Windischgarsten/Zuzenhausen. Die Bilanz des Hoffenheimer Trainingslagers in Windischgarsten fällt positiv aus. „Fußballerisch haben wir viele Übungen für das Spiel im letzten Drittel gemacht, Überzahlsituationen geübt“, sagt Alfred Schreuder, der neue Trainer des Bundesligisten.
Bei den Spieleinheiten mussten die Unterlegenen zehn Liegestütze machen. Gewinner und Verlierer gibt es nach vier Wochen unter dem Niederländer. Bei ersteren steht der Vincenzo Grifo aus Pforzheim, der ein halbes Jahr an den südbadischen Liga-Rivalen SC Freiburg ausgeliehen war, sogar ganz oben.
Die Stammspieler: Oliver Baumann ist die klare Nummer eins. In der Innenverteidigung sind Kapitän Kevin Vogt und Benjamin Hübner die Bosse. Rechts hinten liegt Pavel Kaderabek vor Joshua Brenet. Auf der Sechserposition ist der unterschätzte Florian Grillitsch gesetzt. Die Langzeitverletzten Dennis Geiger und Lukas Rupp sind Alternativen.
Die Wechselkandidaten: Robert Zulj, Havard Nordtveit und Philipp Ochs dürften es schwer haben, bei nur zwei Wettbewerben (Liga und Pokal) zu Einsatzzeiten zu kommen. Für Justin Hoogma und Kevin Akpoguma dürfte eine weitere Leihe sinnvoll sein. Es gibt ein Überangebot in der Defensive, wenn Kasim Adams, der für Ghana den Afrika-Cup spielten, nach seinem Urlaub wieder einsteigt.
Der Gewinner: Das ist Vincenzo Grifo. Dem italienischen Nationalspieler hat die Ausleihe nach Freiburg gut getan. „Ich fühle mich pudelwohl“, sagt der Mittelfeldspieler aus Pforzheim. Das ist zu sehen: Beim Torschusstraining glänzte der 26-jährige Grifo mit hoher Quote. „Um seine Qualität weiß jeder. Und er macht bislang eine sehr gute Vorbereitung“, lobt Alfred Schreuder: „Er hat natürlich mit seinen Standards eine brutale Waffe. Ich glaube, da ist er der Beste in der Liga.“ Grifo, den Schreuder auf der linken Seite sieht, könnte aus der Hoffenheimer Standardschwäche eine Stärke machen.
Die Duelle: Im Vorjahr gab es auf der linken Seite für den Schweizer Steven Zuber kein Vorbeikommen an Nico Schulz. Nun ist der Nationalspieler zu Borussia Dortmund gewechselt und der vom VfB Stuttgart zurückgekehrte Zuber sowie Neuzugang Kostas Stafylidis streiten um die Schulz-Nachfolge. „Ich bin nicht hier, um auf der Bank zu sitzen“, sagt Zuber selbstbewusst. Als dritter Innenverteidiger in einer Dreierkette lautet aktuell die Frage: Spielt Stefan Posch oder Ermin Bicakcic?
Die Herausforderer: Im Mittelfeld hängt einiges von Nadiem Amiri ab. Stimmt die Ablöse, spricht viel für einen Wechsel zu Bayer Leverkusen. Der Vertrag des des Eigengewächses läuft 2020 aus. Amiri schweigt. „Wir hoffen alle, dass er hier bleibt. Stand jetzt ist er Hoffenheimer. Ob er das bleibt, weiß man nie im Fußball“, sagt Schreuder.
Leo Bittencourt spielte in der Vorsaison eine starke Vorbereitung – eine schwache Saison folgte. Und jetzt? Von den Youngstern hat der 19-jährige Christoph Baumgartner die besten Aussichten, als nächster Akademiespieler den Durchbruch zu schaffen. Der junge Brasilianer Lucas Ribeiro muss sich nach wenigen Monaten in Deutschland noch an Sprache und Tempo gewöhnen. Dieses Problem hat Ihlas Bebou nicht. Der Neuzugang bringt als Rechtsaußen viel Tempo ins Spiel. Wie Neuzugang Sargis Adamyan und Adam Szalai könnte er von den Verletzungsproblemen im Sturm profitieren. Kramaric zwickte es das Trainingslager über im Knie. Mal sei es besser, mal schlechter, sagt Schreuder. Ishak Belfodil (Kreuzband) drehte in Windischgarsten eher gemächlich seine Runden um den Trainingsplatz. „Es ist schade, dass Andrej und auch Ishak zurzeit nicht trainieren können“, erklärte der Trainer..
Weitere Neuzugänge: Fast 100 Millionen Euro beträgt das Transferplus. Verkauft wurden drei Leistungsträger: Kerem Demirbay (32 Millionen), Nico Schulz (25) und Joelinton (45). Für Trainer Julian Nagelsmann gab es von RB Leipzig fünf Millionen. „Das Geld sichert uns nachhaltig Bundesliga-Fußball in der Region. Wir werden ganz genau schauen, wie wir in Zukunft investieren werden“, sagt Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen dazu. Geht auch Amiri, herrscht Bedarf im Mittelfeld. Geld wäre genug vorhanden.

