In der 72. Minute wähnt sich der VfB mit Torschütze Marc-Oliver Kempf (linkes Bild, vorne) und Ozan Kabak im Glück. Foto: dpa/Fassbender
Deswegen tröstet Dortmunds Marco Reus nach Schlusspfiff auch den Ex-Borussen Gonzalo Castro. Foto: dpa
Doch 20 Minuten später steht es 3:1 – und den Stuttgartern wird klar: Das war‘s. Foto: dpa
Sport
Der VfB Stuttgart hält auch ohne seine Millioneneinkäufe in Dortmund gut dagegen
  • Christoph Fischer

Dortmund. Es gibt Menschen, die Fußball nicht mögen. Keine Lust darauf, wie junge Menschen einem Ball hinterherrennen, keine Lust auf Bratwurst, Bier und kickende Millionäre. Wenn diese Leute aber durch irgendeinen Zufall doch einmal in das Dortmunder Westfalenstadion kommen, dann staunen diese Leute, schauen fasziniert auf die „gelbe Wand“ aus Tausenden von Fans.

Viele dieser Zufallsbesucher nennen das „besonders“, andere nennen es „beeindruckend“, und wiederum andere bezeichnen das, was sie sehen, als „faszinierend“. Und kommen immer wieder.

Gegen den VfB Stuttgart, der gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpft, kamen wieder 81.365 Menschen, machten ein Heidenspektakel, unbeeindruckt von Regenschauern und Orkanböen. Fast 8000 Fans reisten aus Stuttgart an. Und bereuten es nicht. Trotz einer Niederlage, die „natürlich enttäuschend ist, weil wir dringend Punkte brauchen, aber auch dieses Spiel war wieder ein Fortschritt“, befand Trainer Markus Weinzierl. Und sein Gegenüber parlierte respektvoll davon, dass „es sehr, sehr schwer war gegen Stuttgart“. Fast 80 Prozent Ballbesitz sprachen für Borussia Dortmund, „ohne viele Tore zu machen“, kritisierte Lucien Favre. Am Ende waren es aber doch genug, um 3:1 (0:0) gegen den VfB zu gewinnen.

Das 1:0 markierte Marco Reus per Elfmeter in der 62. Minute, nachdem Gonzalo Castro den Dortmunder Jadon Sancho im Strafraum auf den Fuß trat. Nur zehn Minuten später zirkelte Castro einen Freistoß auf Marc Oliver Kempf, der per Kopf ausglich. Und weil ein Spiel 90 und mehr Minuten dauert, entschieden Paco Alcacer (84.) und Christian Pulisic in der Nachspielzeit die Begegnung.

Was fängt der VfB Stuttgart damit nun an? „Wir haben großartig verteidigt, ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen, aber vor mehr als 80.000 Menschen braucht man eben auch ein wenig Glück“, sprach Weinzierl nicht unzufrieden. Andreas Beck meinte: „Vor sechs Monaten waren wir gegen Dortmund absolut chancenlos, heute haben sie hart arbeiten müssen, um zu gewinnen. Wir brauchen dringend Punkte, wir hatten einen Plan und haben das Spiel lange offen gehalten. Wir haben verloren, aber trotzdem fühlt sich alles stabiler an bei uns.“ Und wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, hätte Nicolas Gonzalez in der 32. Minute nach Pass von Steven Zuber getroffen?

Dortmunds Kapitän Marco Reus war am Ende erleichtert: „Endlich wieder im eigenen Stadion gewonnen, das gibt Selbstvertrauen, dieser Sieg ist mir wichtiger als die Tabellenführung.“ Ähnlich die Gefühlslage in Stuttgart. Es ist noch nichts geschafft, aber die Mannschaft hat mehr Stabilität. „Und es ist gut, Alternativen zu haben“, sagt Weinzierl.

Erik Thommy und Holger Badstuber waren nicht im Kader, die meisten von Michael Reschkes Millioneneinkäufen spielen bei Weinzierl keine Rolle, Mario Gomez spielt nur in der Schlussphase, auch Christian Gentner kam erst spät. Die Abwehr mit Benjamin Pavard in der Mitte funktioniert, Castro hat davor zu seiner Form gefunden. Auch offensiv gibt es mehr Möglichkeiten für den VfB, wenngleich immer noch zu viele Bälle überhastet verloren werden „Das Zutrauen ist da“, sagt Markus Weinzierl. Noch sind es neun Spiele gegen den Abstieg.