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Der KSC verlor gegen Paderborn mit 2:4. 

An Halloween kassiert der KSC daheim ein 2:4 gegen Paderborn

Karlsruhe. Normalerweise muss man an Halloween bis zum Einbruch der Dunkelheit warten, ehe man sich gruseln darf. Nicht so die Fans des Karlsruher SC am Sonntag. Die hatten ihr großes Gruselerlebnis schon bei hellem Tageslicht. Das Heimspiel in der 2. Liga gegen den SC Paderborn war vor der Pause unterirdisch, ein Desaster mit vier Gegentoren von der 20. Bis zur 32. Spielminute. Dabei gab SCP-Torjäger Sven Michel mit einem lupenreinen Hattrick innerhalb von neun Minuten den Sensenmann für alle KSC-Hoffnungen.

Doch an Halloween gibt es nicht nur Saures, sondern auch Süßes. Die totgesagten Karlsruher erwachte nach der Pause noch einmal zum Leben, versöhnten mit einer guten Leistung sowie Toren von Fabian Schleusener (67.) und Philipp Hofmann (68.) zum 2:4-Endstand ihre Fans wieder halbwegs. Nach dem gellenden Pfeifkonzert zur Halbzeit gab es zum Schlusspfiff aufmunternden Applaus von den Rängen.

Hinterher ist man immer schlauer. Da weiß auch Christian Eichner. Der KSC-Trainer hatte auf die Startelf gesetzt, der Mittwoch voriger Woche mit dem 2:1-Erfolg bei Bayer Leverkusen ein Pokalcoup geglückt war. „Ich habe gehofft, wir nehmen den Schwung, die Euphorie mit“, so Eichner.

Klappte aber nicht. Nach mäßigen ersten 20 Minuten schlugen die Gäste dank der „Qualität eines einzelnen Spielers“ (SCP-Trainer Lukas Kwasniok) eiskalt zu. Julian Justvan versetzte an der Strafraumgrenze Lucas Cueto und traf per Volleyschuss (20.). Es folgte der Hattrick von Qualitätsspieler Michel, der jede einzelne Schwachstelle in der KSC-Abwehr – von denen gab es vor der Pause viele – entlarvte. Das 0:2 fiel nach einer Ecke, beim 0:3 und 0:4 wurde der KSC klassisch ausgekontert. Paderborn ist mit 16 Punkten aus sechs Auswärtsspielen für sein Umschaltspiel gefürchtet.

Kapitän Gondorf zur Pause raus

Der KSC schien rettungslos verloren. Irgendwann stand Eichner nur noch kopfschüttelnd am Spielfeldrand. Auf dem Platz sorgte Jerome Gondorf kurz vor der Pause für Aufsehen. Nach einem Zuspiel von Marco Thiede, das er nicht optimal fand, faltete der KSC-Kapitän seinen Mitspieler erst öffentlichkeitswirksam auf dem Platz zusammen. Dann ließ er umgehend ein unschönes Frustfoul folgen und kassierte dafür die Gelbe Karte. Es war seine letzte Aktion. Eichner nahm den Kapitän in der Pause vom Feld.

Gondorf gilt ja als sogenannter „aggressiv Leader“, also aggressiver Anführer seines Teams. Der Trainer weiß, was er an ihm hat. Und er hütete sich, seinen Kapitän öffentlich an den Pranger zu stellen. Gondorf habe wohl für sich einen Reiz setzen wollen, so der Coach. Zudem wollte er einen zweiten Stürmer bringen und keinen Platzverweis riskieren. Später in der Pressekonferenz bewertete Eichner die Szene aber indirekt noch einmal. „Es war einer der schwersten Momente in unserem bisherigen Zusammenleben“, sagte er zum 0:4-Pausenrückstand und appellierte: „Da gilt es, füreinander da sein.“ Und nicht, sich gegenseitig noch an die Gurgel zu gehen.

Füreinander da sein – wie das funktioniert, zeigte der KSC nach der Pause. Die Mannschaft kämpfte, rackerte, suchte charakterstark ihre Chance. So verrückt es klingt: Ein 4:4 war möglich. Neben den Toren von Schleusener und Hofmann gab es noch einen Pfostentreffer von Kyoung-Rok Choi (60.) und einen Fast-Elfmeter, als Marvin Wanitzek nach einem Zweikampf mit Jamilu Collins im Strafraum zu Boden ging (81.). Schiedsrichter Timo Gerach entschied zunächst auf Strafstoß, änderte aber nach Eingreifen des VAR seine Meinung. Das war Glück für Paderborn. Man musste den Elfmeter vielleicht nicht pfeifen, eine klare Fehlentscheidung war es aber auch nicht.

So durfte SCP-Trainer Kwasniok nach dem Abpfiff tief durchatmen: „Nach dem 2:4 ging es nur noch ums Überleben. Das haben wir glücklicherweise geschafft.“