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Abwehrspieler mit Drang nach vorne: Neuzugang Benjamin Sailer (links) hat beim CfR gleich voll eingeschlagen. Rechts Nöttingens Marco Manduzio. 
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Freund und Leid: Während die CfR-Spieler mit ihren Fans den Derbysieg feiern, verlassen die Nöttinger Niklas Kolbe (Nummer 18) und Patrick Pagna (6) frustriert den Platz.  Fotos: PZ-Archiv, Becker (2), Ripberger (2) 
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Setzt erfolgreich voll auf Defensive: CfR-Trainer Fatih Ceylan. 
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Die Lehren aus dem Derby: Der 1. CfR Pforzheim hat das Zeug, oben mitzuspielen

Remchingen-Nöttingen. Eine rasante erste Halbzeit, drei herrliche Tore, eine etwas schwächere zweite Halbzeit, dafür am Ende überglückliche CfR-Spieler und geschlagene Nöttinger, die die Niederlage aber absolut fair hinnahmen. So kann man das Oberliga-Derby zwischen dem FC Nöttingen und dem 1. CfR Pforzheim vom vergangenen Freitag zusammen fassen. Im Folgenden die Lehren nach dem 3:0-Derbysieg des CfR.

Was war das Erfolgsrezept der Pforzheimer im Derby?

Wie schon in den vergangenen Spielen: die defensive Ausrichtung. Fatih Ceylan bläut seinen Spielern ein, dass eine gute Abwehrleistung das A und O für den Erfolg ist. Unter seiner Regie hat der CfR nun zum fünften Mal zu Null gespielt. Auch gegen Nöttingen liefen die Pforzheimer mit zwei kompakten Viererketten auf, die vom Gegner nicht zu knacken waren. „Gegen dieses Bollwerk fanden wir keine Mittel“, meinte auch nach dem Schlusspfiff Nöttingens Angreifer Michael Schürg.

Hinten stand die Null und vorne nutzten die Pforzheimer Offensivkräfte ihre Chancen diesmal eiskalt. Andre Redekop war mit zwei Toren (17., 44.) und einer Vorlage auf Fabian Czaker (42.) der Mann des Abends. Obwohl Coach Ceylan meinte: „Er war nicht der Mann des Tages, die Mannschaft war Mann des Tages.“

Hat der CfR das Zeug, um in dieser Saison vorne mitzuspielen?

Wenn der CfR weiter so konsequent und konstant spielt, dann auf alle Fälle. „Mit dieser Mannschaft ist alles möglich“, sagte Andre Redekop nach dem Derby. „Wir wollen in jedem Spiel jetzt Gas geben und weiterhin hinten zu Null spielen“, fügte der am Freitagabend fast beschäftigungslose CfR-Keeper Manuel Salz hinzu. Der CfR ein Titelkandidat? Wie heißt es doch so schön: Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften.

Was außer der erfolgreichen Taktik heben die CfR-Spieler noch hervor?

Einen extrem positiven Teamgeist. Vor der Runde hatte der ein oder andere Experte noch Zweifel, ob die Neuzugänge beim CfR „ankommen“ würden. Doch die Spieler selbst sind vom Teamspirit vollauf begeistert. „Die Mannschaft hat Qualität und das sind auch alles geile Typen hier“, meinte Redekop, der von Olympia Kirrlach kam. Auch Neuzugang Benjamin Sailer (SV Sandhausen II), der gegen Nöttingens Mario Bilger auf der rechten Abwehrseite nichts anbrennen ließ, ist voll des Lobes für sein Team. „Ich bin hier super integriert worden. Es macht einfach unheimlich Spaß, mit den Jungs zu spielen. Jeder gibt alles. Der Trainer hat einen Plan und den setzen wir gerade perfekt um. Mal sehen, wo wird am Ende der Runde stehen.“ Sailer weiter: „Der Coach betont aber immer wieder, dass wir uns nur auf uns und das nächste Spiel konzentrieren sollen.“

Waren die mitgereisten CfR-Fans am Freitag in der Kleiner Arena nun eine blaue Wand oder nur ein blaues Mäuerchen?

Da kam schon was rüber von den rund 350 CfR-Fans auf der Gegengerade. Auch mal ein Bierbecher. Die meisten waren – wie vom Verein gewünscht – in blauer Kleidung erschienen. Die Jungs machten ordentlich Stimmung. Warum nicht auch bei den Heimspielen im Holzhofstadion so?

Elf Punkte aus acht Spielen, was ist los mit dem FC Nöttingen? Sind die Lilahemden in dieser Runde nur Mittelmaß?

„Vielleicht müssen wir uns darauf einstellen, dass es in dieser Saison nur für einen Platz zwischen sechs und zwölf reicht“, sagte Nöttingens Trainer Michael Wittwer am Sonntag, zwei Tage nach dem Derby. Seine Mannschaft spielt in dieser Saison nicht konstant genug. Vor allem kassiert sie zu viele Gegentore: In acht Spielen sind es schon 13. „Wir machen immer wieder individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen. Gegen den CfR haben wir zwei Tore hergeschenkt“, meinte Angreifer Michael Schürg. Wittwers Vorgabe in der Halbzeit beim Stand von 0:3 lautete: „Bloß keine Klatsche kassieren.“

Hat der Nöttinger Kader ein Qualitätsproblem?

Es gibt Kritiker, die meinen, der Nöttinger Kader sei überaltet. Vor der Saison habe man es versäumt, der Mannschaft frisches Blut zuzuführen. Tatsächlich sind Michael Schürg (34), Leutrim Neziraj (32), Riccardo Di Piazza (30) oder auch Mario Bilger (31) schon im fortgeschrittenen Fußballeralter, gehören aber immer noch zu den Leistungsträgern, da die jungen Spieler teilweise noch nicht so weit sind. Der Umbruch wird wohl kommen. Zur neuen Runde? „Um das festzulegen, ist es noch zu früh“, sagte Michael Wittwer. Der Coach denkt aber über Verstärkungen in der Winterpause nach.

Wie sind die beiden Kontrahenten nach dem Derby auseinandergegangen?

Absolut freundschaftlich. „Trotz aller Rivalität haben wir uns nach dem Spiel alle super verstanden“, sagte CfR-Sportvorstand Torsten Heinemann, der mit Pressechef Marco Nabinger noch etwas länger in „toller Nöttinger Atmosphäre“ verweilte.

Wie heißen die nächsten Aufgaben?

Der CfR erwartet am Samstag (14 Uhr) den SV Oberachern. Für den FCN geht’s zu den Kickers.

Dominique Jahn

Dominique Jahn

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