den Anstrengungen der vergangenen Tage Tribut zollen und gegen die spätere Turniersiegerin Sina Herrmann aufgeben.
„Bis vor eineinhalb Wochen spielte ich noch in Südkorea auf einem Hartplatz“, entschuldigte die aktuelle Nummer eins der Wolfsberg-Damen in der Bezirksliga ihr Aus. „Ich war ein bisschen müde und zwei Spiele pro Tag sind anstrengend.“ Mit ihrem Timing und ihren Schlägen ist die vom TC Wiefelstede in Niedersachsen gekommene US-Amerikanerin noch nicht zufrieden. Aber: „Mit jedem Spiel wird es besser.“ Sarah Lee, die im Vorjahr ihren Master an der Universität im britischen Durham gemacht hat, ist von ihrem neuen Tennisverein begeistert: „Das ist ein großes Erlebnis mit all den Leuten hier in Pforzheim zusammen zu sein. Jeder kennt jeden.“ Und sie verspricht: „Ich will Deutsch lernen und beim Turnier im nächsten Jahr es auch sprechen.“
Wie es so der Zufall will: Sina Herrmann hatte auch im Finale leichtes Spiel und profitierte einmal mehr von der Aufgabe einer Gegnerin. Die Nummer drei des Regionalliga-Teams des SSC Karlsruhe konnte schon nach 35 Minuten ihre Tennissachen wieder einpacken, weil Ellen Linsenbolz, die Nummer zwei der Karlsruher, beim Stand von 1:6, 0:1 wegen Knieproblemen passen musste. „Ich hatte mir vorgenommen, mutig zu spielen“, verriet Sina Herrmann ihr Rezept. Das tat sie dann auch. Die Chance, dass sie 2019 ihren Titel verteidigt, ist hoch. Denn: „Seit ich zwölf Jahre alt bin, nehme ich an diesem Turnier hier teil.“
Solinger mit scharfer Klinge
Das gilt für den männlichen Turnier-Triumphator Nico Mertens nicht. Der 24-jährige Solinger kreuzte erstmals in Pforzheim auf und schlug gegen den Himmelsstürmer Tim Heger mit 6:1, 6:0 eine scharfe Klinge. Allerdings wurde das Talent unter Wert geschlagen, wie Regionalliga-Akteur Mertens zugab: „Einige Spiele waren sehr eng und ich hatte ab und zu Glück.“ Dennoch war Tim Heger nach den 70 Final-Minuten zufrieden: „Das war insgesamt ein gutes Turnier.“ Im Vorjahr, bei seinem ersten Auftritt auf dem Wolfsberg, war der damals 17-jährige Oberliga-Spieler Heger noch in der ersten Runde gescheitert.
„Das ist eine echte Überraschung, dass Heger das Finale erreicht hat“, zeigte sich Turnierdirektor Thomas Hell begeistert, der von einem ausgeglichenen Feld sprach. Sein Bruder, TCW-Präsident Reiner Hell, zollte allen Teilnehmern hohen Respekt: „Zum Teil zwei Spiele pro Tag sind eine große Tortur.“



