Karlsruhe. Sein erster Treffer für den Karlsruher SC gelang Marco Thiede am 8. November 2020. Davor hatte „Thiedex“ mehr als drei Jahre warten müssen. Treffer Nummer zwei für die Badener erzielte der 28-Jährige schon rund zwei Monate danach beim 3:2 am Sonntag in Kiel.
PZ: Herr Thiede, wenn das so weitergeht, werden Sie noch zum KSC-Torjäger. Laufen Sie Torjäger Hofmann den Rang ab?
Marco Thiede: (lacht) Nein, nein. Der Philipp Hofmann weiß, was er da vorn drin macht, bei mir funktioniert das normalerweise nicht so gut. Aber ich freue mich natürlich über dieses Tor, dass ich nachlegen und vor allem der Mannschaft helfen konnte.
PZ: Woran liegt diese neu gewonnene Torgefahr?
Marco Thiede: Ich habe im Training intensiv am Torabschluss gearbeitet, dann habe ich Selbstvertrauen. Vor der Partie in Kiel war ich nicht ein einziges Mal bei einer Ecke vorne. Dann hat Zlatan Bajramovic im Training vor dem Kiel-Spiel gesagt: „Wir wollen etwas Neues probieren.“ Das haben wir gemacht und das war dann der Wahnsinn. Wir üben das und dann kommt im Spiel die Kugel zu Philipp, der verlängert perfekt und mir gelingt das Tor. Ich bin gleich zu Zlatan gelaufen und habe mich bedankt.
PZ: Der KSC ist nach drei Siegen Tabellensechster. Schauen Sie in Richtung der Aufstiegsränge?
Marco Thiede: Nein, ich bin niemand, der ständig auf die Tabelle schaut. In dieser Liga geht es rasend schnell in eine andere Richtung. Es fehlen uns noch 15 Punkte zur magischen 40-Punkte-Marke und den Klassenerhalt. Die wollen wir möglichst schnell erreichen.
PZ: Heißt das: Sie denken überhaupt nicht an den Aufstieg?
Marco Thiede: Tatsächlich nicht. Ich genieße die momentane Situation, dass wir eine gute Mannschaft sind, dass wir schwer zu schlagen sind.
PZ: Sie sagen: Gute Mannschaft. Bei allem Lob: Die Anzahl der Gegentore ist mit 25 zu hoch, oder?
Marco Thiede: Das sind definitiv zu viel. Das wissen wir. So schön mein Tor in Kiel war, bin ich dennoch nicht zufrieden mit meiner Leistung, denn ich hätte die Flanke vor dem 1:2 verhindern müssen. Ich hing auch beim zweiten Gegentreffer mit drin. Die zweite Halbzeit hat sich für mich nicht gut angefühlt.
PZ: Jetzt geht es daheim gegen die Heidenheimer, die hinter dem KSC platziert sind. Ist der KSC daher Favorit?
Marco Thiede: Das sind nette Verbalspielchen. Das kann man nicht sagen. Heidenheim hat sich nach mäßigem Start absolut gefangen, ist auf dem Weg nach vorne. Dieser Verein macht seit Jahren einen Riesenjob, erinnert mich irgendwie an den SC Freiburg.
PZ: Sie sind laufstärkster KSC-Spieler. Training oder Veranlagung?
Marco Thiede: Das ist ein Mix aus allem. Ich bin fleißig, aber in Sachen Ausdauer gut veranlagt, bei den Sprints hänge ich etwas hinterher.
PZ: Alle rufen Sie nur „Thiedex“. Warum?
Marco Thiede: Das kam in Sandhausen auf. Da wurden in der Kabine viele Spielernamen vom Kollegen Simon Tüting mit einem „ex“ ergänzt. Bei mir blieb das hängen. Und es stört mich auch nicht.
PZ: Haben sich Ihre Ziele aufgrund Ihrer starken Leistungen und der Tore verändert?
Marco Thiede: Auf keinen Fall. Ich will gut spielen und die Klasse halten. Jeder weiß, wie eklig es vergangene Saison war. Ich bin froh, dass wir so gut in den Punkten sind und nicht mehr, wie es Trainer Christian Eichner sagte, jedes Spiel mit dem Messer an der Kehle angehen müssen. Wenn wir mal die 40 Punkte haben, dann geht es weiter, dann stellen wir nicht das Spielen ein. Lukas Fröde und auch David Pisot kennen aber aus Würzburg und Duisburg solch eine Situation. Da hatte man ähnlich viele Punkte zu diesem Zeitpunkt in der Saison und ist dennoch abgestiegen. Also: Die momentane Situation genießen, die Euphorie genießen, das Selbstbewusstsein darf steigen – aber immer demütig bleiben.
„Er ist ein Paradebeispiel dafür, dass sich ein Profi auch noch mit 28 Jahren entwickeln kann. Thiedex hat sich beim Spiel mit dem Ball, der Torgefahr oder auch beim Schlagen von Flanken enorm verbessert. Er ist enorm lernwillig und kritikfähig, es ist schön, mit so einem Spieler zusammenarbeiten zu dürfen.“
KSC-Trainer Christian Eichner über Abwehrspieler Marco Thiede
Zur Person
Der 28-jährige Marco Thiede stammt aus Augsburg, wo er beim FCA 2011 sein Profi-Debüt feierte. Ursprünglich spielte er im offensiven Mittelfeld, wurde erst später zum Rechtsverteidiger umgeschult. Nach Nordbaden kam er 2013, als ihn Zweitligist SV Sandhausen verpflichtete. Seit 2017 ist er beim KSC und bestritt mehr als 90 Spiele.

