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Schlüsselszene für den VfB: In der 88. Minute netzt Artem Kravets (Zweiter von rechts) ein.
Schlüsselszene für den VfB: In der 88. Minute netzt Artem Kravets (Zweiter von rechts) ein.
31.01.2016

Beim VfB Stuttgart gibt es Freudensprünge nur auf dem Platz

Nach dem Siegtreffer von Artem Kravets zwei Minuten vor Schluss gab es kein Halten mehr. Der ausgewechselte Daniel Didavi rannte im Überschwang Jürgen Kramny über den Haufen – mit weitreichend Folgen. Der Trainer zog sich bei dem Sturz eine Schürfwunde am Knie zu, seine Jeans wurden zerstört.

„Die kann ich wegschmeißen“, sagte Kramny und fügte scherzend hinzu: „Die soll mir Didavi bezahlen. Sie hat mindestens 100 Euro gekostet.“ Beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart darf wieder gelacht werden. Das 2:1 (0:0) über den Hamburger SV war der dritte Sieg in Folge, allerdings bleiben die Schwaben in der Tabelle auf Platz 15 kleben.

Es war ein Fußballspiel der besonderen Art: äußerst unterhaltsam, nichts für schwache Nerven, mit einer speziellen Dramaturgie und einem Happy End für den VfB. Die Stuttgarter Fans waren angesichts der miserablen Chancenverwertung schon am Verzweifeln. Timo Werner hatte allein ein gutes halbes Dutzend hochkarätige Möglichkeiten vergeben und drohte zur tragischen Figur zu werden, ehe HSV-Spieler Aaron Hunt Didavis Kopfball ins eigene Tor lenkte (66. Minute). Doch der VfB war noch weit entfernt von einem Sieg. Nach Artjoms Rudnevs’ Ausgleich neun Minuten später liefen die Stuttgarter sogar Gefahr, die Partie zu verlieren. Torwart Przemyslaw Tyton wehrte in höchster Not einen Schuss von Ivo Ilicevic ab (80.).

Leihgabe macht den Siegtreffer

Doch dann kam der Auftritt der beiden eingewechselten Alexandru Maxim und Kravets, der bis zum Saisonende für 500 000 Euro mit Vorkaufsrecht von Dynamo Kiew ausgeliehen wurde. Maxim zirkelte den Ball auf den Kopf des ukrainischen Neuzugangs, und der wuchtete ihn ins Tordreieck. „Was kann man sich mehr wünschen. Kravets kommt und macht das entscheidende Tor“, freute sich Kramny über die drei Punkte und sein glückliches Händchen, das er bei seinen Einwechslungen hatte. „Ich weiß gar nicht, ob mich Kravets verstanden hat“, erklärte Kramny schmunzelnd. „Ich habe einfach zu ihm gesagt: ,Go in‘“.

„Es wäre ein Drama gewesen, wenn wir nur einen Punkt geholt hätten“, atmete auch VfB-Sportvorstand Robin Dutt tief durch. „Die Effektivität ist nach wie vor ein Problem. Das zieht sich schon durch die ganze Saison“, sagte Christian Gentner.

Verein bleibt große Baustelle

Trotz aller Euphorie bewahrten alle beim Blick auf die Tabelle kühlen Kopf. „Wir befinden uns immer noch im Abstiegskampf. Wir müssen uns hinten rausarbeiten und dürfen nicht nachlassen“, sagte Kramny. Dutt gab die Parole aus: „Schön auf dem Boden und cool bleiben.“ Gentner wünschte sich vor allem eines: „Den Abstand nach hinten vergrößern, damit wir ruhig weiterarbeiten können.“ Der VfB scheint fest entschlossen, die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln. Allerdings gibt es dafür keine Garantie, das lehren die jüngsten Erfahrungen. Es gibt noch jede Menge zu verbessern.