Damals und heute: Die A-Junioren des VfR Pforzheim beim Pfingstturnier 1972, und – ein Teil davon – wie sie heute aussehen; stehend von links: Armin Stelzer, Jürgen Rau, Jürgen Geigle, Simon Schaaf, Axel Zilly, Jürgen Vetter, Rolf Trautz, Ottmar Schmidt, Arno Müller; knieend von links: Aike Kremser, Armin Fischer, Wolfgang Werner. Wolfgang Trautz, Seibel
Wiedersehen bei der PZ. Die VfR-Veteranen im Jahre 2015, von links Jürgen Rau, Jürgen Geigle, Aike Kremser, Jürgen Vetter, Wolfgang Werner und Arno Müller.
Geballte Offensivkraft: Rolf Trautz (links) und Jürgen Geigle (Mitte) greifen beim Pfingstjugendturnier 1972 an. Wolfgang Trautz
Sport
Ehemalige A-Juniorenspieler des VfR Pforzheim: Haare und Hackentricks
  • Martin Mildenberger

Es blüht der Flachs. „Ich bin damals ja vom FCP gekommen“, erzählt Jürgen Rau. „Das hat man auch lange gemerkt“, witzelt Wolfgang Werner. Die A-Jugend des VfR Pforzheim aus der Saison 1971/72 ist zu Gast in der PZ-Sportredaktion. Zumindest diejenigen Spieler, die der ehemalige Torjäger Jürgen Geigle nach so vielen Jahren auf die Schnelle erreichen konnte.

Auslöser der Story ist ein Foto, das Wolfgang M. Trautz beim Pfingstjugendturnier 1972 auf dem Holzhof gemacht hat. Die Frisuren der jungen Kicker waren so auffällig, dass Trautz, der ehemalige Verkehrsdirektor der Stadt Pforzheim, das Mannschaftsbild an die PZ schickte. Er hatte es entdeckt, als er alte Negativfilme zuhause sortierte. Wir wollten wissen, wie die Jungs, heute alle um die 60 Jahre alt, jetzt aussehen und was sie so machen.

Die Haare sind nicht mehr ganz so schön (und zahlreich). Aber gut gehalten haben sich die ehemaligen Fußballer. Das Wiedersehen ist herzlich. Die gemeinsame Fußballzeit ist ein Band, das nie zerreißt. Schnell sind Jürgen Rau, Jürgen Geigle, Aike Kremser, Jürgen Vetter, Wolfgang Werner und Arno Müller lebhaft ins Gespräch vertieft. Es wird auffällig viel gelacht und gescherzt. Die Frage nach den markanten Frisuren ist schnell abgehandelt. Günter Netzer oder die Kremers-Zwillinge, stilprägende Fußballstars in den 70-ern mit ihren langen Mähnen, waren nicht die Vorbilder VfR-Talente. „Eher schon Mick Jagger“, sagt Jürgen Vetter, früher Mittelfeldspieler, heute Sporttherapeut. „Man wollte auch ein bisschen provozieren“, glaubt Jürgen Geigle, der selbstständiger Unternehmer mit einer Sport- und Textilstickerei ist. „Das war halt die Zeit: Schlaghosen und lange Haare“, erinnert sich Wolfgang Werner, der ehemalige Vorstopper, der den Beruf des Lehrers ergriffen hat.

Ins legendäre Gard-Haarstudio gingen sie also nicht. Aber zum Föhnen musste man sich etwas mehr Zeit nehmen nach dem Duschen. Die hatte man auch. Es gab keine Smartphones und kein Turbo-Abitur. Alles war ein bisschen gemütlicher Anfang der 70-er Jahre. Der VfR war im Juniorenbereich klar die Nummer eins im Kreis. Im Badischen Fußball-Verband (BFV) gab es phasenweise außer dem Karlsruher SC, gegen den man sich heiße Duelle lieferte, keinen ernsthaften Gegner. Wer gut kicken konnte, ging auf den Holzhof. „Und wir haben sehr viel Blödsinn gemacht. Und wir hatten eine Bombenkameradschaft“, erzählt Arno Müller, früher Verteidiger, heute Bankkaufmann bei der Sparkasse. Dazu gehörte auch, dass man nach dem Training gemeinsam wegging. Oft ins Miura, einer Bar in der Nordstadt. „Drei Bier – aber für jeden“, lautete die Bestellung, die Jürgen Rau, früher rechter Verteidiger, heute ebenfalls Bankkaufmann, gerne aufgab, als er mit Jürgen Geigle und Arno Müller das Lokal betrat.

Weil die Jungs auch gerne feierten, war es ein Problem, dass die Spiele Sonntagmorgens um 11.00 Uhr stattfanden. „Ich war samstags immer zur Sportstudio-Zeit zuhause“, versichert Jürgen Werner. Andere waren länger unterwegs und brauchten entsprechende Anlaufzeit beim Spiel zur Frühschoppenzeit. „Ich glaube der Jürgen Rau kam manchmal erst zum Frühstück nach Hause“, sagt Arno Müller mit einem Augenzwinkern.

Die Fahrten zu den Auswärtsspielen hatten ihren besonderen Reiz. Helmut Harke war nicht nur ein langjähriger Gönner und Jugendbetreuer beim VfR, er hatte auch eine Fahrschule. Klar, dass man den Führerschein bei ihm machte. „Und beim Auswärtsspiel nach Mannheim hieß es dann: Du fährst“, erinnert sich Aike Kremser, früher Abwehrspieler, heute städtischer Beamter, wie man damals doch relativ günstig an die heiß begehrte Fahrerlaubnis kam.

Fast immer dabei war Wolfgang M. Trautz, dessen Bruder Rolf Trautz ebenfalls ein wichtiges Mitglied im Team gewesen ist. „Das war ein richtiger Dribbelkönig und ein cooler Typ. Sein Spitzname war Mrosko“, erinnert sich Jürgen Geigle gerne an den vor einigen Jahren leider verstorbenen Team-Kameraden, der für technische Kabinettstückchen wie Hackentricks zuständig gewesen ist.

Wolfgang M. Trautz lieferte Texte und Fotos für die Presse. Sollte ihm irgendein Detail entgangen sein, konnte er sich an Wolfgang Werner wenden. Der führte nämlich Tagebuch über jedes seiner Spiele – von der D-Jugend bis ins hohe AH-Alter. Werner spielt heute noch in der AH des VfB Pfinzweiler. Jürgen Vetter hat gerade das Traineramt bei seinem Heimatverein Spvgg Dillweißenstein übernommen. Jürgen Geigle, fast schon eine Trainer-Legende in der Region, wird nach einer längeren Auszeit in der neuen Saison Coach beim Kreisligisten FC Dietlingen – immer an seiner Seite: Jürgen Rau. Arno Müller ist ebenso noch Mitglied beim CfR wie Wolfgang Werner.

Sie spielten gerne für den VfR. Heute wäre alles anders. „Drei, vier von unserer Mannschaft wären sicher früh beim KSC gelandet“, vermutet Jürgen Geigle. Aber die Talentsichtung war in den 70-ern noch nicht so akribisch und flächendeckend. Gut für den Fußball in Pforzheim. Denn die Jungs aus dem Jahrgang 1954/55 waren leidenschaftliche Rassler und landeten nach der A-Jugend auch fast alle in der ersten Mannschaft. Heute undenkbar. Genauso wie die Frisuren.