Beim VfB war Gonzalo Castro schon vor seiner Zeit als Spielführer einer, der die Richtung vorgibt. In der Öffentlichkeit wird er allerdings nicht laut. Foto: Weller/dpa
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Beim VfB Stuttgart fällt Gonzalo Castro oft nicht groß auf – und ist doch sehr wichtig
  • Christoph Lother

Stuttgart. Für Gonzalo Castro schließt sich ein Kreis. In Leverkusen hat er sich einst über die Jugend zu den Bayer-Profis gekämpft – und sogar in die Nationalmannschaft. 286 Erstliga-Partien und etliche weitere im DFB- oder Europapokal bestritt der heutige Stuttgarter für den Werksclub. Seit er 2015 zunächst zu Borussia Dortmund wechselte, packte Castro bisher weitere 99 Partien im Oberhaus drauf. Mit dem VfB kommt es nun zu einem Wiedersehen mit Bayer – am Samstag (15.30 Uhr/Sky). Zum ersten Mal ist Castro bei einem Spiel gegen die Leverkusener VfB-Kapitän.

Dass ihn Trainer Pellegrino Matarazzo in der Sommerpause zum Spielführer ernannte, will der 33-jährige Fußballer nicht überbewerten, doch als Führungsfigur sah er sich auch schon ohne Binde. Wie Castro der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sagte, sah er die Beförderung als „eine Bestätigung dafür, dass man doch ein paar Sachen richtig gemacht hat“. Eine kleine Überraschung war die Entscheidung aber auch.

In seiner ersten Saison in Stuttgart, die im Frühsommer 2019 mit dem Abstieg aus der Bundesliga endete, absolvierte der Mittelfeldmann zwar 25 Liga-Partien, unumstrittener Stammspieler war er jedoch nicht. Und Wortführer war Castro erst recht nicht – zumindest nicht nach außen. Auch in der vergangenen Spielzeit, in der er es in der 2. Liga immerhin auf 28 Einsätze und zehn Torbeteiligungen (drei Treffer, sieben Vorlagen) brachte, fiel Castros Name selten, wenn es um die Garanten für den Aufstieg ging.

Oft unter dem Radar

„Gonzo zeigt seit Jahren beständig gute Leistungen, fliegt öffentlich aber immer ein bisschen unter dem Radar“, sagt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat über den Routinier. Ein feiner Fußballer war Castro schon immer, aber eben keiner für große Schlagzeilen. „Nach außen wirkt es, als wäre er immer ruhig, aber intern können sein Ehrgeiz und sein Temperament schon mal durchkommen“, verrät Mislintat. Bei ihm, dem Trainer und den Teamkollegen kommt Castros Art gut an. Womöglich kann das souveräne Auftreten des Ex-Leverkuseners gerade im aufgeheizten Stuttgart, wo es zuletzt entweder gegen den Abstieg oder um den Aufstieg, aber selten ruhig zuging, sehr viel wert sein.

„Gonzo ist unser Gesicht. Er geht vorne weg“, sagte Matarazzo dem SWR nach dem 4:1 beim FSV Mainz 05 am vergangenen Samstag. Auch in diesem Spiel glänzte Castro als Vorbereiter. „Aber alle anderen haben auch Verantwortung für die Mannschaft“, fügte Matarazzo hinzu. Mit Daniel Didavi oder Marc Oliver Kempf gibt es weitere Routiniers. Hinzu kommen Talente, die sich erst noch dauerhaft in der Bundesliga beweisen müssen – so wie einst Castro in Leverkusen.

Freude bei Hitzlsperger – Zuversicht bei Matarazzo

Bevor es mit dem Fußball-Alltag weitergeht, hat Thomas Hitzlsperger, der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart, einen Festtag erlebt. So wie unter anderem auch dem Virologen Christian Drosten überreichte ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gestern in Berlin das Bundesverdienstkreuz. Hitzlsperger habe mit seinem Coming-out ein Tabu gebrochen und auch schon lange gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus gekämpft, sagte Steinmeier.

In Stuttgart wiederum richtete Trainer Pellegrino Matarazzo gestern den Blick aufs Leverkusen-Spiel. Dass Bayer nur eine der zurückliegenden 16 Bundesliga-Partien gegen den VfB verloren hat, stört ihn nicht. „Wir sind jetzt angekommen und wenn wir unsere Energie und unseren Fokus auf den Platz bringen, dann können wir viele Mannschaften ärgern“, betonte der 42-jährige Coach des Bundesliga-Rückkehrers.

Mögliche VfB-Aufstellung: Kobel – Mavropanos, Anton, Kempf – Wamangituka, Endo, Mangala, Sosa – Castro, Didavi – Kalajdzic