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Karlsruher SC

22.04.2019

Badische Nordmänner: KSC weiht provisorische Nordtribüne im Wildpark mit 3:1-Erfolg ein

Karlsruhe. Grob und direkt, kampfstark und abgehärtet: Das sind die Eigenschaften, die in der Erfolgsserie „Game of Thrones“, deren finale Staffel derzeit auf Sky zu sehen ist, den Nordmännern zugeschrieben werden.

Zu Nordmännern und -frauen wurden am Samstag im Wildparkstadion auch 5000 Anhänger des Karlsruher SC. Denn die hartgesottenen Fans, die sonst mehrheitlich auf der Gegengerade im Osten Zuhause sind, hatten beim 3:1 (1:1)-Erfolg gegen den SV Meppen erstmals die provisorische Nordtribüne bevölkert, von wo aus sie während des Umbaus der Spielstätte des badischen Fußball-Drittligisten für Stimmung sorgen. In ihrer neuen Heimat trotzten sie freilich nicht der Kälte und feindlichen Armeen, wie es die Bewohner des Nordens in „Game of Thrones“ tun. Sondern der Hitze – und einem frühen 0:1.

Denn mit den sommerlichen Temperaturen kamen im Wildpark zunächst die Gäste des SV Meppen besser zurecht. Die Hausherren verzeichneten zwar die erste Chance: Bei einem Schuss von Anton Fink verhinderte Janik Jesgarzewski auf der Linie mit seinem Körper das 1:0 (11. Minute). Doch etwas später konnte die Abwehr der Hausherren eine Flanke von links nicht verhindern und Meppens ungedeckter Torjäger Nick Proschwitz erzielte das 1:0 für den SVM (17.).

Unverdient war die Führung nicht, hatte Meppen bis dahin doch die meisten wichtigen Zweikämpfe – insbesondere im Zentrum – für sich entschieden. Und Karlsruhe? Benötigte 25 Minuten, um sich die Eigenschaften von Nordmännern – etwa eine gesunde Härte – anzueignen. Diese legte etwa Daniel Gordon an den Tag, als er sich im defensiven Mittelfeld den Ball erkämpfte und direkt Marvin Pourié steil schickte. Der Torjäger zog erst davon und anschließend ab – und glich so aus (25. Minute). „Die Mannschaft hat eine gute Reaktion gezeigt“, fand Sportdirektor Oliver Kreuzer.

Verwirrt beim Jubeln

Auch in den zweiten 45 Minuten wechselte der Ball zunächst noch oftmals schnell den Besitzer, ehe sich der KSC ab der 60. Minute ein Übergewicht erarbeitete. Das führte dann nach einer der insgesamt 8:2 Ecken zum 2:1. Beim Nachsetzen nach Marc Lorenz’ Ecke passte Fink die Kugel von rechts nach innen, wo der kurz zuvor eingewechselte Christoph Kobald – direkt vor der neuen Nordtribüne – am zweiten Pfosten die Kugel aus kurzer Distanz mit seinen Oberschenkeln ins Netz bugsierte (68.). „Ich habe beim Tor erst noch überlegt, wo ich hin muss“, verriet der Torschütze später. Und auch Pourié räumte nach seinem zweiten Treffer (81.) ein: „Ich war erst ein bisschen confused (deutsch: verwirrt), weil ich erst zur Gegengerade laufen wollte – und dann merkte, dass ja alle hinter dem Tor stehen.“ Bevor ihm mit seinem 19. Saisontreffer das 3:1 gelungen war, hatte der 28-Jährige eine Großchance ungenutzt gelassen (75.).

Meppens Trainer Christian Neidhart fand seine Mannschaft in zwei Szenen von Schiedsrichter Bastian Börner entscheidend benachteiligt: „Damit kann ich nur schwer leben.“ Der Gästecoach sah Pourié vor dem Ausgleich im Abseits und forderte in der 58. Minute nach einem mutmaßlichen Foul von Damian Roßbach an Max Kremer einen Strafstoß.

„In dieser Phase der Saison zählt einfach nur der Sieg“, nahm Trainer Alois Schwartz seine Spieler trotz der zu vielen nervösen Fehler und Unsicherheiten in Schutz – und erinnerte daran, dass der KSC „hinten raus“ noch ein, zwei Tore höher hätte gewinnen können.

Ob die sympathischen Nordmänner in „Game of Thrones“ am Ende die Oberhand haben, werden die Zuschauer wohl erst am 20. Mai wissen – da läuft die letzte Folge. Die neuen Karlsruher Nordmänner wollen sich dagegen schon zwei Tage zuvor zum Aufsteiger krönen: Am 18. Mai steht der letzte Spieltag an, an dem im Wildpark mit dem Halleschen FC der derzeit größte Aufstiegskonkurrent zu Gast ist.