KSC-Talent verzichtet aufs Turnier mit Tunesien – und gönnt seinem Körper die nötige Ruhe.
Am 15. Juni beginnt für Tunesien die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Nordafrikaner treffen im mexikanischen Monterrey in ihrem ersten Gruppenspiel auf Schweden. Tunesien wird ohne Louey Ben Farhat antreten. Das Toptalent des Zweitligisten Karlsruher SC hat sich gegen eine WM-Teilnahme entschieden. Der 19-Jährige will seinem Körper nach einer für den Stürmer körperlich sehr anstrengenden Spielrunde Ruhe und Regeneration gönnen.
In der abgelaufenen Saison plagten Ben Farhat etliche Verletzungen. Der technisch starke und schnelle Angreifer stand in nur vier Zweitligapartien die kompletten 90 Minuten auf dem Spielfeld. Sonst war er Teilzeitarbeiter oder musste verletzt zuschauen. Seine Gesamtbilanz, 1325 Minuten in 20 Einsätzen, war wohl auch ein Grund, die Teilnahme am Topereignis in Nordamerika abzusagen.
Dass das Konsequenzen hat, ist klar. Durch die Nichtteilnahme steht Farhat nicht im Schaufenster der Weltöffentlichkeit. Hätte das Toptalent gar einen oder zwei WM-Treffer erzielt – er hätte sich ins Visier internationaler Top-Clubs gebracht. Der 1,75 Meter große Stürmer hätte so seinen Marktwert und damit seine Ablösesumme steigern können. Stattdessen aber Schonung, Regeneration – Konzentration auf den Körper. Er will frisch und fit in die neue Saison gehen und nicht belastest von den Strapazen des weltgrößten Fußballturniers. Farhat hofft auf mehr Konstanz auf Topniveau, daher will der von Verletzungen geplagte Offensivspieler körperlichen Defizite aufarbeiten.
Aber: Ohne WM-Teilnahme für den gebürtigen Waiblinger aktuell eine Ablöse im zweistelligen Millionenbereich zu erzielen, das wird knifflig. Dass es einen Verein gibt, der unter diesen Voraussetzungen bereit ist, einen höheren Betrag für Farhat an den KSC zu überweisen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Die Frage, über die im Wildpark schon einige nachdachten, könnte sich nicht mehr stellen: Lässt der KSC mit Farhat viel Qualität gehen, um dafür richtig viel Kohle zu bekommen? Die Formel „Keine WM, kein Schaufenster – dann wird’s wohl nichts mit einer zweistelligen Ablösesumme“ könnte greifen.
Ein Deal, vielleicht gar die Top-Lösung für alle Beteiligten wäre: Den gebürtigen Schwaben verkaufen und bei diesem Geschäft eine „Zurückleihe“ zum KSC zu fixieren. Farhats Konto würde voller werden, das des KSC auch. Sportlich könnte sich Farhat durch die im Wildpark wohl garantierte häufige Spielpraxis entwickeln. Dies würde dem KSC helfen.
Beim KSC bleibt man bei solchen Gedankenspielen gelassen. Wissend, dass die letzte Entscheidung beim Verein liegt. Die Gelassenheit trotz der Farhats WM-Absage ist berechtigt, denn die Karlsruher haben den Spieler vertraglich bis 2029 an sich gebunden, ohne Ausstiegsklausel. Sportdirektor Timon Pauls sagt nichts zu Vertragsdetails, versichert aber: „Wir sind absolut entspannt.“ Man habe nicht den Druck, Farhat verkaufen zu müssen. „Wir haben ihn sehr gerne bei uns im Wildpark.“
Der KSC entscheidet, wohin die Reise geht und ob ein Transfer Sinn macht.

