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Auf seinem Mountainbike ist der Oberlengenhardter Simon Schneller einer der erfolgreichsten Nachwuchsradsportler Deutschlands.  Foto: Küstenbrück/EGo Promotion 
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Simon Schneller 

Auf zwei Rädern bis ans Limit: Oberlengenhardter Mountainbiker ist deutscher Meister der U23

Schömberg-Oberlengenhardt. Mit sechs Jahren begann alles. Da kam Simon Schneller über seinen Heimatverein, den TV Oberlengenhardt, zum Mountainbike. Seither lässt ihn der Radsport nicht mehr los. Und auch der Erfolg hat sich längst eingestellt. Dass der 22-Jährige in diesem Jahr Deutscher Meister der U23 wurde, ist nur das letzte Glied in einer langen Kette von Erfolgen.

Die Eltern Birgit und Holger unterstützten und begleiteten den heute 22-Jährigen auf seinem sportlichen Weg, die Trainer Jörg Fader und Harald Braun gaben ihm das technische Rüstzeug mit. Und der ganze Verein ist stolz auf sein Aushängeschild. Dank seiner Erfolge hat der Schömberger vor kurzem einen Vollprofi-Vertrag beim Rennstall Bulls bekommen. So kann er sich neben seinem Bauingenieur-Studium in Karlsruhe voll auf die Karriere als Mountainbiker konzentrieren.

Ein Titel und gute Platzierungen

Die Saison 2019 verlief für Schneller sehr erfolgreich, gekrönt durch den Gewinn der deutschen Meisterschaft in der olympischen Disziplin „Cross Country“ (Altersklasse U23) im Juni. Bei den Marathon-Europameisterschaften in Norwegen startete er Anfang Juli bei den Herren über 90 Kilometer und belegte in einem sehr starken Feld mit 70 Teilnehmern einen beachtlichen 13. Platz. Anfang September verpasste er bei den deutschen Marathonmeisterschaften in der Vulkaneifel mit Rang fünf in der Herrenklasse nur knapp einen Podestplatz.

Auch mit Platz 37 bei den Marathonweltmeisterschaften im Schweizer Wallis zwei Wochen danach zeigt sich der 1,92 Meter große Oberlengenhardter zufrieden, hatte er es doch mit einem hochkarätigen Starterfeld von 180 Teilnehmern aus 35 Nationen zu tun. „Krämpfe in den Beinen warfen mich leider etwas zurück, sonst wäre ich durchaus zehn Plätze weiter vorne gewesen“, kommentiert er seine ersten WM-Erfahrungen auf der 95 Kilometer langen Strecke mit 3800 Metern Höhenunterschied. Wichtig für seine weitere Entwicklung sei das Rennen auf jeden Fall gewesen.

Mit sieben Jahren absolvierte Schneller sein erstes Rennen beim LBS-Cup in Oberlengenhardt. Ab der Klasse U13 nahm er vier Mal am Ländervergleichskampf „Trophée de France des Jeunes Vététistes“ in Frankreich mit der Nationalmannschaft teil. In der Altersklasse U 15 schaffte der Mountainbiker über die Bundesnachwuchssichtung den Sprung auf die nationale Ebene, wo er bis zur Altersklasse U 17 fünf bis sechs Rennen pro Jahr absolvierte. 2011 und 2017 fuhr er jeweils zum Gesamtsieg der Bundesliga in seiner Altersklasse.

Den Bundeskader musste Simon Schneller wegen seiner vergleichsweise langsamen körperlichen Entwicklung nach einem Jahr wieder verlassen. Im Landeskader war er dann noch bis zum Alter von 21 Jahren, danach gibt es auf Landesebene keine Förderung mehr. Dennoch belegte er 2013 Platz fünf und zwei Jahre später Platz zehn bei der Europameisterschaft „Cross Country“ seiner Altersklasse.

„Ab der Altersklasse U 19 durfte ich bei etlichen Europa- und Weltmeisterschaften sowie beim Weltcup antreten, zusammen mit der U 23 und den Herren“, berichtet Schneller. Auf 40 bis 50 Renntage im Jahr kommt der Oberlengenhardter, der beim Bulls Racing Team 2018 als Nachwuchsfahrer einstieg, im Jahr.

Der Profirennstall bietet ihm nun die Chance, sich während der Trainingslager im Winter auf Mallorca und Gran Canaria mit erfolgreichen und erfahrenen Profis austauschen. „Letztlich verfolgt aber jeder mit seinen Stärken und Vorlieben unterschiedliche Ziele und schlägt dazu auch einen individuellen Weg ein. Das Jahr über trainiere ich viel vor der Haustür oder auch mal mit Teamkollegen für zwei bis drei Tage an einem anderen Ort.“ Fünf bis sechs Trainingstage pro Woche mit jeweils bis zu sieben Stunden im Sattel kommen da schnell zusammen.

Ausdauer, Kraft, Wille

Und was braucht man, um ein erfolgreicher Mountainbike-Profi zu werden? „Ausdauer und Kraft bei den Anstiegen, eine gute Koordination und Reaktionsfähigkeit bei den Abstiegen sowie ausreichend Sprintfähigkeit bei den Positionskämpfen, aber auch die Bereitschaft, bis ans körperliche Limit zu gehen, sind wichtige Eigenschaften für Geländefahrer in dieser Liga“, so Schneller. Sein Ziel: „Wenn ich international erfolgreich bleibe, kann ich mir durchaus noch zehn Jahre als Profisportler vorstellen“, sagt der 22-Jährige.