Raphael Hampel (links) und Peter Groß beim Besuch in der PZ-Sportredaktion. Foto: Mildenberger
Die deutschen U19-Weltmeister in Murcia mit Trainer Peter Groß (2. von links) und seinem Assistenten Raphael Hampel (links). Foto: Privat
Sport
Die Weltmeister aus dem Enzkreis: Diese zwei Männer feiern im Tischfußball Erfolge

Pforzheim. Peter Groß ist ein lustiger Geselle. „Hallo, ich bin der Jogi Löw des Tischfußballs“, sagt der 49-Jährige zur Begrüßung. Das ist ein bisschen kokett, aber auch nicht ganz falsch. Denn Peter Groß hat als Trainer mit der deutschen U19-Nationalmannschaft im Tischfußball die Weltmeisterschaft gewonnen, die Anfang Juli im spanischen Murcia ausgetragen wurde.

Peter Groß wohnt in Keltern-Niebelsbach und sein Co-Trainer Raphael Hampel in Büchenbronn.

Das ist insofern bemerkenswert, weil die Region Pforzheim/Enzkreis im organisierten Tischfußball ein gänzlich unbeschriebenes Blatt ist. Es gibt keine Vereine, die am Spielbetrieb teilnehmen. Eine Hochburg ist in Stuttgart, auch in Karlsruhe genießt Tischfußball einen höheren Stellenwert. Nach einem Urteil des hessischen Finanzgerichts vom 23. Juni 2010 kann ein Verein, der Tischfußball betreibt, als gemeinnützig anerkannt werden.

Für Büchenbronn am Ball

Peter Groß und Raphael Hampel lernten sich – kaum zu glauben – beim Tischfußball kennen. Seit 2017 ist Groß Bundestrainer der deutschen U19-Nationalmannschaft. In der spielte auch Raphael Hampel. Der 20-jährige Büchenbronner war 2017 mit der U19 und 2015 mit den Junioren Weltmeister. Und nun hat er das Kunststück auch als Co-Trainer geschafft. Bis zum Alter von zwölf Jahren spielte Hampel auch noch „richtig“ Fußball beim SV Büchenbronn. Nach einer Verletzung gab er das auf.

Groß und Hampel sind auch aktive Spieler in der Tischfußball-Bundesliga: Groß in Kaiserslautern, Hampel, der in der Weltrangliste weit vorne steht, in Dortmund. So kam Groß auch an den Job als Bundestrainer. Bei einem Turnier gewann er einen Kickertisch. Weil er zuhause bereits einen Tisch hatte, schenkte der den dem Kinder- und Jugendheim Sperlingshof in Remchingen. Dort spielte Groß, der eine große soziale Ader hat, mit den Kindern regelmäßig Tischfußball. „So wurde der Verband auf mich aufmerksam. Weil ich auch ein erfolgreicher Turnierspieler war, wurde ich 2017 gefragt, ob ich die U19 als Bundestrainer übernehmen möchte“, erzählt Groß, der in Keltern bei der Bauer-Walser AG (Edelmetallbranche) arbeitet. Denn mit Tischfußball alleine kann man seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Weil sein Schützlinge in ganz Deutschland an den Kickertischen stehen, ist Groß viel unterwegs. Er beobachtet, scoutet und lädt die Spieler zu Lehrgängen ein.

Was macht eigentlich einen guten Tischfußballer aus? „Wichtig ist vor allem die Auge-Hand-Koordination“, betont Groß. Wichtig ist auch, Aktionen des Gegners zu antizipieren, denn alles geht wahnsinnig schnell. Wenn Profis am Tisch stehen, ist der Ball für den Laien mit bloßem Augen fast nicht zu erkennen. Bis zu 50 Stundenkilometer erreichen die Torschüsse der Tischfußballer. Nicht zu unterschätzen ist auch die körperliche Fitness, denn bei großen Turnieren stehen die Akteure stundenlang am Tisch.

Finalsieg gegen Österreich

Bei der WM in Murcia wurden Coach Peter Groß und sein Assistent Raphael Hampel Weltmeister im Team Event mit den Spielern David Bruhn, Adrian Brustein, Michel Klaffke, Marvin Pohl (Kapitän), Dominik Schmitz, Maurice Velasco und Yannik Wohltorf. Im Finale wurde Österreich mit 40:33 bezwungen. Dabei spielen vier Spieler im Wechsel Doppel und Einzel – immer nach vier Toren wird gewechselt.

Neben Deutschland sind die USA, Frankreich, Belgien und Österreich Hochburgen im Tischfußball. Auch China ist im Kommen. Im Medaillenspiegel lag Deutschland am Ende mit ach Mal Gold, sieben mal Silber und zehn Mal Bronze auf Platz eins. Die WM 2021 findet übrigens im französischen Nantes statt.