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Bis Dezember des vergangenen Jahres waren zwei Drittel des Wildparks abgerissen, lediglich die Haupttribüne (Bildmitte) steht aktuell noch als letzter Teil des alten Stadions. 

Baustelle im Superlativ: Das ist der Stand der Dinge im Wildparkstadion in Karlsruhe

Karlsruhe. Die Arbeiten im Wildparkstadion in Karlsruhe schreiten im Zeitplan voran. Eine Baustellenbesichtigung gibt nun Einblicke in den aktuellen Stand der Dinge.

Im Karlsruher Wildparkstadion wurde in den vergangenen 65 Jahren seit Eröffnung schon so manche Fußball-Schlacht geschlagen. Allen voran der als „Wunder vom Wildpark“ in die Geschichte eingegangene 7:0-Erfolg im UEFA-Cup 1993 gegen den damaligen spanischen Tabellenführer FC Valencia ist bei den Anhängern des Karlsruher SC bis heute unvergessen.

Doch seit November 2018 heißt es Schritt für Schritt Abschied nehmen vom alten Stadion. Damals begannen die ersten der sogenannten Vorabmaßnahmen für den Neubau der inzwischen deutlich in die Jahre gekommenen Spielstätte des Deutschen Meisters von 1909 durch die von der Stadt Karlsruhe als Totalunternehmen beauftragte BAM Sports GmbH. Bis Dezember des vergangenen Jahres waren bereits zwei Drittel des Wildparks abgerissen, lediglich die Haupttribüne steht aktuell noch als letzter Teil des alten Stadions. Deutlich weiter sieht es auf der Gegengerade aus, an der bereits erste Elemente des neuen Dachs eingehoben werden. Als „Lego für Erwachsene“ bezeichnet Werner Merkel, Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs Fußballstadions Wildpark (EIBS) und früherer Vizepräsident des KSC, das Verfahren, mit dem die unzähligen vorgefertigten Teile zusammengesetzt werden, bei einer Baustellenbesichtigung mit der „Pforzheimer Zeitung“.

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Lego für Erwachsene: So sieht es auf der Baustelle des Wildparkstadions aus

Das Aushängeschild des neuen, 34.000 Zuschauer fassenden Stadions, stellen dabei die insgesamt 74, im gesamten Stadion verbauten, Y-Stützen dar.

„Diese haben eine Oberflächengestaltung, die einzigartig in Deutschland ist, für ein Stadion dieser Kategorie“, wie Frank Nenninger, Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-GmbH (Kasig), vor Ort erklärt.

Gleichzeitig soll die spezielle Form „die Druck- und Zugkräfte, die über die Dachkonstruktion kommen“, abtragen. Zwischen den Y-Stützen und der Rückseite des Stadionrangs wird derzeit bereits mit Hochdruck am Bau der WC-Anlagen und Technik-Räume gearbeitet. Auf der gegenüberliegenden Seite des sogenannten „Stadionboulevards“ werden aktuell erste Vorbereitungen für den Kiosk-Bau getroffen, so dass die neue Tribüne voraussichtlich schon ab September genutzt werden kann.

Zum Hintergrund: Bereits 2017 beauftragte der Karlsruher Gemeinderat die Kasig für den Bau des Stadions, da diese durch die Kombilösung, dem Verkehrsinfrastrukturprojekt der Fächerstadt, Erfahrungen im Bau und der Steuerung von Großprojekten besitze, so die Stadtverwaltung in ihrer damaligen Beschlussvorlage.

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Bringen den Umbau des Wildparkstadions gemeinsam voran: Werner Merkel, Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs Fußballstadions Wildpark, Frank Nenninger, Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-GmbH und Oliver Braitmaier von BAM Sports GmbH (von links).

Ebenfalls im September soll es auch der Haupttribüne, dem späteren „Herzstück“ des Stadions, wie Merkel es beschreibt, an den Kragen gehen. Zuvor müssen aber noch der Hospitality- und VIP-Bereich auf die Gegengerade umgesiedelt und Provisorien für die angeschlossene Geschäftsstelle und die Funktionsräume geschaffen werden. Anfang Dezember sollen schließlich die Abbrucharbeiten beginnen, ein früherer Start ist aufgrund von im Gebäude nistenden Fledermäusen nicht möglich. Im Spätjahr seien die Tiere aber bereits ausgeflogen, wie EIBS-Pressesprecher Florian Kaute erklärt: „Fledermäuse sind nicht wirklich ortsfest.“ Sie können demnach problemlos die heimische Höhle verlassen und sich in der darauffolgenden Brutsaison einen neuen Nistort suchen.

Lockerung der Auflagen

Die provisorisch aufgestellte Südtribüne ist schon früher als ursprünglich geplant wieder verschwunden. Aufgrund der durch das Coronavirus bedingten Geisterspiele hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem KSC eine Lockerung der Auflage gewährt, die bisher eine Mindestkapazität von 15.000 Plätzen vorgeschrieben hatte. Dies ermöglicht es nun, dass die Arbeiten an der Kurve der Osttribüne bündig an den Neubau der Südtribüne münden können, welche künftig die neue Heimat der bislang auf der Nordtribüne beheimateten KSC-Fans wird.

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Der rund 3700 Zuschauer fassende, neue Gästeblock wandert dafür vom Süden in den Norden, wodurch eine bessere Trennung der gegnerischen Fanlager gewährleistet werden soll. Bis Mai 2022 sollen die Bauarbeiten final abgeschlossen werden, auch hier sei man laut Nenninger gut im Plan. Finanziert wird das mindestens 123 Millionen Euro teure Bauprojekt von der Stadt Karlsruhe, die dafür vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg elf Millionen Euro an Zuschüssen erhält. Der KSC hat sich dafür im Gegenzug dazu verpflichtet, die Bausumme in den nächsten 35 Jahren in Form von Pachtzahlungen abzustottern.

Das Produkt „Namensrecht“

Wie das neue Stadion dann allerdings heißen soll, ist noch nicht ganz klar. „Das Namensrecht ist vertraglich der Stadt Karlsruhe zugesichert und hinsichtlich seiner Produktbestandteile klar definiert. Ein Namensrecht lässt sich nur gemeinsam mit dem KSC sinnvoll vermarkten. Alles andere wäre nur eine Werbeanlage. Wir haben den Stand, dass wir mit dem Verein derzeit das Produkt ‚Namensrecht‘ kreieren“, erklärt Merkel und macht den Fans dabei aber auch Hoffnung, „den Namen Wildpark in jedem Fall erhalten“ zu wollen.

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Sven Sartison

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Julia Wessinger

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