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Flugkünstler: Roger Essig im Training. Der langjährige Keeper des 1. FC Pforzheim war vor allem wegen seiner Reaktionsschnelligkeit auf der Linie bei den gegnerischen Stürmern gefürchtet. Im Hintergrund Torhüterkollege Sascha Rentel.
Flugkünstler: Roger Essig im Training. Der langjährige Keeper des 1. FC Pforzheim war vor allem wegen seiner Reaktionsschnelligkeit auf der Linie bei den gegnerischen Stürmern gefürchtet. Im Hintergrund Torhüterkollege Sascha Rentel.
Große Kulissen wir hier 1991 beim Aufstiegsspiel zur 2. Bundesliga gegen den TSV 1860 München im Brötzinger Tal gehören zur erfolgreichen Karriere von Roger Essig.  PZ-Archiv
Große Kulissen wir hier 1991 beim Aufstiegsspiel zur 2. Bundesliga gegen den TSV 1860 München im Brötzinger Tal gehören zur erfolgreichen Karriere von Roger Essig. PZ-Archiv
Eine seiner letzten Stationen hatte Roger Essig als Co-Trainer bei den Spfr. Feldrennach.
Eine seiner letzten Stationen hatte Roger Essig als Co-Trainer bei den Spfr. Feldrennach.
10.07.2017

Abschied vom einem großen Torhüter - Roger Essig überraschend gestorben

Mit Bestürzung wurde am Montag im Fußballkreis Pforzheim die Nachricht aufgenommen, dass Roger Essig tot ist. Der langjährige Torhüter des 1. FC Pforzheim wurde am Sonntag im Alter von nur 57 Jahren überraschend aus dem Leben gerissen. Viele seiner ehemaligen Gefährten sind fassungslos und berichten von gemeinsamen Unternehmungen, die erst in den vergangenen Wochen stattfanden.

Mit seinen ehemaligen FCP-Mitstreitern war Essig vor wenigen Wochen noch im Grösseltal und auf dem Baumwipfelpad in Bad Wildbad, mit Trainer Jens Wolfinger, als dessen Co-Trainer er bis zuletzt beim TSV Grunbach aktiv war, hatte er vor wenigen Tagen noch ein Konzert von Andreas Gaballier in München besucht.

Auch die „Pforzheimer Zeitung“ hatte erst vor drei Wochen bei Roger Essig angerufen. Der Grund: Vor 32 Jahren hatte der Torhüter beim Bundesligisten VfL Bochum ein Probetraining absolviert. Jener VfL Bochum, der im August in der 1. Runde des DFB-Pokals Gegner des FC Nöttingen sein wird. Essig hatte ebenfalls schon einmal im DFB-Pokal gegen den VfL Bochum gespielt. Und gewonnen. 1:0 setzten sich die Pforzheimer 1989 gegen den Club aus dem Ruhrgebiet durch. Vorne erzielte Jürgen Pfirrmann nach Vorarbeit von Wolfgang Fisel das Tor des Tages. Hinten hielt Roger Essig seinen Kasten sauber.

Bester Keeper der Region

Es war die Zeit, in der Essig für Jahre der beste Torhüter in der Region war. 1985 stieg er mit dem FCP in die Oberliga auf – das war damals immerhin die dritthöchste Spielklasse in Deutschland. Und die Pforzheimer sorgten für Furore – auch dank ihres Schlussmanns, der gleich in der Auftaktsaison einmal eine fantastische Serie von nur einem Gegentor in fast 900 Spielminuten hatte – und das war auch noch ein Elfmeter. „Als Spieler warst du immer froh, wenn er im Tor stand. Auf ihn konnten wir uns verlassen“, sagt Essigs damaliger Mitspieler Horst Reiser über den großen Rückhalt im FCP-Tor. Und Achim Roos lobt in höchsten Tönen. „Der beste Torhüter, mit dem ich zusammengespielt habe. Mit Abstand.“

Viele Spiele vor großer Kulisse hat der 1. FC Pforzheim in der Ära Essig bestritten. Da waren die großen Auftritte im DFB-Pokal gegen Mannschaften wie Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und VfL Bochum ebenso dabei wie die Aufstiegsspiele zur zweiten Liga, die der Club 1991 gegen Vereine wie 1860 München, Hessen Kassel und Borussia Neunkirchen bestritt. Die Pforzheimer schlugen sich wacker, scheiterten aber knapp.

Zehn Jahre trug Roger Essig das Trikot des FCP – es waren die besten Jahre des Clubs in der jüngeren Vereinsgeschichte. Dem Fußball blieb der Torsteher über seine aktive Karriere hinaus verbunden. Mit seinem alten Kollegen Ackermann ging er zum Beispiel als Torwarttrainer nach Spielberg. Auch Ackermann ist bestürzt über den plötzlichen Tod es alten Freundes: „Vor ein paar Wochen sind wir zusammen gewandert. Vor zwei Wochen haben wir uns noch im Freibad getroffen. Und jetzt das. Ich bin völlig fertig.“

„Ein Vorbild in allem“

So geht es auch Jens Wolfinger. Dessen Co-Trainer war Essig schon bei den Spfr. Feldrennach, im Sommer 2016 wechselte man gemeinsam nach Grunbach. „Es ist schlimm, dass er so aus dem Leben gerissen wurde“, sagt Wolfinger und denkt voller Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit zurück: „Er war ein Super-Typ, ein Vorbild in allem. Er hat immer 100 Prozent gegeben.“

Der gelernte Werkzeugmacher war ein bodenständiger Mensch, blieb in der Region. Wohnte mit Ehefrau Marina und Sohn Kevin in Eisingen, arbeitete bei der Firma Inovan. Fußball war für Roger Essig ein wichtiger Teil des Lebens. „Aber ich habe immer gesagt, dass Fußball für mich nur ein Hobby ist“, hatte der Torhüter vor Kurzem im Gespräch mit der PZ noch einmal bekräftigt. Dennoch hat er in der Region seine sportlichen Spuren hinterlassen.