KSC-Trainer Christian Eichner hatte für das Alles-oder-nichts-Spiel gegen Kiel die richtige Aufstellung gewählt. Wie geht‘s nun weiter?
Den trainingsfreien Montag dürfte Christian Eichner zum Durchschnaufen genutzt haben. Schließlich wäre er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Wochenbeginn nicht mehr KSC-Coach gewesen, wenn sein Team am Samstag auch nur annähernd so schlecht gespielt hätte wie in der Woche zuvor bei der 1:5-Niederlage in Nürnberg.
Nach dem völlig verdienten 3:1-Sieg gegen Kiel weiß Eichner nun immerhin, dass er das Team nun auch auf das Spiel in Magdeburg am Sonntag vorbereiten kann.
„Die Mannschaft hat den Auftrag erfüllt, der heute an sie gerichtet war“, sagte er bereits am Samstag. „Sie hat die Attribute gezeigt, die nötig sind, um ein Zweitligaspiel erfolgreich zu gestalten.“ Dabei wusste Eichner natürlich, dass sich die meisten der 24.409 Zuschauer (Saison-Minusrekord) schon während des Spiels gefragt hatten, warum seine Spieler genau diese Attribute erst dann zeigen, wenn der Sportgeschäftsführer ein Alles-oder-nichts-Spiel ausruft und die 90 Minuten zur Schicksalsfrage für den Trainer erklärt.
Am Samstag jedenfalls waren die Fans hellauf begeistert von ihrer Mannschaft. Die hatte zwar fußballerisch in der Vorrunde schon weit bessere Spiele gezeigt als gegen Kiel. Doch darum ging es diesmal nicht. Und so sah der Anhang genau das, was er sich erhofft hatte: Eine konzentrierte und entschlossene KSC-Mannschaft, die sich in die Zweikämpfe stürzte und so das Glück erzwang. Logische Konsequenz: Die drei Tore durch Kapitän Marvin Wanitzek (8./83.) und Louey Ben Farhat (61.). „So kämpft man sich aus so einer Situation wieder heraus, über Kampf, übers Laufen, über Zweikämpfe, übers Arbeiten“, bilanzierte Verteidiger David Herold. „Das ist für keinen Zuschauer schön anzuschauen. Aber nur so geht es.“
Am Samstag hatte Eichner zudem die richtige Aufstellung für ein Alles-oder-nichts-Spiel gewählt. Die Umstellung auf eine Dreierkette mit Marcel Franke, Christoph Kobald und Stephan Ambrosius machte sich gegen die spielerisch guten, aber harmlosen Kieler ebenso bezahlt wie die Hereinnahme von Hyeok-Kyu Kwon. Der koreanische Sechser stabilisierte das defensive Mittelfeld merklich.
Auch in der Offensive machten sich Eichners Umstellungen positiv bemerkbar. Der erst 19 Jahre alte Ben Farhat, dem Eichner am Wochenende zuvor eine Pause gegönnt hatte, ist im Angriff unverzichtbar. Frisch erholt und in der Form vom Samstag dürfte er nicht mehr lang in der zweiten Liga zu halten sein. Umso bedauerlicher, als er zu denen zählt, denen man anmerkt, dass es keine Floskel ist, wenn er sagt, man „wolle den Fans das zurückgeben, was sie verdient haben.“ Nach dem Spiel lief er als Erster zur Kurve, die er zuvor immer wieder zu noch lauterer Anfeuerung animiert hatte. Sein Trainer mahnte derweil Realismus an. „Auch für diesen Sieg gibt es nur drei Punkte, es muss jedem klar sein, dass wir mindestens noch zehn brauchen.“
Tatsächlich wird es in dieser Spielzeit nur noch um den Klassenerhalt gehen. Seit Samstag ist der wieder wahrscheinlicher geworden. Zumindest dann, wenn der Weckruf diesmal länger anhält als für ein Spiel.

