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Drei Punkte holte Ispringens Igor Besleaga (in Rot) gegen Adam Juretzko. Doch das war zu wenig, um Weingartens Sieg zu verhindern. Foto: Ripberger
Drei Punkte holte Ispringens Igor Besleaga (in Rot) gegen Adam Juretzko. Doch das war zu wenig, um Weingartens Sieg zu verhindern. Foto: Ripberger
16.09.2018

Aufholjagd nicht belohnt: KSV Ispringen verliert 9:10

Ispringen. Spannender hätte der Auftaktkampf zur zweiten DRL-Saison nicht enden können. Rund 400 Zuschauer in der Ispringer Festsporthalle erlebten gegen Germania Weingarten am Samstagabend eine Aufholjagd des heimischen KSV-Teams, das angesichts des Endstands von 9:10 aber nicht belohnt wurde.

Der moldawische KSV-Ringer Igor Besleaga war im letzten Kampf des Abends drauf und dran, trotz eines 3:10-Zwischenstands gegen Weingarten noch für ein Unentschieden zu sorgen. Nur zwei Wertungspunkte fehlten dem mit unbändiger Kraft ringenden Besleaga zu einem Sieg wegen technischer Überlegenheit (TÜ), das heißt zu einem Sieg mit 15 Wertungspunkten Vorsprung. Ein TÜ-Sieg hätte vier Mannschaftspunkte, also eine Punkteteilung im Team-Duell, bedeutet.

Daraus wurde nichts, denn Besleaga hatte es in der 77-Kilo-Klasse im griechisch-römischen Stil mit einem Phänomen zu tun, mit Adam Juretzko. Der mehrfache deutsche Meister – ein Urgestein des deutschen Ringens – stemmte sich mit seinen nunmehr 46 Jahren mit aller Kraft gegen den erst 27 Jahre alten Ispringer Modellathleten Besleaga und schaffte es, nicht einzuknicken. So rettete Weingarten, das aufgrund der nur 13 Wertungspunkte von Besleaga lediglich drei Mannschaftspunkte abgeben musste, den Sieg. „Ich kenne das schon“, meinte der ehemalige Weltklasseringer und Trainer des KSV Ispringen, Alexander Leipold, anerkennend über Juretzko. „Er lebt für’s Ringen. Aber Hut ab vor Igor Besleaga; Adam Juretzko ringt einfach erstklassig.“

Ähnlich positiv äußerte sich Leipold über all seine Ringer – unter ihnen die vier Neuzugänge Garik Barseghyan (Armenien) und Vladimir Khinchegashvili (Georgien), Zelimkhan Minkailov und Ruslan Assakalov (beide Russland): „Alle Kämpfer haben ihre Sache gut gemacht“, erläuterte Leipold, „unter Berücksichtigung ihrer individuellen Stärke können wir durchweg zufrieden sein“.

Leipold zollte auch dem unterlegenen Etienne Wyrich aus Ersingen höchsten Respekt. Nachdem der erste Kampf des Abends zwischen Garik Barseghyan und Reineri Andreu (60 kg Freistil) mit 0:2 etwas überraschend an Weingarten ging, hatte es Wyrich (130 kg Griechisch-Römisch) mit dem WM-Dritten Oscar Pino aus Kuba zu tun. Der nur 98 kg schwere Wyrich hatte gegen die wesentlich größere 125-kg-Maschine Pino nicht den Hauch einer Chance und unterlag schon nach 3:17 Minuten wegen technischer Überlegenheit des Gegners. So stand es schon 6:0 für die Germania. „Etienne hat zwar verloren“, meinte Leipold, „doch er hat sich gegen den viel viel schwereren Weltklassemann gestellt. Respekt!“

Nachdem der Ispringer Routinier Roman Amoyan dank seines Sieges gegen Maxim Mamulat (63 kg G-R) auf 1:6 verkürzte und der Weingartener Geogi Rubaev gegen den russischen Militärmeister Yuri Belonovski nach Videobeweis knapp gewann (1:0, 97 kg Freistil), erlebten die Zuschauer den hochwertigsten Kampf: Der vergangene Saison ungeschlagene und dabei fast immer mit vier Punkten siegreiche WM-Dritte Alexandro Valdes aus Kuba verlor gegen den Ispringer Topzugang Vladimir Khinchegashvili, Olympiasieger von 2016, knapp mit 0:1. Das war Ringen vom Allereinsten. Die Festhalle tobte bei diesem Freistilkampf in der Klasse bis 67 Kilogramm. Valdes war am Ende am Boden zerstört.

KSV dreht nach der Pause auf

Den trotz dieses Sieges deutlichen 2:7-Pausenrückstand versuchten die Ispringer mit aller Macht zu drehen, doch trotz vier Siegen durch Neven Zugaj (1:0, 87 kg G-R), Minkailov (1:0, 87 kg Freistil), Israil Kasumov (2:0, 77 kg Freistil) und Besleaga (3:0, 77 kg G-R) reichte es nicht. Die deutliche Niederlage von Ruslan Assakalov (0:3, 72 kg G-R), der in der vergangenen Saison noch für die zweite Mannschaft kämpfte, war für Titelverteidiger Ispringen eine zu große Hypothek. Assakalov hatte eine starke erste Minute, ließ dann aber stark nach.

Unabhängig vom Kampfausgang und von neuen Störfeuern des Weltverbandes sowie nationaler Verbände , welche ein Vorankommen der DRL erschweren (siehe Kasten), bietet die neue Liga teils bereits wieder Ringen auf Weltklasseniveau. „Wir sind keine Spaßliga. Wir sind die Champions-League des Ringsports“, sagte Mohammed Khalil als Moderator des Ispringer Kampfs.