Karlsruhe. Seit vergangenem Sonntagabend befindet sich Fußball-Zweitligist Karlsruher SC in dem von der Deutschen Fußball Liga (DFL) vor dem Neustart des Spielbetriebs vorgeschriebenen, einwöchigen Quarantäne-Trainingslager. In der Sportschule Schöneck des Badischen Fußballverbandes (bfv) bereiten sich Trainer Christian Eichner und seine Spieler auf die Fortsetzung der Saison nach zweimonatiger „Corona-Pause“ vor. Noch vor dem Heimspiel des Vorletzten gegen den Tabellensechsten SV Darmstadt 98 am Samstag (13 Uhr/Sky) dürfte sich klären, ob der KSC den Weg in die Planinsolvenz geht. Im Vorfeld ist abseits des Rasens eine Menge los.
„In den letzten Tagen ging ja alles recht schnell“, sagt KSC-Coach Eichner mit Blick auf die – eigentlich erwartete – Entwicklung in Sachen Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Vergangenen Mittwoch sprang die Ampel für Erst- und Zweitligisten auf Grün. Am Donnerstag folgte das erste „normale Mannschaftstraining“. Nun geht es auf dem Turmberg darum, zu machen, was lange nicht möglich war: „Vor allem das Spiel elf gegen elf, den Kontakt zum Gegenspieler, Zweikampf- und Wettkampfhärte“, steht für Eichner im Mittelpunkt.
U-19-Spieler trainieren mit
Unter den vier Torhütern und 25 Feldspielern befinden sich auch die U19-Kräfte Marlon Dinger, Jannis Rabold und David Trivunic. Kapitän David Pisot (Hüfte) und Burak Camoglu (nach Blinddarm-OP) sind zwar im Trainingslager, sind bisher aber nicht voll belastbar. Babacar Guèye (Entzündung im Sprunggelenk) und Kyoung-Rok Choi (nach Kreuzbandriss) befinden sich noch im Aufbautraining.
Mittelfeldspieler Marc Lorenz ging alles irgendwie zu schnell. Im DFL-Konzept fehlen ihm „die Vorbereitung und das Gespür für die Gesundheit der Spieler“. Der 31-Jährige sagte: „Ich glaube, da wird gar nicht darauf geachtet.“
Lorenz hat die Sorge, dass die Kicker schon nach 60 Minuten „platt“ sind. Übermüdung wiederum würde aus seiner Sicht wahrscheinlich zu „schweren Verletzungen“ führen.
Kampf hinter den Kulissen
Hinter den blau-weißen Kulissen geht indes der Kampf um die Macht am Adenauerring beziehungsweise gegen die drohende Insolvenz in Eigenverwaltung weiter. Am Montag wandte sich Georg Streit, der Münchner Anwalt von Präsident Ingo Wellenreuther, an den Karlsruher Kollegen Jörg Schröder, der das „Bündnis KSC“ vertritt. Das umfangreiche Schreiben ging auch an die Medien.
Am Freitag hatte sich Schröder an die Öffentlichkeit gewandt. „Um den Neustart einzuleiten und die Bereitschaft zu einer veränderten unternehmerischen Handlungsweise zu dokumentieren, bittet das Bündnis darum, dass Ingo Wellenreuther vor der Mitgliederversammlung am 15. Mai von seinen Ämtern zurücktritt“, hieß es in dem Schreiben. Das „Bündnis KSC“ bekundet die Bereitschaft, Aktien der Karlsruher SC GmbH & Co. KGaA in Höhe von sechs Millionen Euro zu kaufen, um die Insolvenz zu vermeiden. Die zentrale Voraussetzung für dieses finanzielle Engagement ist aber offenbar ein Abschied Wellenreuthers.
Wellenreuther fordert Klarheit
Der Club-Chef lehnte die Forderung zurückzutreten aber in einem am Freitagabend verbreiteten Schreiben ab. Wellenreuther betonte, es gehe um das Wohl des Vereins. Im Hinblick darauf sei er zu „fairen Gesprächen“ bereit. Dass das „Bündnis KSC“ mehrere Ultimaten stellte, die Wellenreuther verstreichen ließ (das letzte am Sonntag um 12 Uhr), änderte an der Konstellation noch nichts.
Wellenreuther stellte nun per Schreiben seines Anwalts auch Forderungen: Er verlangt, dass alle Mitglieder des „Bündnisses KSC“ benannt werden. Außerdem erwartet der Präsident, dass, was die sechs Millionen angeht der „Letter of Intent“ (Absichtserklärung) vorgelegt und das Geld auf ein Treuhandkonto überwiesen wird. Auch die Vorlage eines Konzeptes des Bündnisses für den KSC verlangt Wellenreuther.
Zumindest einige Unternehmen und Privatpersonen, die hinter dem Bündnis stehen, sind inzwischen bekannt. Es handelt sich um Roland Weiss (Baden-Baden), Hettmannsperger Bohrgesellschaft mbh (Ötigheim), Artus Gruppe (Baden-Baden), Pasta Nuova GmbH (Graben-Neudorf), GEM Ingenieursgesellschaft mbH (Karlsruhe) und WIFO Wirtschafts- & Fondsanlagenberatung und Versicherungsmakler GmbH (Rheinstetten).
Offenes Ende
Der Ausgang des Machtkampfes ist offen. Zumindest nicht auszuschließen ist auch ein Erfolg Wellenreuthers bei seinen Bemühungen, die Insolvenz noch zu vermeiden. Fließt noch rechtzeitig genug Geld, wäre die für Freitag (18 Uhr) geplante außerordentliche Online-Mitgliederversammlung jedenfalls hinfällig. Im Internet wird im KSC-Forum bereits eifrig über Wellenreuthers Bilanz aber auch über die im Detail noch nicht offensichtliche Strategie des Bündnisses diskutiert.

