Sieht noch keinen Anlass für einen Rücktritt: KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Foto: Kienzle
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Druck auf Wellenreuther nimmt zu: Vereinsrat fordert Rücktritt des KSC-Präsidenten
  • Peter Putzing und Nils B. Bohl

Karlsruhe. KSC Präsident Ingo Wellenreuther ließ ein vom „Bündnis KSC“ gesetztes Ultimatum in Sachen Rücktritt, das am Sonntag um 12 Uhr endet, verstreichen. Dieses „Bündnis“, dessen Mitglieder inzwischen weitgehend bekannt sind, boten dem badischen Fußball-Zweitligisten, der in akuten Abstiegsnöten steckt und der rund 30 Millionen Euro an Verbindlichkeiten haben soll, ein Rettungspacket in Höhe von sechs Millionen-Euro an. Man würde diesen Betrag in Aktien investieren, allerdings nur, wenn Wellenreuther zurücktritt.

Wellenreuther ließ das Ultimatun verstreichen. „Ich habe eine Verantwortung gegenüber dem Verein“, sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur und sieht zu viele Fragen offen: „Wer gibt Geld? Wer gibt wieviel Geld? Woher stammt dieses Geld?“ Wellenreuther sagte: „Als demokratisch gewählter Präsident werfe ich doch nicht mal schnell mein Amt weg, der KSC nimmt Geld und die Mitglieder wissen gar nicht, woher das kommt? So etwas geht überhaupt nicht.“ Nach Informationen de PZ bleibt die Investorengruppe, zu der auch der ehemalige Präsidentschaftskandidat Martin Müller gehört, auch nach Ablauf des Ultimatums bei ihrem Angebot, sechs Millionen in Aktien zu investieren –  wenn Wellenreuther abtritt.

Rückhalt schwindet

Derweil lichten sich die Reihen der Unterstützer von Präsident Wellenreuther. Seit der Offerte des „Bündnis KSC“, rückten einige vom Präsidenten ab. Super-Mäzen und Vizepräsident Günter Pilarsky, der viele Jahre das Überleben des KSC durch Zuwendungen im zweistelligen Millionenbereich möglich machte, beteuert, er sei „absolut neutral.“ Vizepräsident Holger Siegmund-Schultze wurde als wahrscheinlicher Gegner Wellenreuthers identifiziert.

Durch den Verwaltungsrat geht ein Riss. Gegen den Vorsitzenden Michael Steidl lag – wegen finanzieller Abhängigkeit von einem Präsidiumsmitglied – ein Befangenheitsantrag vor. Zudem soll er im Beirat anders abgestimmt haben, als im Verwaltungsrat vereinbart. Nach langem Zögern gab Steidl zu, von Pilarsky ein „kleines“ Privatdarlehen bekommen zu haben. Der Ehrenrat lehnte den Befangenheitsantrag ab. Wellenreuther steht noch hinter Steidl.

Jetzt fällte der Vereinsrat, der aus den Leitern der Abteilungen sowie acht von der Mitgliederversammlung gewählten Vertretern besteht, eine brisante Entscheidung. Wie durchsickerte, hat der Vereinsrat mehrheitlich dafür gestimmt, das Angebot des „Bündnis KSC“ anzunehmen und fordert damit den KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther zum Rücktritt auf.

„Nichts Unübliches“

Geschäftsführer Michael Beckerfindet unterdessen das Vorgehen der Investoren nicht ungewöhnlich. „Unabhängig vom KSC gibt es im Profi-Fußball immer wieder bestimmte Konstellationen, wo Investoren sagen, wir wollen aber bestimmte Bedingungen. Das ist nichts Unübliches“, sagte Becker.

Sollten bis Freitag keinen neuen Geldgeber gefunden sein, soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung darüber entscheiden, ob die Gesellschaft Planinsolvenz anmelden darf. Bis zum 30. Juni sei der Verein durchfinanziert, hatte Becker gesagt.